Ausschnitt aus dem Cover des neuen «1807 sanktluzi».

Kirche Schweiz

Ver­brauch an WC-​Papierrollen: Die neue Jah­res­chro­nik aus Chur gibt Auskunft

«1807 sankt­luzi» heisst neu die Jah­res­schrift der Semi­nar­lei­tung St. Luzi und der Theo­lo­gi­schen Hoch­schule Chur. Der «New Look» ist gra­fisch durch­aus gelun­gen. Der Inhalt ver­mag damit aller­dings nicht Schritt zu halten.

Nach 25 Jahren gönnen Seminarleitung und Theologische Hochschule Chur ihrer Jahreschronik ein rundum erneuertes Erscheinungsbild. Neu ist nicht nur das grafisch durchaus gelungene «Redesign», neu ist auch der Titel. Hiess die Jahresschrift bislang «Grüsse aus St. Luzi», nennt sie sich ab sofort «1807 sanktluzi».

Die Jahreszahl 1807 sei selbsterklärend, meint Regens Daniel Krieg im Vorwort: «Denn 1807 zog das 1800 unter Regens Gottfried Purtschert in Meran gegründete Priesterseminar des Bistums Chur in St. Luzi ein.» Da darf sich Regens Krieg eines aussergewöhnlich guten Erinnerungsvermögens erfreuen, denn nur die Allerwenigsten – theologisch Gebildete inbegriffen – dürften die Jahreszahl 1807 mit den Churer Bildungsinstitutionen in Verbindung setzen.

Mit einer Grussadresse meldet sich auch Diözesanbischof Bonnemain zu Wort: «Wie Papst Franziskus mehrfach sagte, ist die Kirche kein Museum, keine Mumie, sondern lebendig, sie wächst und entwickelt sich zusammen mit den Freuden und Hoffnungen, mit der Trauer und Angst der Menschen weiter.» Die eigenen Bildungsinstitutionen konnte Bischof Bonnemain damit nicht gemeint haben – dies angesichts der alarmierend tiefen Zahl von Priesteramtskandidaten.

Gesagtes und nicht Gesagtes
Was am meisten interessiert, sind die Zahlen. Aktuell studieren 35 Frauen und Männer für das Bistum Chur: 24 Theologiestudierende, sechs Absolventen des Religionspädagogischen Instituts (RPI) und fünf Absolventen des Theologischen Studienprogramms. Letztere studieren in Chur wie auch sechs Theologiestudierende. Fünfzehn Theologiestudierende sind in Luzern, und drei in Fribourg. Regens Daniel Krieg erwähnt einen Priesteramtskandidaten in Luzern und einen in Fribourg, aber keinen in Chur. Gleichwohl heisst es im nächsten Satz: «Aktuell leben im Priesterseminar St. Luzi vier Priesteramtskandidaten.» Es muss davon ausgegangen werden, dass im Priesterseminar des Bistums Chur ausschliesslich Priesteramtskandidaten aus anderen Bistümern wohnen. Überprüfen lässt sich das anhand der Zahlen im hinteren Teil des «1807 sanktluzi» nicht, da hier Priesteramtskandidaten nicht mehr gekennzeichnet sind. Es passt aber zur Tatsache, dass im Vorstand des Churer Jugendrates ein Priesteramtskandidat aus dem Bistum St. Gallen ist.

Interessanterweise wird die Diakonenweihe von Sven Probst mit keinem Wort erwähnt, auch nicht die Priesterweihe von Matteo Tuena. Das wäre doch etwas, was die Leser nicht nur interessiert, sondern auch erfreut. Ebenfalls nicht erwähnt wird der alte, neue Priesteramtskandidat G. S. Dieser war bereits Priesteramtskandidat; nachdem es 2019 zu einer Grenzüberschreitung gegenüber einem Studenten kam, musste er auf Entscheid des Bischofsrats, wozu damals auch der heutige Bischof Bonnemain gehörte, nicht nur das Seminar, sondern auch das Bistum verlassen. Doch es fand sich eine Pfarrei, die ihn nach Abschluss seines Studiums als «Pastoralen Mitarbeiter» anstellte – mit dieser Anstellungsform umging sie die Erteilung einer Missio, die für eine Anstellung als Pastoralassistent notwendig gewesen wäre, eine Missio, die G. S. vom damaligen Apostolischen Administrator, Bischof Peter Bürcher, nicht erhalten hätte. Auch das Generalvikariat Urschweiz schaute grosszügig über das Anstellungsverbot im Bistum hinweg, wie aus dem damaligen Pfarreiblatteintrag ersichtlich ist.

Kaum war Joseph Maria Bonnemain Bischof, holte er G. S. ins Bistum zurück und erlaubte ihm den Besuch des Pastoralkurses. Die Missio erhielt er aber zunächst nicht: Die Verantwortlichen erachteten «eine offizielle kirchliche Indienstnahme und Sendung» als verfrüht – dies, obwohl G. S. bereits seit mehreren Jahren in der Pastoral tätig war. Im Sommer 2025 erhielt er dann noch die Missio und wurde im Herbst innerhalb einer Admissio-Feier erneut als Priesteramtskandidat aufgenommen. Über die Admissio-Feier schwieg sich das Bistum aus, was aufgrund der Vorgeschichte nicht verwunderlich ist. Und auch das «1807 sanktluzi» berichtet lieber über andere Dinge wie z. B. über die Anzahl Kilo Kaffee oder Rollen WC-Papier, die im vergangenen Studienjahr verbraucht wurden, oder eine Pilgerreise nach Rom, an der – sollte man den Fotos glauben – gerade einmal fünf Studierende teilgenommen haben.

Rekordverdächtiges Betreuungsverhältnis
An der Theologischen Hochschule Chur studieren aktuell 19 Frauen und Männer (Bachelor und Master). Dazu kommen acht Absolventen des Bischöflichen Studienprogramms. Zum Vergleich: In Luzern sind es 177 Studierende im Vollstudium und sieben im Bischöflichen Studienprogramm.

Die Webseite der TH Chur führt 7 Lehrstühle, 3 Gastprofessoren, 4 Dozierende und 5 Lehrbeauftragte auf. Somit stehen den 19 Theologiestudierenden 19 Dozenten gegenüber.

Die hohe Anzahl Dozierender ist der Akkreditierung als private universitäre Institution geschuldet.

Finanziell wird die TH Chur hauptsächlich von der Stiftung «Priesterseminar St. Luzi» getragen. Sie erhält Zuwendungen des Kantons Graubünden, der kantonalkirchlichen Körperschaften der Bistumskantone und der «Stiftung Freunde der TH Chur».

Finanziell ausgesorgt
Die Stiftung «Priesterseminar St. Luzi besitzt ein grösseres Bauland auf dem Gebiet der Stadt Chur. Da der Unterhalt des Priesterseminars (Gebäude) kostenaufwendig ist, wurde bereits unter Bischof Amadée Grab beschlossen, das Land zu nutzen. Dafür wurde die Kleinbruggen AG zwischengeschaltet, die das Land von der Stiftung Priesterseminar St. Luzi im Baurecht übernommen hat. Die insgesamt 13 Baufelder wurden ab 2020 in drei Etappen überbaut; das Projekt soll bis spätestens 2028 abgeschlossen sein. Gemäss Insidern ist ab dann mit einem Ertrag von mehr als zwei Millionen Franken jährlich zu rechnen. Zunächst müssen gemäss dem Bischöflichen Verwalter, Werner Derungs, die noch bestehenden Schulden des grossen Umbaus im Jahr 2007 abbezahlt werden. Die Baukosten beliefen sich damals auf 11,5 Millionen Franken. Davon konnten rund 5 Millionen durch Spenden gedeckt werden.

Die Einnahmen der Stiftung betrugen 2020 noch Fr. 3 006 920, im Jahr 2024 bereits Fr. 4 045 888. Mit diesen Einkünften kann nicht nur das Priesterseminar instand gehalten, sondern auch der Betrieb der TH Chur finanziert werden. Es fragt sich nur, wie sinnvoll es ist, für so wenige Studierende eine Theologische Hochschule zu führen.

Aktuell werden jährlich zwei obligatorische Kollekten für das Priesterseminar St. Luzi aufgenommen sowie eine verpflichtende Kollekte für Theologiestudierende im Bistum Chur. Es darf die Frage gestellt werden: «Warum?


Redaktion


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Bemerkungen :

  • user
    Michael Dahinden 26.12.2025 um 03:24
    R. I. P. Frau Maria Lombriser. Sie war jemand, der aktiv mitdachte und hatte einen verständnisvollen Umgang mit den Menschen. Möge sie drüben viel zu lachen haben.
  • user
    Johannes Wübbe 24.12.2025 um 16:59
    Bischof Bonnemain behauptet, die Kirche muss "dynamisch, kreativ und flink sein" - wir sind doch hier nicht im Fitness-Center.

    Dass unter Regens Krieg die WC-Rollen gezählt werden ist weiterhin äusserst befremdlich.

    Ein Seminarist beschreibt in seiner Forschung die "Tragödie der Duisburger Loveparade im Juli 2010".

    "Wir sagen, dass sich Lernen vor allem in Können und Leistung zeigt. Beispielsweise kann man lernen, Auto zu
    fahren oder eine Mikrowelle zu bedienen." - Karl Wolf, Spiritual. Das sind tatsächlich Einsichten von grossem Gewicht!

    Lisa Kühn wirbt für eine «Fuck-up-Night»,

    Danke für diese Einblicke, jetzt können alle sehen: Das ist keine seriöse Institution und anständige Menschen gehen da nicht hin.
    • user
      ser AD 24.12.2025 um 19:26
      Das Heftlein hat wenig theologischen und schon gar keinen christologischen Inhalt.

      Die Ausführungen von Spiritual Wolf sind für seine Position schwach.

      Was ist ein bischöfliches Studienprogramm?

      Der Tod der langjährigen Sekretärin Maria Lombriser ist keiner Erwähnung würdig.
      • user
        Helena Stadler 25.12.2025 um 17:27
        "Früher brauchten die einfachen Leute Glaube, Sakramente und andere Mythen, heute nach 1968 haben wir das alles nicht mehr nötig. Glaube und Gebet, Gott und Jesus, das sind Themen längst vergangener Zeiten. Wir sind ja aufgeklärt und stehen darüber." - Das ist die Haltung der THC.

        Deswegen wäre es passender, man würde die Jahreschronik "1968 sanktluzi" betiteln.
      • user
        Redaktion 25.12.2025 um 18:17
        Das Bischöfliche Studienprogramm (früher Bischöliches Sonderprogramm) ist ein verkürztes Theologiestudium. Vorausgesetzt werden ein Abschluss am Religionspädagogischen Institut Luzern RPI oder den Besuch des «Studiengang Theologie» des TBI. Danach folgt ein zweijähriges Studium in Chur oder Luzern (meinstens zwei Tage pro Woche). Der (nicht akademische) Abschluss erlaubt eine Anstellung als «Seelsorger». In der Praxis wird also nicht zwischen den «Seelsorgern» mit einem Theologiestudium und jenen mit der Kurzausbildung unterschieden.
    • user
      Daniel Erni 28.12.2025 um 08:31
      Warum werden die Aussagen von Karl Wolf aus dem Kontext genommen. Bitte den ganzen Text lesen bevor eine Bewertung oder eine Aussage gemacht werden.
  • user
    Markus Ries 24.12.2025 um 09:01
    Diese Zeitschrift ist super gut gemacht - danke und herzliche Gratulation! Sie ist online frei zugänglich. S. 48 gibt es ein "Theologisches Rätsel". Obwohl ich mich auch schon mit Themen dieses Faches auseinandergesetzt habe, muss ich zugeben: Zum Lösen habe ich doch tatsächlich eine halbe Stunde gebraucht.
  • user
    Churer Priester*innenkreis 23.12.2025 um 20:34
    Die Tatsache, dass es die neue Zeitschrift des Priesterseminars St. Luzi und der Theologischen Hochschule Chur auf "swiss-cath" geschafft hat, beweist, dass sie alles richtig gemacht haben. Herzliche Gratulation zu dieser wirklich tollen und sehr gelungenen Zeitschrift!