Die beleuchtete Unterwasser-Krippe, dahinter das bischöfliche Boot. (Bild: Kathrin Benz)

Kirche Schweiz

Unterwasser-​Krippe in Lugano fei­er­lich eingeweiht

In Lugano ist am Sonn­tag­abend fei­er­lich eine Unterwasser-​Krippe ein­ge­weiht wor­den. Die beleuch­te­ten Krip­pen­fi­gu­ren an der See­pro­me­nade sind seit acht Jah­ren Tra­di­tion und sol­len an den wah­ren Sinn von Weih­nach­ten erin­nern. Der Apos­to­li­sche Admi­nis­tra­tor Alain de Raemy hat bei ein­tre­ten­der Dun­kel­heit im Bei­sein zahl­rei­cher Men­schen das Jesus­kind geseg­net, bevor es von einem Tau­cher zu den rest­li­chen Krip­pen­fi­gu­ren hin­ab­ge­senkt wurde.

Das Wetter war mild, zwischen den Holzständen am Weihnachtsmarkt auf der Piazza della Riforma in Lugano drängten sich Massen von Einheimischen und Touristen; es roch nach Glühwein, Kastanien und Weihnachten. Etwas weiter links an der Uferpromenade, beim sogenannten kleinen Tell-Ufer, drängten sich Familien und Spaziergänger vor einem abgegrenzten Rechteck, um ins Wasser zu schauen und unter den sanften Wellen die unscharfen grossen Weihnachtsfiguren zu identifizieren: Maria, Josef, die Heiligen Drei Könige, Ochs und Esel. Nur das Christkind fehlte noch.

Etwas weiter vorne war eine kleine Bühne aufgebaut worden und die bekannte Tessiner Fernseh-Moderatorin Carla Norgauer begann, die Leute auf die offizielle Einweihung der Unterwasser-Krippe und das musikalische Begleitprogramm mit Dudelsäcken und einem Frauenchor einzustimmen. Allmählich senkte sich die Dunkelheit über den See. Pünktlich um fünf Uhr näherte sich vor der atemberaubenden Kulisse des lichtgekränzten Luganersees mit seiner imponierenden Silhouette des Monte San Salvatore von weitem ein kleines beleuchtetes Boot. An der Promenade warteten mittlerweile etwa tausend Menschen und lauschten den Stimmen des Frauenchors «Cantoria di Pura».

Rasch näherte sich das kleine Boot. Es brachte das Christkind herbei, in Begleitung des Apostolischen Administrators Alain de Raemy. An Land würde er die Figur zuerst segnen, bevor 16 Taucher mit Fackeln die Statue auf dem Boot zur Krippe eskortieren und zu den anderen Figuren hinabsenken würden. «Anfangs fand ich die Vorstellung, das Jesuskind im See zu ertränken, etwas befremdlich», erzählte der Weihbischof scherzhaft am Mikrophon. «Aber dann habe ich gedacht: Christus ist schliesslich schon längst in alle Niederungen hinabgestiegen. Jetzt macht es mir nichts mehr aus, im Gegenteil!»
 


Wie alle Redner und die Organisatoren beteuerten, besteht der Sinn dieser Aktion darin, in der hektischen Vorweihnachtszeit die ursprüngliche Bedeutung des religiösen Hochfestes zu wahren: als Moment der Besinnung auf das Geburtsfest des Gottessohnes. Die Idee der Unterwasser-Krippe stammt von Alessandro Rossi, einem passionierten Taucher aus Lugano. «Bei einem Tauchgang in unserem schönen See ist mir vor acht Jahren die Idee dazu gekommen», erklärt er. Seine Kollegen vom Tauchclub Lugano Sub waren sofort dabei. Bald konnten andere Vereine und Sponsoren gewonnen werden. Das Konzept war zwar nicht neu, denn auf der italienischen Seite des Sees gab es bereits ähnliche Initiativen, aber die Luganesi nahmen die Idee dankbar auf.

Mittlerweile ist die Unterwasser-Krippe eine feste Grösse im Weihnachtsangebot der Stadt Lugano geworden. Neben dem Bischof waren auch hochrangige politische Vertreter anwesend. So erklärte der Luganeser SVP-Ständerat Marco Chiesa am Mikrophon: «Es ist wichtig, dass wir unsere Traditionen wahren. Wenn wir nicht wissen, woher wir kommen, können wir auch nicht wissen, wohin wir gehen sollen.» Und der Tessiner Grossratspräsident Fabio Schnellmann (FDP), der als Mitglied der «Freunde des Luganersees» massgeblich an der Organisation beteiligt war, erklärte gegenüber «swiss-cath.ch»: «An Weihnachten werden viele Events organisiert, aber diese Krippe erinnert uns an den wirklichen Sinn von Weihnachten. Sie gehört zu unserer Kultur. Es ist ein Moment der Besinnung auf die echten Werte des Lebens, ohne die wir nicht wären, was wir heute sind.»
 


Die Initiative eines Tauchers aus Lugano ist also zu einer Tradition geworden und zu einem Anlass, auf den die Stadt jeweils ebenso wartet wie auf den Moment Ende November, wenn die Lichter des Weihnachtsbaums auf der Piazza angezündet werden. Die Heilige Familie und die Drei Könige bleiben noch bis zum 6. Januar im Luganersee und werden nachts beleuchtet.


Kathrin Benz

Kathrin Benz, Jahrgang 1963, gehört durch ihre Nidwaldner Mutter zu den zahlreichen Nachkommen des Niklaus von Flüe. Aufgewachsen in Basel, studierte sie in Genf und Brüssel und war Korrespondentin der Schweizerischen Depeschenagentur in Lugano. Heute ist sie freischaffende Übersetzerin und Journalistin und lebt mit ihrem Mann und den sechs Kindern im Tessin.


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