(Symbolbild: mariel-reiser/Unsplash)

Mit spitzer Feder

Unsere Ego-​Triper von der Bischofskonferenz

Ego-​Trips sind zur­zeit schwer en vogue. Die Seelen-​Striptease-​Welle macht auch vor den Toren der Kir­che nicht Halt. Als aus­ge­spro­chene Zeitgeist-​Surfer füh­len sich ins­be­son­dere auch kirch­li­che Wür­den­trä­ger in der Deutsch­schweiz angesprochen.

Da wäre zunächst einmal der neue St. Galler Bischof Beat Grögli zu nennen. Am Gottesdienst für verfolgte Christen des Hilfswerks Kirche in Not vom 18. Januar 2026 in der Luzerner Jesuitenkirche wurde ihm die Ehre der Festpredigt zuteil. Einer seiner Kernsätze: «Ich will keinen christlichen Gottesstaat.» Abgesehen von dieser Phantom-Beschwörung (wo in aller Welt «droht» ein christlicher Gottesstaat?) nervt die Egozentrik dieser Formulierung («Ich will»). Von einem Diener Gottes darf, ja, muss erwartet werden, dass er bei einer so wichtigen Frage, nämlich der Frage nach dem Verhältnis von Religion und Staat, von Kirche und Politik, nicht auf den Ego-Modus schaltet, sondern sich um eine überindividuelle Sicht im Licht des Evangeliums und der Lehre der Kirche bemüht. Eine exzellente Grundlage zu dieser Thematik wäre buchstäblich auf der Hand gelegen: Das epochale Werk des Kirchenlehrers und Ordensgründers Aurelius Augustinus «De civitate Dei» – Vom Gottesstaat.

Sein Mitbruder im Bischofsamt, Felix Gmür, macht mit der Kolumne «Was mich bewegt» auf sich aufmerksam. Die neueste Folge steht im Zeichen des nahenden Osterfestes. «Der leise Beginn von neuem Leben» heisst die Überschrift seiner Reflexionen – unspektakulärer Duktus, wohltuend kurzer Umfang. Aber auch hier: Nicht «Was mich bewegt» wäre die angemessene Perspektive, sondern vielmehr die Frage nach dem, was Ostern, was Tod und Auferstehung, der Sieg des Lebens über den Tod für die Menschen insgesamt bedeutet, über alle geographischen, sozialen und kulturellen Grenzen hinaus.

Unangefochtener Spitzenreiter
Unangefochtener Spitzenreiter in Sachen Ego-Trip ist der Churer Diözesanbischof Joseph Maria Bonnemain. Vom «Bündner Tagblatt» (16. Februar 2026) zur Funktion und Aufgabe des zukünftigen Weihbischofs befragt, gab Bischof Bonnemain den Tarif durch: Es sei ihm wichtig, dass dieser seine, Bonnemains, Vision in die Tat umsetze, sprich auf die Strasse gehe und den Menschen die Botschaft Christi anbiete.

Im Interview mit «kath.net» doppelte er nach. Auf den dramatischen Schwund der Priesteramtskandidaten seit seinem Stellenantritt angesprochen (zu Zeiten von Bischof Huonder waren es noch 25, heute sind es gerade noch vier), witterte Bonnemain ein Fremdverschulden. Bei dem halben Dutzend Männern, die gemäss Insidern seinetwegen das Priesterseminar Chur verlassen haben, handle es sich vermutlich um Liturgie-Nostalgiker. Diese hätten eine Vorliebe für Messfeiern im traditionellen Ritus. Er aber wolle Priester, welche «die Eucharistie gemäss der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil approbierten Liturgie feiern». Die von den Synoden-Euphorikern bis zum Überdruss propagierte «Kultur des Hörens» (man denke an die unsäglichen Plakate der sich an den eigenen Ohren ziehenden Bischöfe) bleibt wieder einmal Makulatur. Würde Bischof Bonnemain das Kirchenvolk ernst nehmen, könnte er den legitimen, vielfach geäusserten Wunsch nach der Feier der Liturgie im traditionellen Ritus nicht einfach ignorieren, sondern müsste ihn als legitimes, vielfach geäussertes Zeichen der Zeit wertschätzen. Stattdessen lautet seine Durchhalte-Parole: «Wir dürfen nicht der Versuchung unterliegen, bei der Aufnahme lockerer zu werden, nur weil die Zahl der möglichen Kandidaten klein ist – im Gegenteil!» Es ist eine Durchhalte-Parole bis zum letzten Mohikaner.


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

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Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

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    Jeremias Jund 29.03.2026 um 09:12
    Der Artikel auf swiss-cath.ch zu unseren Bischöfen trifft vieles. Aber ein Punkt fehlt oder kommt zu kurz: Die Krise der Kirche ist nicht nur eine Krise der Strukturen oder der Leitung. Sie ist auch – und vielleicht vor allem – eine Krise der Gläubigen selber. Hier eine kleine Auflistung:
    Autoritätsverlust – eigentlich überall
    Man merkt heute ziemlich klar: Autorität wird kaum mehr akzeptiert. In der Gesellschaft allgemein, aber auch in der Kirche. Und zwar nicht nur auf einer Seite.
    Die einen stellen alles infrage, was die Kirche sagt.
    Die anderen akzeptieren nur das, was ihnen selber passt, und suchen sich dabei den dazu passenden konservativen Pfarrer oder Pater.
    Am Schluss läuft es auf das gleiche hinaus:
    Jeder entscheidet selber, was richtig ist.
    Und das betrifft nicht nur Laien. Auch Priester halten sich teilweise nicht mehr an ihre Bischöfe. Die einen gehen zu sehr mit der Zeit, die anderen bewusst dagegen. Aber beide handeln oft eigenständig. Ein Stück weit ist es vernünftig und richtig wenn man nicht jeden "Schwachsinn" mitmacht, oft aber entsteht daraus eine grundlegende Ablehnung der kirchlichen Autorität.
    Das ist nicht einfach ein Detail, das ist ein Grundproblem.
    Gebet ohne Fasten – etwas fehlt
    Im Evangelium sagt Jesus Christus, dass gewisse Dinge nur durch Gebet und Fasten funktionieren/verändert werden können, hin zum Guten. Im Evangelium geht es dabei konkret um die Austreibung eines Dämons (Johannes 16, 24).
    Aber im Grundsatz kann mal jeder und jede (Bischof, Pfarrer, Gläubige, usw.) selber für sich überlegen:
    Gebet – ja, das machen viele noch irgendwie.
    Aber Fasten?
    Das ist praktisch verschwunden.
    Viele denken:
    Ich gehe in die richtige Messe, alt oder neu(halt das was derjenige Mensch für richtig hält), also passt das. Ich halte mich ja an die Gebote der Kirche, und Schlussendlich "ich bin ja ein guter Katholik...
    Aber Fasten, also wirklicher Verzicht, das will man nicht.
    Und das betrifft nicht nur „moderne“ Katholiken. Auch viele, die sich traditionell und konservativ fromm sehen, machen es im Alltag kaum. Man legt Wert auf die richtige Form, und achtet manchmal wie ein sorgfältiger Buchhalter auf die letzten 5. Rappen Unstimmigkeit, in kirchlichen Angelegenheiten – aber weniger achtsam sieht man auf das eigene Leben.
    Man muss es auch sagen: Die Kirche hat selber dazu beigetragen.
    Früher waren die Fastenregeln klar. Heute ist vieles offen, ersetzbar und flexibel.
    Das klingt gut, führt aber oft dazu, dass man es einfach ganz sein lässt.
    Und dann wundert man sich, warum der Glaube schwächer wird.
    Ablenkung statt Selbstprüfung
    Ein Punkt, der vielleicht etwas unangenehm ist:
    Viele, die solche Texte lesen, sind ständig in katholischen Medien unterwegs.
    Man liest swiss-cath.ch, schaut andere Seiten an, vergleicht, informiert sich.
    Und denkt dabei vielleicht:
    Ich bin informiert, ich stehe auf der richtigen Seite.
    Man liest ja nicht Blick oder 20 Minuten – also ist man schon irgendwie besser unterwegs als die "normalen", man könnte auch sagen man ist besser unterwegs als der "Zöllner".
    Aber ganz ehrlich: Das kann auch einfach eine andere Form von Ablenkung sein.
    Man liest viel und man weiss viel.
    Aber man schaut weniger auf sich selber.
    Statt sich zu fragen:
    Was stimmt bei mir selber nicht?
    Wo müsste ich mich ändern?
    Stattdessen liest man den nächsten Artikel (Wie auch alle die dies jetzt gerade lesen).
    Ein Blick auf die Gesellschaft
    Wenn man ehrlich ist, passt das Ganze auch zur Gesellschaft allgemein.
    In der Schweiz sind gemäss Statistik rund 42% der Erwachsenen übergewichtig. Das ist fast jeder Zweite.
    Und gleichzeitig:
    Viele verbringen mehrere Stunden täglich am Handy.
    Viele konsumieren ständig News
    ein Teil hat klar problematische Nutzung(in normaler Sprache: Suchtverhalten), auch wenn man das nicht gerne so nennt
    Das zeigt einfach:
    Wir sind Gewohnheiten gewohnt. Konsum gewohnt. Ablenkung gewohnt.
    Und genau in so einer Umgebung versuchen wir, Glauben zu leben. Das ist schwierig.
    Wenn man das zusammennimmt, wird es ziemlich klar:
    Die Probleme der Kirche kommen nicht einfach von oben.
    Sie haben mit uns zu tun:
    fehlende Demut
    fehlende Disziplin
    viel Wissen, aber wenig Umsetzung
    Die Kirche spiegelt am Ende die Gläubigen.
    Eine Erneuerung wird wahrscheinlich nicht durch neue Programme oder eine zeitgemässere Pastoral oder durch die Verbreitung einer bestimmten Liturgieform kommen.
    Sondern eher durch etwas Einfaches, das aber schwierig ist:
    echtes Gebet
    echtes Fasten
    sich selber ehrlich anschauen
    und auch wieder lernen, Autorität anzunehmen.
    Die Worte bleiben eigentlich klar:
    Gewisse Dinge gehen nur durch Gebet und Fasten.
    Alles andere bleibt sonst eher oberflächlich.
    • user
      ser AD 29.03.2026 um 13:06
      DIE Erneuerung würde (auch rechts) von der Rückbesinnung auf den Vater kommen. Auch rechts begnügt man sich wie Herr Jund schreibt mit der dogmatischen Gewissheit, in der formal richtigen Messe zu sein.

      Aber man lässt sich nichts sagen. Gott sagt dazu, sie bauen sich Zisternen, die das Wasser nicht halten können, leben von den Fleischtöpfen Ägyptens. Irdisch, ohne Heiligen Geist. Der wäre angezeigt im doppelten Manna am Freitag: die Heilige Messe (als Erweiterung der jüdischen Überlieferung).

      Früher wurde am Palmsonntag eine "Doppelmesse" gehalten mit den Israeliten in der Wüste, welche aufbegehrten gegen Moses (Exod 15,27, 16,1-7). Der Herr spricht dann zu Moses, Er würde Brot vom Himmel regnen lassen (Psalm 103), was aufzubewahren ist bis zum nächsten Tag: die Feier der Kommunion als Teilhabe am Ewigen Leben.

      Der ganze Kirchenbetrieb reduziert sich auf eine irdische Abwicklung der Liturgie, statt sich zu überlegen (wie Jeremias Jund), wozu das ganze gut wäre.
  • user
    Karl Oswald 25.03.2026 um 18:48
    Man erkennt den Baum an den Früchten und gute Früchte gibt es nicht. Kirchenaustrittszahlen explodieren, Seminare sind leer. Mit mathematischer Sicherheit ist in naher Zukunft Schluss. Bonnemain hat dafür keine Lösung: Er ist teil des Problems.
  • user
    Hansjörg 25.03.2026 um 17:04
    Joseph Maria Bonnemain ist ein guter Mann, zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
    • user
      Nicole Sutter 25.03.2026 um 19:57
      Für den umstrittenen Bischof Joseph Maria Bonnemain sehe ich kein Licht am Ende des Tunnels.
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    Paul Berger 24.03.2026 um 20:41
    Bonnemain muss sofort zurücktreten.
  • user
    Martin Meier-Schnüriger 24.03.2026 um 13:57
    An und für sich ist die Ernennung eines Weihbischofs für das Bistum Chur eine Chance, aber eben gerade dann nicht, wenn dieser neue Weihbischof nichts anderes als ein Klon von Bischof Joseph Maria Bonnemain ist. Wir bräuchten dringend einen Bischof, der ein offenes Ohr für jene Gläubigen hat, die treu zur Kirche und ihrer Lehre stehen. Einen Bischof, der sich auf die Seite jener Priester stellt, die wegen ihrer Glaubenstreue und ihres Seeleneifers angefeindet werden. Einen Bischof, der Farbe bekennt und sich vielleicht auch einmal an einem "Marsch fürs Läbe", einer Gebets- und Sühnenacht und/oder einer Wallfahrt sehen lässt. Beten wir darum für einen guten Weihbischof für das Bistum Chur!
  • user
    Peter Elisabeth 24.03.2026 um 11:50
    Wenn ein Bischof öffentlich erklärt, er wolle „keinen christlichen Gottesstaat“, dann ist er meines Erachtens als Hirte fehl am Platz. Meines Erachtens gehört genau diese Ausrichtung zum Ziel unserer Pilgerschaft innerhalb der Kirche– die Verwirklichung der Königsherrschaft Christi in Gesellschaft und Staat.
    Zudem weisen verschiedene Erscheinungen – etwa in Medjugorje oder Sievernich – auf tiefgreifende Umwälzungen hin. Ich bin überzeugt, dass wir auf eine Zeit zusteuern, in der sich eine neue Weltordnung entwickelt, ein lebendiges Zusammenwirken von Himmel und Erde, in dem das christliche Europa neu erstehen kann – nicht als theokratisches Zwangssystem, sondern als eine Gesellschaft, die sich am Evangelium und am Naturrecht orientiert.
    Ich frage mich, in welcher „christlichen“ Wirklichkeit sich unsere Bischöfe heute verorten, wenn sie schon die bloße Vorstellung einer von Christus geprägten Ordnung so entschieden ablehnen.
  • user
    Claudio Tessari 24.03.2026 um 08:21
    Traurig daran ist auch, dass selbst die Bischöfe sich ja nicht an die Liturgie halten, ja vor ihren Augen liturgische Missbräuche statt finden, und man das alles toleriert. Nichts hat mehr Konsequenzen. Klar wollen viele dann halt diese Theater nicht mehr mit machen und gehen, was ich den falschen Weg finde. Es sind im deutschsprachigen Raum wirklich sehr schwere Zeiten. Und dennoch gilt das Bibelwort. Römer 5.20 Das Gesetz aber ist dazwischen hineingekommen, damit die Übertretung mächtiger werde; wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden.

    Wir müssen leben wie es die Muttergottes in Fatima verlangt, täglich den Rosenkranz beten, Busse tun und opfern vor allem viel für die Hirten beten.
  • user
    Schwester Johanna 23.03.2026 um 21:41
    Ein Bischof der an die Öffentlichkeit geht um zu sagen, "WAS ICH WILL" ist per se nicht für das Amt geeignet.

    In der Kirche geht es nicht um "ICH WILL" sondern um was Gott will: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

    Es wird so lange weiter steil bergab gehen wie die nur ihren eigenen Willen und ihre eigenen Ideen umsetzen wollen.

    Wir müssen uns fremd schämen und das mit anschauen.
  • user
    John Henry 23.03.2026 um 19:40
    Ich sehe im Geist eine neue heilige Generation von geistlichen Vätern und Müttern. Eine Generation treuer und geradliniger Priester und Diakone, Äbte und Äbtissinnen. Ich vertraue darauf, dass der HERR bis dahin neue und treue Bischöfe installieren wird. Sein Wille geschehe, Sein Reich komme ! 🙏