Weltfamilientreffen in Einsiedeln. (Bild: Verein VisionFamilie)

Kirche Schweiz

Visi­on­Fa­mi­lie: Eine Erfolgsstory

Am 23. Februar 2016 wurde der Ver­ein Visi­on­Fa­mi­lie von jun­gen Ehe­paa­ren gegrün­det. Im Gespräch mit «swiss​-cath​.ch» erzäh­len Mit­glie­der des Ver­eins von alten und neuen Ange­bo­ten, ihren Erfah­run­gen und dem wei­ten Feld der Familienpastoral.

Vor zehn Jahren wurde in Einsiedeln der Verein VisionFamilie gegründet. Wie entstand die Idee dazu?
Als wir uns noch im Organisationskomitee des Weltjugendtags engagierten, wurden wir mehrmals angefragt, ob wir nicht auch für andere Lebensstände entsprechende Anlässe organisieren könnten. Damals waren wir selbst noch jung und ohne eigene Familie. Inzwischen hat sich das geändert. Mit unseren eigenen Erfahrungen wurde uns bewusst, wie wertvoll und notwendig es ist, in Familien zu investieren – denn die Familie ist eine zentrale Zelle des kirchlichen Lebens.

Wir überlegten uns, welche Strukturen es braucht, um entsprechende Angebote zu ermöglichen, und gründeten einen Verein, unter dessen Dach verschiedene Initiativen Platz finden können. Uns war von Anfang an klar, dass wir nicht alles selbst abdecken können und wollen. Es braucht engagierte Personen, die sich überregional für Familien einsetzen möchten.

Auf welche Grundlagen stützt sich der Verein in seinem Engagement?
Wir waren bei der Gründung sicher ermutigt durch die Familiensynode, die 2015 in Rom stattfand. Seither hat uns das nachsynodale Schreiben «Amoris Laetitia» von Papst Franziskus stark geprägt. Darin gibt der Papst viele wichtige Impulse für eine fokussierte Ehe- und Familienpastoral. Und es betont die Wichtigkeit von Ehe und Familie im Leben der Kirche. Aber auch Enzykliken früherer Päpste, besonders «Familiaris Consortio» von Johannes Paul II., sind für uns Leitstern unserer Arbeit.

Es braucht einige Zeit, bis ein Verein in einem grösseren Umfeld bekannt wird. Gab es dazu konkrete Überlegungen oder setzten die Gründungsmitglieder einfach mutig einen ersten Schritt und warteten die weitere Entwicklung ab?
Ob wir viele oder wenige Menschen erreichen, steht nicht im Vordergrund. Entscheidend ist für uns, dass jene, die an unseren Angeboten teilnehmen, echten Mehrwert erfahren und im Glauben, sowie in ihrer Berufung der Ehe und Familie, gestärkt werden.

Gleichzeitig durften wir immer wieder erfahren, dass ein echtes Bedürfnis besteht. Beim ersten Deutschschweizer Weltfamilientreffen wurden wir von Anmeldungen regelrecht überrannt und mussten aus logistischen Gründen frühzeitig einen Anmeldestopp einführen.

Letztlich vertrauen wir auf das Wirken des Heiligen Geistes. Unsere Anlässe werden von verschiedenen Menschen im Gebet mitgetragen. Wir möchten offen sein für das, was Gott wirken will.

Sie haben das «Weltfamilientreffen – Viva la familia!» angesprochen, das am 22. August bereits zum achten Mal stattfinden wird. Das Weltfamilientreffen ist jeweils schnell ausgebucht – ein schönes Zeichen. Sind Veränderungen geplant, damit mehr Familien daran teilnehmen können?
Wir freuen uns sehr, dass wir im letzten Jahr über 100 Familien in Einsiedeln begrüssen durften. Eine grosse Herausforderung bei einem solchen Anlass ist das Kinderprogramm. Hierfür brauchen wir viele Ressourcen, was letztlich die Teilnehmerzahl beschränkt. Es ist nicht selbstverständlich, genügend passende Personen zu finden, welche während mehrerer Stunden die Kinder betreuen, damit die Eltern an Impulsen, Workshops und Austauschzeiten teilnehmen können.
 


Ein anderes Projekt ist die «EheRetraite – Zeit für unsere Ehe». Können Sie unseren Leserinnen und Lesern mehr über dieses Angebot sagen?
Die EheRetraite ist ein Angebot für eine intensive Zeit als Paar über fünf Tage hinweg. Das Angebot richtet sich an verliebte, verlobte und verheiratete Ehepaare. Sie wird über das Auffahrtswochenende in Weggis und über die Tage um das Neue Jahr herum im Kloster Disentis durchgeführt.

Die Retraite ist eine konkrete Frucht aus der Familiensynode und dem nachfolgenden Schreiben «Amoris Laetitia». Uns wurde damals deutlich bewusst, dass es in der Schweiz keine Kultur oder Selbstverständlichkeit einer Ehevorbereitung gibt. Der Start der EheRetraite 2019 war ein erster Schritt, um Paaren ein Angebot zu unterbreiten, sich intensiv mit dem Ehesakrament auseinanderzusetzen. Mit der Herausgabe «Katechumenale Wege für das Eheleben» des «Dikasteriums für Laien, Familie und Leben» gibt es unterdessen einen breiten pastoralen Leitfaden, wie eine Begleitung rund um das Thema Ehe und Familie aussehen könnte. Ein tolles Dokument, das uns eine Vision gibt!

Erfahrene Paare geben Impulse. Auf jede Anregung folgen das Gespräch im Paar und der Blick auf die eigene Beziehung. Ein wichtiger Baustein ist der Austausch der Paare mit einem Begleitehepaar. Mit Hilfe eines genialen Instrumentes, das die persönliche Gemütsart skizziert, wird in einem Vierergespräch eine hilfreiche Tiefe erreicht und bedeutsame Themen können zur Sprache kommen. Der rote Faden über alle Tage hinweg bildet die gemeinsame Eucharistiefeier.

Die Erfahrung der letzten sechs Jahre mit der EheRetraite haben uns gezeigt, dass sich die unterschiedlichsten Paare auf das Angebot eingelassen haben. In jeder EheRetraite dürfen wir die Grosszügigkeit Gottes erfahren. Wir erleben so manches, was wir nicht tun können, sondern was uns geschenkt wird. Die Quelle davon sind übrigens auch hier viele Beterinnen und Beter, welche die Retraite und jedes einzelne Paar während dieser Zeit begleiten.

Ein weiteres Angebot ist der Alpha-Ehe-Kurs, der praktische Unterstützung bietet, um eine starke Ehe und Partnerschaft aufzubauen und zu vertiefen. Dieser findet an sieben Tagen online statt. Warum online?
Im Unterschied zur EheRetraite ist der Ehekurs ein Format ausschliesslich für verheiratete Paare. Es geht darum, dass sich ein Ehepaar die Zeit gönnt, um sich wieder ganz der eigenen Beziehung zuzuwenden und sich neu stärken zu lassen.

Wir haben uns entschieden, den Kurs als Onlineangebot anzubieten. Das will gut überlegt sein, da der Aspekt der direkten Beziehung zu den Paaren wegfällt. Als Anbietende versuchen wir mit schönem Begleitmaterial, mit aktiver Kommunikation im Zoom, mit Angebot zum Gespräch und mit Gebet das zu tun, was möglich ist.

Der wichtigste Aspekt für das funktionierende Onlineformat ist aber die sehr gute Qualität der Filmimpulse und die Tatsache, dass für das Gespräch die direkte Begegnung im Paar gewährleistet ist. Im Unterschied zu einer Ehevorbereitung, schauen die Paare auch auf eine gemeinsame Zeit und ein bestehendes Fundament.

Der grosse Vorteil des Onlineformates ist, dass so Ehepaare mit kleineren oder vielen Kindern viel einfacher teilnehmen können. Gerade diese Zielgruppe ist uns wichtig, weil Ehepaare in dieser Phase oft wenig Zeit zu zweit haben, dabei aber gerade für ihre Kinder als Paar eng gebunden sein sollten. Zusätzlich erweitert sich der mögliche Teilnehmerkreis auf die ganze Deutschschweiz. Das ist ein schöner Nebeneffekt, der uns Organisierenden entgegenkommt.

Der Name «VisionFamilie» suggeriert, dass es sich um Angebote für Familien handelt. Können auch (noch) kinderlose Ehepaare daran teilnehmen?
Ja, gerade die EheRetraite ist z. B. auch für Paare gedacht, die noch nicht verheiratet sind. Beim Weltfamilientreffen fokussieren wir uns allerdings auf Familien mit Kindern im Vorschul- und Schulalter.

Immer wieder interessant zu lesen, ist die «Familienpost», die zweimal jährlich erscheint. Wie entsteht diese bunte Zusammenstellung von Infos und Erfahrungsberichten?
Inzwischen gibt es ein kleines Redaktionsteam, das die Inhalte koordiniert. Neben Berichten über unsere eigenen Angebote möchten wir bewusst auch auf Initiativen anderer katholischer Organisationen aufmerksam machen. Unser Ziel ist es, Familien zu stärken und damit der Kirche zu dienen.

Welche Visionen hat der Verein VisionFamilie für die Zukunft?
Wir sehen grosses Potenzial in der Ehe- und Familienpastoral. Aber ebenso auch eine grosse Notwendigkeit, da hierzulande noch zu wenige kirchliche Angebote existieren. Bei einem kürzlichen Treffen der Europäischen Bischofskonferenz in Rom wurde deutlich, wie umfassend dieses Feld sein könnte und müsste – es reicht von Ehebegleitung über Lebensschutz bis hin zu Fragen der Fruchtbarkeit und Sterbebegleitung.

Zugleich begegnen wir immer wieder Spannungen innerhalb von Ehen und Familien – auch hier besteht Bedarf an Unterstützung. Denkbar wären auch Familienferien oder Ausbildungs- und Begleitangebote für Ehepaare.

Viele unserer Mitarbeitenden engagieren sich ehrenamtlich, weshalb unsere Ressourcen begrenzt sind. Auch finanziell sind wir auf Teilnehmerbeiträge, Spenden und Sponsoren angewiesen. Wir bleiben offen für das, was sich entwickelt – und vertrauen darauf, dass Gott uns die nächsten Schritte zeigt.
 

Weitere Informationen zum Verein VisionFamilie und den Projekten finden sich hier.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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