(Symbolbild: JillWellington/Pixabay)

Weltkirche

Valen­tin – ein Vor­bild nicht nur für Liebespaare

Den 14. Februar, den «Valen­tins­tag», ver­bin­den wir mit Liebe, Blu­men, Scho­ko­lade und glück­li­chen Paa­ren. Doch wer war der hei­lige Valen­tin, auf den die­ser Tag zurück­geht? Und hatte er wirk­lich etwas mit Lie­bes­paa­ren zu tun?

Über das Leben des heiligen Valentin ist nicht viel bekannt. Als älteste Quelle gilt die «Liberianische Bischofsliste» des sogenannten «Chronographen» aus dem Jahr 354. Diese verzeichnet den Bau einer Basilika «quae appellatur Valentini» an der Via Flaminia unter Papst Julius I. (337–352). Das «Martyrologium Hieronymianum» (5. Jahrhundert) führt Valentinus als Märtyrer von Interamma (heute Terni) auf. Dies deckt sich mit der Tatsache, dass dort Mitte des 8. Jahrhunderts auf einem Friedhof des 4. Jahrhunderts eine dem Valentin geweihte Basilika nachweisbar ist.

Das Römische Märtyrerverzeichnis verzeichnet für den 14. Februar zwei Märtyrer mit dem Namen Valentin. Ein Text aus dem 6. Jahrhundert bezeichnet Valentin als Presbyter, der unter Kaiser Claudius Gothicus (268–270) an einem 14. Februar an der Via Flaminia enthauptet wurde. Dieser wird als Valentin von Rom bezeichnet.
Eine alte Inschrift in lateinischer Sprache bezeugt das Martyrium des Bischofs von Terni: «In Terni wurde der heilige Valentin, nachdem er lange Zeit geschlagen worden war, inhaftiert, und da sein Widerstand nicht gebrochen werden konnte, wurde er schliesslich um Mitternacht heimlich aus dem Gefängnis geholt und auf Befehl des Präfekten von Rom, Placidus, enthauptet.»
Da es sehr viele Übereinstimmungen zwischen den beiden Valentin gibt, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei Valentin von Rom und Valentin von Terni um die gleiche Person handelt. Eine mögliche Erklärung ist, dass Valentin zunächst Priester in Rom war, bevor er Bischof in Terni wurde.

An der Via Flaminia liegen die Katakomben des heiligen Valentin, datiert auf das 3. Jahrhundert. Im 4. Jahrhundert wurde eine dreischiffige Basilika erbaut; vermutlich lag dort das Grab des heiligen Valentin. Unter Papst Paschalis I. wurden die Reliquien des Heiligen aus den Katakomben entfernt. Einige Reliquien befinden sich heute in «Santa Maria in Cosmedin» in Rom, andere in der Basilika San Valentino in Terni. Bald wurde sein Grab, das in der Basilika vermutet wurde, zum Wallfahrtsort. Durch Benediktiner, denen die Basilika im Mittelalter anvertraut wurde, verbreitete sich die Verehrung Valentins in ganz Europa.
 


Patron für eine gute Verlobung und Heirat
Um den heiligen Valentin selbst ranken sich einige Legenden, die von Liebespaaren handeln, die aber erst lange nach seinem Tod entstanden sein dürften. So soll er trotz eines kaiserlichen Verbots Liebespaare christlich getraut und Paaren bei Beziehungsproblemen geholfen haben. Die wohl bekannteste Überlieferung handelt von Sabino und Serapia. Sabino war ein römischer Zenturio und Heide, Serapia eine Christin aus Terni. Um von ihrem Vater die Erlaubnis zu erhalten, Serapia zu heiraten, begann er bei Bischof Valentin das Katechumenat. Leider erkrankte Serapia schwer und lag im Sterben. Sabino flehte Bischof Valentin an, ihn nicht von seiner Geliebten zu trennen. Bischof Valentin taufte den jungen Mann und vollzog ihre Trauung. Als er dem frischvermählten Paar den Segen erteilte, gingen sie gemeinsam ins ewige Leben ein.

Der englische Dichter Geoffrey Chaucer (ca. 1343–1400), bekannt durch seine «Canterbury Tales», schrieb in seinem Gedicht «Parlement of Foules» (um 1382) über einen Tag, an dem Vögel zusammenkommen, um ihre Partner für das Jahr auszuwählen: «Denn es war am Valentinstag, als alle Vögel dorthin kamen, um sich einen Partner zu suchen.»

Diese Verse gelten als die erste bekannte Verbindung zwischen dem Valentinstag und der romantischen Liebe. Die Idee, dass der Valentinstag ein Tag für Verliebte sei, gefiel der höfischen Gesellschaft des Mittelalters gut, und die Menschen begannen, sich am 14. Februar romantische Geschenke zu machen – der Valentinstag, wie wir ihn heute kennen, war geboren.

Für uns Christen ist das Lebenszeugnis des heiligen Valentin wichtiger als romantische Ideen. Er war bekannt für sein tugendhaftes Leben und für seine Fürsorge für die Bedürftigen. Aufgrund seines tiefen Glaubens konnte er Menschen heilen und auch Wunder bewirken. Besonders beeindruckend ist sein Mut und seine Standhaftigkeit in der Verfolgung: Auch unter der Folter und dem drohenden Tod blieb er seinem Glauben treu. Seine Nächstenliebe, Treue und Standhaftigkeit können (Ehe-)Paaren ein Vorbild sein, denn eine Partnerschaft kennt nicht nur romantische Tage wie den Valentinstag, sondern auch schwere und einsame Zeiten, die in Treue und Liebe durchgehalten werden wollen.
 

In Ernen VS finden sich hinter dem Altarbild in der Dorfkirche Reliquien des heiligen Valentin. Der Gommer Bannerherr Moritz Jost brachte vor Jahrhunderten von einer Romreise einige Knochen aus den Katakomben zurück. Daraus wurde eine Statue des Heiligen gefertigt; diese wird jeweils am 14. Februar den Gläubigen gezeigt.

Seit der Kalenderreform 1969 wird am 14. Februar nicht mehr des heiligen Valentins gedacht, sondern der heiligen Cyrill und Methodius, Glaubensboten bei den Slawen und Schutzpatrone Europas.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

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Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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