Das Wetter war mild, zwischen den Holzständen am Weihnachtsmarkt auf der Piazza della Riforma in Lugano drängten sich Massen von Einheimischen und Touristen; es roch nach Glühwein, Kastanien und Weihnachten. Etwas weiter links an der Uferpromenade, beim sogenannten kleinen Tell-Ufer, drängten sich Familien und Spaziergänger vor einem abgegrenzten Rechteck, um ins Wasser zu schauen und unter den sanften Wellen die unscharfen grossen Weihnachtsfiguren zu identifizieren: Maria, Josef, die Heiligen Drei Könige, Ochs und Esel. Nur das Christkind fehlte noch.
Etwas weiter vorne war eine kleine Bühne aufgebaut worden und die bekannte Tessiner Fernseh-Moderatorin Carla Norgauer begann, die Leute auf die offizielle Einweihung der Unterwasser-Krippe und das musikalische Begleitprogramm mit Dudelsäcken und einem Frauenchor einzustimmen. Allmählich senkte sich die Dunkelheit über den See. Pünktlich um fünf Uhr näherte sich vor der atemberaubenden Kulisse des lichtgekränzten Luganersees mit seiner imponierenden Silhouette des Monte San Salvatore von weitem ein kleines beleuchtetes Boot. An der Promenade warteten mittlerweile etwa tausend Menschen und lauschten den Stimmen des Frauenchors «Cantoria di Pura».
Rasch näherte sich das kleine Boot. Es brachte das Christkind herbei, in Begleitung des Apostolischen Administrators Alain de Raemy. An Land würde er die Figur zuerst segnen, bevor 16 Taucher mit Fackeln die Statue auf dem Boot zur Krippe eskortieren und zu den anderen Figuren hinabsenken würden. «Anfangs fand ich die Vorstellung, das Jesuskind im See zu ertränken, etwas befremdlich», erzählte der Weihbischof scherzhaft am Mikrophon. «Aber dann habe ich gedacht: Christus ist schliesslich schon längst in alle Niederungen hinabgestiegen. Jetzt macht es mir nichts mehr aus, im Gegenteil!»
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