(Symbolbild: https://franciscoacuyo.blogspot.com / CC BY-NC-ND 3.0)

Weltkirche

Vati­kan warnt vor Fan­ta­sien zur Per­fek­tio­nie­rung des Menschen

Kön­nen Alter, Krank­heit und Tod dem­nächst durch tech­ni­schen und medi­zi­ni­schen Fort­schritt über­wun­den wer­den? Kommt nach der Gat­tung Mensch etwas Bes­se­res? Der Vati­kan hält die Anmas­sung, sel­ber Gott zu spie­len, für falsch und gefährlich.

Der Vatikan hält Ideen des Transhumanismus und des Posthumanismus für unvereinbar mit dem christlichen Glauben. Das geht aus einem Dokument mit dem Titel «Quo vadis humanitas?» hervor, das am Mittwoch in Rom veröffentlicht wurde. Erarbeitet haben es acht Mitglieder der Internationalen Theologenkommission, die das «Dikasterium für den Glauben» berät. Es wurde von Papst Leo XIV. gebilligt.

Transhumanismus und Posthumanismus
Transhumanismus ist eine intellektuelle Bewegung, die biologische Begrenzungen wie beschränkte Intelligenz, Geschlecht, Alter, Krankheit oder Tod mit naturwissenschaftlich-technischen Mitteln überwinden will. Die menschliche Evolution wird von Transhumanisten als nicht abgeschlossen begriffen. Sie sehen im Menschen eine komplexe, aber unvollkommene Maschine und einen Datensatz, der durch Algorithmen, Bio- und Nanotechnologie, Künstliche Intelligenz und Gehirn-Computer-Schnittstellen verbessert werden kann. Unvollkommene menschliche Eigenschaften sollen aussortiert und der Mensch in ein posthumanes Wesen überführt werden. Ob es überhaupt noch einen Körper braucht, darüber herrscht Uneinigkeit.
Hinter dem Transhumanismus stehen auch handfeste ökonomische Interessen. Die dazu benötigten Entwicklungen werden primär von profitorientierten Tech-Firmen in den USA vorangetrieben.

Posthumanisten gehen einen Schritt weiter; sie wollen die menschliche Gattung komplett überwinden und durch technische Konstrukte ersetzen.

Nicht Überwindung, sondern Synthese
Die Autoren von «Quo vadis humanitas?» stellen fest, dass die Idee einer Überwindung der Grenzen der menschlichen Natur durch Technik und Medizin derzeit sehr einflussreich ist. Sie unterscheiden zwischen einem optimistischen Transhumanismus, der eine Perfektionierung des Menschen anstrebt, und der eher pessimistischen Idee des Posthumanismus. Ihr zufolge wird die Menschheit bald eine überholte Gattung sein, an deren Stelle technische Geschöpfe oder eine alles regierende Künstliche Intelligenz treten. Beiden Strömungen sei gemeinsam, dass sie Widersprüche und Begrenztheiten der menschlichen Existenz nicht akzeptierten, moniert die Kommission: Die Transhumanisten versuchten, sie auf technologisch-medizinischem Weg zu überwinden, die Posthumanisten verabsolutierten die Mängel des Menschseins und sähen die Menschheit deshalb als überholt an.

Im Gegensatz dazu strebt das christliche Denken eine Synthese der tiefen Spannungen und Gegensätze an, die das menschliche Leben ausmachen. Statt diese technisch zu überwinden oder zu ersetzen, werden sie für Christinnen und Christen im Sterben und in der Auferstehung Jesu aufgehoben.

«Den Körper nach Belieben umbauen»
Das Papier enthält zudem Warnungen vor Gefahren sozialer Netzwerke und einer möglicherweise nach Kontrolle der Menschheit strebenden «Allgemeinen Künstlichen Intelligenz». Am schärfsten ist jedoch die Kritik der Kommission am Streben nach körperlicher Perfektionierung.

Der Körper werde so zu einem «biologischen Material, das man potenzieren, transformieren und nach Belieben umbauen will, verbunden mit dem Traum, Schmerz, Altern und Tod zu vermeiden». Dieser Vision stehe die christliche Lehre entgegen, wonach der Mensch seine leibliche Existenz als Geschenk und als Berufung empfängt.

Scharfe Kritik üben die Autoren an der Vorstellung, dass die Identität als Mann oder Frau frei geformt und verändert werden könne. «Die derzeitige Tendenz, den natürlichen Unterschied der Geschlechter zu negieren oder zu übergehen und ihn durch jede vom menschlichen Verstand ausdenkbare Möglichkeit zu ersetzen, wird zu einer gefährlichen Weise, die reale körperliche Identität auszulöschen», heisst es in dem Text.

In der heutigen Kultur sei es «eine der grössten Herausforderungen, den eigenen Körper in seiner Geschlechtlichkeit anzunehmen und ihn als Geschenk anzusehen – und nicht als ein Gefängnis, das mich daran hindert, ich selbst zu sein, oder als biologisches Material, das man verändern sollte».

«Quo vadis humanitas?» ist ein Text der Internationalen Theologenkommission, die den Vatikan berät, und damit noch nicht Teil des kirchlichen Lehramts. Häufig greifen aber spätere lehramtliche Texte auf solche Vorarbeiten zurück.
 

Dokument «Quo vadis humanitas?» (nur auf Italienisch und Spanisch erschienen)

 

Internationale Theologenkommission
Papst Paul VI. hatte das Gremium 1969 errichtet. Die Internationale Theologenkommission soll aktuelle theologische Debatten und Streitfragen behandeln. Sie erhält dazu auch gezielt Aufträge des Papstes oder des Heiligen Stuhls, insbesondere der Glaubensbehörde.
Die Kommission setzt sich aus Theologinnen und Theologen diverser Denkrichtungen und Nationen zusammen. Sie sollen sich durch wissenschaftliche Qualifikation und Treue zum kirchlichen Lehramt auszeichnen. Die bis zu 30 Mitglieder aus aller Welt werden nach Befragung der Bischofskonferenzen dem Papst vorgeschlagen und von diesem für jeweils fünf Jahre ernannt.


KNA/Redaktion


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Bemerkungen :

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    Joel Rietmann 06.03.2026 um 07:56
    Der Artikel über die Warnung des Vatikans vor Transhumanismus spricht ein wichtiges Thema an: die zunehmende technische Veränderung des Menschen. Ich teile die grundsätzliche Skepsis gegenüber der Idee, den Menschen immer weiter zu „perfektionieren“. Der Mensch ist kein technisches Projekt, das beliebig optimiert werden sollte, sondern ein Geschöpf mit natürlichen Grenzen.
    Aus meiner Sicht gehört zum Menschsein auch, Krankheit, Altern und schließlich den Tod zu akzeptieren. Diese Erfahrungen sind Teil unseres Lebens und haben ihren Platz in einer größeren Ordnung. Der Versuch, den Menschen technisch immer weiter zu verbessern oder sogar den Tod überwinden zu wollen, wirkt daher problematisch und zeigt eine gewisse Selbstüberschätzung.
    Gleichzeitig sollte man zwischen sinnvoller medizinischer Hilfe und einer radikalen Veränderung des Menschen unterscheiden. Medizin, die Leiden lindert oder Leben rettet, kann sinnvoll und menschlich sein. Doch wenn Technologien darauf abzielen, den Menschen grundlegend umzubauen oder seine Natur zu verändern, wird eine Grenze überschritten.
    Der technische Fortschritt ist beeindruckend, aber nicht alles, was möglich ist, ist auch ethisch richtig. Deshalb halte ich es für wichtig, den natürlichen Verlauf des menschlichen Lebens zu respektieren und nicht zu versuchen, ihn vollständig zu kontrollieren. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Technik bedeutet auch, die Grenzen des Menschen anzuerkennen.
  • user
    Hansjörg 05.03.2026 um 16:36
    Die Lebenserwartung in der Schweiz ist seit den 1870er Jahren bis heute von 40 auf über 80 Jahre gestiegen. Nebst besserer Hygiene und Ernährung sind die medizineschen Fortschritte der wichtigste Punkt für die heute erreichten hohen Alter. Speziell zu erwähnen sind dabei Medikamente und Impfungen, Transplantationen aber auch der Einsatz von künstlichen Ersatzteilen wie Gelenke, Stents, u.s.w.
    Wenn das für den Vatikan ein wichtiges Thema, oder falsch wäre, hätte der Vatikan ja schon viel früher warnen müssen.
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      Daniel Ric 06.03.2026 um 07:48
      Ein Grund, weshalb die breiten Massen heute eine höhere Lebenserwartung haben, liegt vor allem auch darin, dass der Wohlstand besser verteilt wird als vor 150 Jahren. Es war die katholische Kirche, allen voran Leo XIII. mit seiner Sozialenzyklika Rerum Novarum, welche das Massenelend angeprangert hat und der Illusion ein Ende setzte, dass das freie Spiel des ökonomischen Liberalismus zu einem Himmel auf Erden führe. Weiter möchte ich daran erinnern, dass die Kirche sich nie gegen Technologie eingesetzt hat. Es waren die Klöster, die sehr viel technisches Wissen hervorbrachten und dadurch Europa zu mehr Wohlstand verhalfen.
      In der Diskussion rund um den Transhumanismus und Posthumanismus geht es nicht darum, ob wir mithilfe der Technologie unsere Lebensbedingungen verbessern sollen, sondern um Fantasien, die dem menschlichen Leben schaden und in denen ein Hass gegen den Menschen inhärent ist. Gegen dieses Denken wehrt sich die Kirche.
    • user
      Joel Rietmann 06.03.2026 um 07:52
      Die moderne Medizin ist sicher gut, jedoch geht sie an einigen Orten aus Sicht der Ethik zu weit.... Künstliche Gelenke, Stants und Medikamente sind ok. Ein glaubwürdiger Christ sollte sich jedoch ernsthaft Gedanken zu Thema Transplantation und gewisse Impfungen machen.... Der Mensch ist kein Ersatzteillager sonder ein Geschöpf Gottes.... Es ist nicht die Aufgabe des einzelnen Menschen, Gottes Plan zu manipulieren...

      Übrigens.... Ja, die Lebenserwartung ist von 40 auf 80 gestiegen. Aktuell ist diese jedoch wieder im Minustrend... Aufgrund der Wohlstandskrankheiten sinkt die Lebenserwartung leicht aber stetig
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        Hansjörg 06.03.2026 um 13:35
        Ich weiss nicht, welche Impfungen gemeint sind, die ein Christ meiden sollte. Was ich aber weiss ist, dass mit Impfungen schwere Krankheiten mit viel Leid, wie Polio, oder Pocken usw. beinahe ausgerottet werden konnten.
        • user
          Daniel Ric 08.03.2026 um 07:34
          Wie bereits oben geschrieben ist es im Sinne der kirchlichen Lehre, dass die Medizin den Menschen hilft. Wichtig ist aber, die sinnvollen Grenzen der Medizin abzuschätzen. Wie Herr Rietmann richtig bemerkt, gibt es momentan fast keine Steigerung der Lebenserwartung mehr, sondern in einigen Ländern sogar eine Senkung. Bei gewissen medizinischen Eingriffen lässt sich daher wirklich die Frage stellen, ob die Risiken nicht den Nutzen übersteigen. Dazu gehört auch das Impfen gegen bestimmte Krankheiten von Menschen, die keiner Risikogruppe angehören. Ich gehöre beispielsweise nicht zu den Extremisten, was die Corona-Impfung anbelangt. Auch wenn ich mich nicht impfen liess, so habe ich Verständnis für diejenigen, die dies getan haben. Auch glaube ich nicht an die vielen Nebenwirkungen, die man der Impfung attestiert. Trotzdem ist jeder medizinische Eingriff mit Risiken verbunden, was in der Diskussion rund um das Impfen oft verschwiegen wird. Die katholische Kirche plädiert für einen gesunden und ausgeglichenen Menschenverstand, was leider heutzutage immer häufiger eine Seltenheit ist.
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            Hansjörg 09.03.2026 um 14:09
            Die Kommentare und Aussagen zu Impfungen die von Christen oder Katholiken nicht getätigt werden sollten sind von Herr Rietmann und von Ihnen, Herr Ric sind schwammig und unklar.
            Ich schlage vor, dass die kath. Kirche eine konkrete Liste erstellt und publiziert.
  • user
    Stefan Fleischer 05.03.2026 um 10:09
    Hofen wir,
    dass unsere Bischöfe der Katholischen Kirche Stadt Luzern diese Stellungnahme unter die Nase reibt.