Sicher wird man attestieren können, dass die Verantwortlichen sich grosse Mühe gegeben haben, das neue interdiözesane Angebot der Bistümer Basel und Chur sowie des Theologisch-Pastoralen Bildungsinstituts der deutschschweizerischen Bistümer (TBI) in der Form einer Webseite zu präsentieren. Die Angebote sind in fünf Kompetenzfelder eingeteilt: «Theologische Grundlagen – Pastoral gestalten und transformieren – Mit Menschen unterwegs – Selbstführung/Selbstsorge – Unterbruch für das Heilige.» Stutzig macht ein bemerkenswerter Hinweis im Rundmail des Bischöfliche Beauftragten für Fortbildung des Bistums Chur: «Wer schon vor dem 15. Oktober aufgrund anderer Informationsquellen auf die Seite gelangt ist und sich dort schon für eine Fortbildung angemeldet hatte, dessen Anmeldung ist leider im digitalen Nirwana verschwunden – diese letzte grosse Kinderkrankheit konnte erst Mitte Oktober behoben werden, weswegen ich Ihnen die Webseite auch erst heute offiziell vorstelle.» Vom digitalen Nirwana mit ungewisser Aussicht auf eine Rückkehr blieb unsereiner immerhin verschont, gehöre ich doch sicher nicht zu den Übereifrigen, die sich vorzeitig für so etwas anmelden.
Es lebe die Exklusion
Ein ungutes Gefühl beim Erkunden der Webseite rief schon das Symbolbild zu «Theologische Grundlagen» hervor. Der Blick auf eine diffuse Glasfassade erweckt eher Assoziationen an eine Bank, eine Pharmafirma oder eine Versicherung. Oder soll das eine missratene Anspielung auf Offb 21,10-21, auf das himmlische Jerusalem, sein?
Die derzeit 24 Angebote wurden verschiedenen Berufskategorien zugeordnet. Klickt man auf «Priester» wird gleich das erste Angebot ausgeblendet: «Update Teamleitung / Weiterbildung für kirchliche Mitarbeitende mit Leitungsverantwortung». Wollen die Fortbildungsverantwortlichen damit ausdrücken, dass Priester in diesem Bereich keine Fortbildung nötig haben oder will man sie prinzipiell davon fernhalten? Weiter wird ebenfalls ausgeblendet: «Selbstsorge als Aufgabe der Asyl- und Gefängnisseelsorge». Bei der Beschreibung des Kurses geht es aber nicht spezifisch um Asyl- und Gefängnisseelsorge, sondern im Kurs werden allgemein «Elemente, Ressourcen und Strategien einer Burn-out-Prophylaxe reflektiert». Übrigens mit Fr. 275.- für einen einzigen Tag nicht ganz billig. Warum auch hier Priester ferngehalten werden sollen, ist mir ein Rätsel. Mir sind einige bekannt, die ein Burn-Out hatten oder aus Pfarreien aufgrund von nicht selber verschuldeten unhaltbaren Zuständen weggemobbt wurden. Oder sie sind – um es modern auszusprechen, einem Transformationsprozess zum Opfer gefallen.
Was liegt daher näher, als für Fr. 220.- ein ganztägiges «Einführungsseminar für gewaltfreie Kommunikation» zu besuchen? Das Angebot läuft über www.nbj-coaching.ch. Klickt man auf «Anmelden» darf man seine Personalien angeben und erst danach – wird man mit den Veranstaltungsrichtlinien beglückt. Fälschlicherweise vermutete ich, dass vielleicht nur Teilnehmer und Teilnehmerinnen zugelassen sind, die notorische Choleriker sind. Nein, alle sind willkommen! Tatsächlich sind nämlich die Veranstaltungsrichtlinien identisch mit den AGB der betreffenden Referentin, die in ihrer Ausführlichkeit, was allfällige (teils horrende) Tarife, Stornobedingungen etc. betrifft, ziemlich abschrecken. Nachdenklich hat mich der folgende Haftungsausschluss der Anbieterin gemacht: «Sie übernimmt keine Haftung für Schäden, die durch unsachgemässe Anwendung der vermittelten Inhalte entstehen. Die Verantwortung für die Umsetzung liegt beim Kunden.» Jedenfalls habe ich nach Lektüre dieser Veranstaltungsrichtlinien einen Rückzieher gemacht.
Für alle Berufskategorien wird der Kurs «Überholt oder aktueller denn je?» angeboten. Dabei geht es um die Bibel in gerechter Sprache, zum 20 Jahre Jubiläum ihres (überflüssigen) Erscheinens. So wie das aussieht, wird man sich einer regelrechten Gehirnwäsche unterziehen müssen, denn «abschliessend reflektieren wir, für welche Zwecke sich die Bibel z.B. im Religionsunterricht oder in der Gemeinde eignet». Nein danke! Die «Bibel in gerechter Sprache» ist dafür völlig ungeeignet.
Ein Kurs, der auch für die Kategorie Priester ausgeblendet wird, − vielleicht wegen der Preisklasse − ist dem hoch brisanten Thema Transformationsprozess der Kirche gewidmet: «Transformationsprozesse leiten lernen / Im kirchlichen Kontext Veränderungen anleiten oder begleiten.» 2,5 Präsenztage kosten stolze Fr. 950.- inkl. Verpflegung. Eine Unterkunft ist nicht nötig. Dazu heisst es wörtlich: «Diese Weiterbildung unterstützt Sie darin, Veränderungspotenziale im eigenen kirchlichen Kontext zu identifizieren und entsprechende Prozesse kompetent zu begleiten. Neben den Kurstagen stehen Ihnen digital verschiedene Selbstlernmodule und eine vielseitige Tool- und Inspirations-Box zur Verfügung. Berücksichtigt werden zudem folgende Querschnittskompetenzen: Digitalisierung, die transformierende Kraft der Theologie, Aufbau resilienter Systeme, Kommunikation in Transformationsprozessen.» Ich habe den Verdacht, dass solche Transformationsprozesse faktisch auf eine Kirche 2.0 abzielen, bildlich gesprochen eine Karikatur der Kirche 1.0. Da möchte man Priester wohl nicht dabei haben. Dieser Ausschluss-Mechanismus ist beim Kurs ««Berufung 4.0» – kirchliche Beruf(ungs)-Bilder im Wandel» (Fr. 720.- für drei Tage alles inklusive) hingegen eigenartigerweise nicht vorgesehen – oder war das ein Versehen? Die Teilnehmer entwickeln u.a. «Optionen für ein verändertes Rollen- und Beruf(ungs)-Bild und eine differenzierte Rollenarchitektur im Übergang zur nächsten (sic) Kirche.»
Nach dem Einblick auf dieses Angebot taucht in mir der verlockende Gedanke auf, über eine vorzeitige Pensionierung nachzudenken: «Finanziell fit für die Pensionierung – Pensionsplanung 2026 Fokus Alleinstehende.» Mit Fr. 90.- zwar günstig, dürfte das Priester, welche durch die Stabstelle Personal gar nicht so selten in 50-70% Pensen abgedrängt werden, besonders interessieren. Dazu wird man auf die Seite Lernplattformreligion verwiesen. Da ist man automatisch als Gast angemeldet. Wahrscheinlich wird man sich per E-Mail anmelden müssen, denn ein Login gibt es für Gäste nicht. Na ja, der Gedanke an eine vorzeitige Pensionierung war ohnehin eine schwere Versuchung, denn es scheint insgeheim die Agenda mancher Personalverantwortlicher – evtl. auch einzelner Bischöfe? – zu sein, die noch übrig gebliebenen Priester zu zermürben.
Beim Angebot «Hands-on: Glaubenskommunikation im digitalen Raum» sind die Kurskosten am Höchsten: Fr. 1480.- sind für vier Treffen von je fünfeinhalb Stunden zu berappen, die online via Google Meet-Videotelefonie stattfinden. Wenn ich das richtig verstanden habe, sind zusätzlich pro Kleingruppe zwei Coachings sowie ein individueller Termin für ein Coaching inbegriffen. Durch diesen Kurs soll man befähigt werden, die digitale Kommunikationsstrategien für Pfarreien bzw. Kirchgemeinden zu entwickeln. Mit den praxisnahen Workshops, Coachings und Selbstlerninhalten lerne man, Glaubenskommunikation im digitalen Raum zu meistern, heisst es. Im Preis inbegriffen ist «ein Jahr Zugang zu allen Lernressourcen aus der ruach.jetzt-Academy». Der Begriff «digital» scheint, wie in anderen Bereichen auch, hier einen preistreibenden Effekt zu haben. Ob er sich in echter Neu-Evangelisierung auswirkt, wird man wohl noch fragen dürfen.
Die derzeit bestehende Auswahl an Fortbildungen gehört gemäss Fortbildungsordnung der Diözese Chur zum Pflichtbereich. Ein Ausweichen ist nur bedingt möglich: «Fortbildungsangebote Dritter, die nicht auf der Webseite angeboten werden, bedürfen einer ausdrücklichen Genehmigung durch den/die Bischöflich Beauftragte/n für die Fortbildung, der/die auch entscheidet, welchem Kompetenzfeld die alternative Fortbildung zuzurechnen ist.»
Einigermassen desillusioniert mache ich hier gleichwohl in der Hoffnung auf wohlwollende Aufnahme ins offizielle Fortbildungsprogramm ein paar Vorschläge, die im Gegensatz zu einigen oben genannten Kursen im Einklang mit den Anforderungen sind, welche das Kirchenrecht Kan. 279 §1-3 vorschreibt:
Pastorale Fortbildung für Beichtpriester der Diözese Augsburg in Marienfried 12.-15.1.2026)
Der Kurs füllt grosse Lücken im offiziellen Bildungsangebot, denn es werden neben schwierigen Fällen im Rahmen der Beichte u.a. auch aktuelle Herausforderungen betreffend Ehe, Reproduktionsmedizin und Euthanasie behandelt.
Theologischer Sommer im Priesterseminar St. Petrus in Wigratzbad (12.-18. Juli 2026)
Dozenten des Priesterseminars St. Petrus werden für Geistliche und Theologen innerhalb einer Woche eine verkürzte Version ihres Faches behandeln.
Sommerakademie des Initiativkreises katholischer Laien und Priester in der Diözese Augsburg
Diese findet in der Regel während vier Tagen im Juni statt. Der Termin für 2026 steht noch nicht offiziell fest.
Internationale Theologische Sommerakademie (Initiative des Linzer Priesterkreises, seit 2023 in Kooperation mit der Kardinal-Scheffczyk-Gesellschaft e.V.)
Die nächste Tagung findet vom 31. August bis 2. September 2026 in 3350 Haag in Österreich statt.
Mit dem trostspendenden Ausblick, dass die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden, appelliere ich an das Durchhaltevermögen der noch verbliebenen Priester, verbunden mit einer Bitte an den Heiligen Geist, er möge doch alle, die zur Zielgruppe der offiziellen Fortbildung gehören und die Verantwortlichen mit einer gehörigen Portion seiner Geistesgaben ausstatten. Dann würden wohl einige der genannten Kurse definitiv im Nirvana verschwinden.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Aktion: Unter allen Teilnehmenden werden 15 Gutscheine für ein gratis Geräte Training in Zürich verlost mit unserem Überraschungsgast, der sich unter dem vielversprechenden Namen "Superman" ankündigt.
"Digital verschiedene Selbstlernmodule und vielseitige Tool- und Inspirations-Boxen" - mit Kirche hat das nichts mehr zu tun.
Die Kirche hat schon vieles überlebt und diese gähnende Langeweile wird sie auch noch schaffen...
Man kann den Bischof durchaus in die Knie zwingen, seine Autorität ruht nicht auf glaubensfeindlichen Anweisungen.
Zivilcourage, meine Herren Mitbrüder !
Die Theologische Sommerakademie findet übrigens vom 31. August bis 2. September statt, nicht mehr in Aigen, sondern neu in Haagen.