Sr. Maria Anselma. (Bild: © Michela Locatelli/photolocatelli.ch)

Kirche Schweiz

Volo – Ich will! Pro­fess einer jun­gen Tes­si­ne­rin in Claro

Im Tes­sin ist die jüngste Ordens­schwes­ter in den ältes­ten Kon­vent ein­ge­tre­ten. Nach Jahr­zehn­ten ohne Beru­fun­gen legte Schwes­ter Maria Anselma mit erst 21 Jah­ren am Sonn­tag bei den Bene­dik­ti­ne­rin­nen des Klau­sur­kon­vents Santa Maria Ass­unta in Claro (Bel­lin­zona) ihre Erste Pro­fess ab. Die Klos­ter­kir­che war voll besetzt, und das Tes­sin fei­erte den Moment, als sie vor dem Apos­to­li­schen Admi­nis­tra­tor Alain de Raemy den weis­sen durch einen schwar­zen Schleier ein­tauschte. Ihre Beru­fung und ihr Wer­de­gang sind aussergewöhnlich.

«Suscipe me, Domine, secundum eloquium tuum et vivam.» Nimm mich auf, Herr, nach deinem Wort, und ich werde leben. Mit etwas dünner Stimme gelobte am Sonntag, 18. Januar 2026, die erst 21-jährige Tessinerin Daniela Vincenzi vor Weihbischof Alain de Raemy auf Lateinisch, fortan die Liebe zu Christus über alles andere zu stellen. Sie hat sich für ihr neues Leben als benediktinische Klausurschwester den Namen Maria Anselma ausgesucht. Der heilige Anselm war Erzbischof von Canterbury (1033–1109) und lehrte, dass der Glaube vernünftig ist und Denken ohne Gebet unvollständig bleibt.

Sie wusste schon seit der Kindheit, wo ihr Weg hinführen würde. Wenn die Lehrer die Klasse nach ihren Berufswünschen fragten, antwortete die lebhafte und etwas burschikose Daniela aus Claro mit den dunklen Augen und den dichten kurzen Haaren konsequent: «Nonne», und alle belächelten sie dafür. Aber sie hat es durchgezogen. Man sagte ihr, sie dürfe erst als Volljährige Nonne werden, also wartete sie ab, absolvierte eine Lehre als Kundenbegleiterin bei der SBB und trat an ihrem 18. Geburtstag, genauer am 26. Dezember 2022, ins Kloster ein. Und erst noch in das Klausurkloster der Benediktinerinnen an ihrem Wohnort Claro, in dem man abgeschieden lebt, schweigend arbeitet und schon vor Sonnenaufgang mit Beten beginnt. – Und in dem die anderen Schwestern ihre Grossmütter oder gar Urgrossmütter sein könnten.

Zunächst wurde die junge Frau für das Noviziat zu den Benediktinerinnen nach Rosano bei Florenz geschickt. Dort konnte sie im brieflichen und telefonischen Kontakt mit ihrer Familie bleiben und sie auch besuchen. Sie ist die zweite von sechs Töchtern. Die Eltern haben sich inzwischen getrennt, und während sich die Mutter mit der Berufung ihrer Daniela noch immer schwertut, ist Vater Raoul mit der Entscheidung glücklich. Im persönlichen Gespräch mit «swiss-cath.ch» meint er: «Ich bin froh, dass Daniela als Klausurschwester auch für unsere Anliegen betet, und ich bin überzeugt, dass die Welt das immerwährende Gebet von Ordensfrauen braucht.»
 


Genau mit diesem Aspekt begann Weihbischof Alain de Raemy seine Predigt in der vollbesetzten Klosterkirche Santa Maria Assunta. Er erzählte, wie er 1985 in Argentinien von dem damaligen Erzbischof Jorge Mayer der Diözese Bahía Blanca mitgenommen wurde, um die Baustelle eines Klarissenklosters in Puan zu besichtigen. Der Bischof habe ihm tief bewegt gesagt, dass es sein grösster Fehler gewesen sei, jahrelang in seinem Bistum nur aktive Orden und Pastoralinitiativen zuzulassen. Er habe nicht erkannt, wie wichtig hingegen die Unterstützung aller weltlicher Aktivitäten durch das immerwährende Gebet in den stillen Klöstern sei.

Als Einwohnerin von Claro stand die junge Daniela automatisch im Kontakt mit dem Kloster, das oben am Berghang prangt und nur über eine enge, nicht wintersichere Privatstrasse und eine rumpelige kleine Seilbahn zugänglich ist. Seit 1490 wird es ununterbrochen von Klausurschwestern bewohnt und ist somit das älteste aktive Kloster im Tessin. Als katholische Familie besuchten die Vincenzis auch ab und zu die Messe in der Klosterkirche und kauften den Schwestern ihr feines Gebäck ab.

Ich will Nonne werden
Schwester Maria Anselma erzählt in einem Fernsehinterview, das von der Zeitungsbeilage «Catholica» (17. Januar 2026) teilweise vor abgedruckt wurde und am Samstag, 31. Januar, ausgestrahlt wird (LA1, Strada Regina, 18.35 Uhr), wie es zu ihrer Berufung kam: «Eines Tages – ich ging noch in die Primarschule – traf ich im Bus eine Nonne von einem weltlichen Orden. Ich erinnere mich, dass ich sie erwartungsvoll über ihr Leben und ihre Aufgaben ausfragte. Sie antwortete, dass sie die Braut Christi sei und alles für ihn tue, indem sie jede Tätigkeit auf Gott ausrichte. Ich bin mir sicher, dass mir in diesem Moment klar wurde, welchen Weg ich einschlagen musste, und dass ich dazu bestimmt war, mich Gott hinzugeben. Voller Begeisterung verkündete ich zu Hause meinen Eltern: ‹Ich will Nonne werden!›»

An diesen Moment kann sich der Vater zwar nicht erinnern, aber er beobachtete, dass die Tochter einen «sehr integren Glauben» entwickelte und nie Kompromisse machte. Sie habe zwar wie alle Kinder Sport betrieben und Freundschaften gepflegt, aber sie sei der Sonntagsmesse immer treu geblieben und habe später auch während der Woche den Gottesdienst besucht. Mehrmals begleitete sie die Familie und Freunde nach Medjugorje und trat während Corona einer WhatsApp-Gruppe bei, die täglich den Rosenkranz betet.
 


Mit den Jahren besuchte sie das Kloster am Felsen immer häufiger und durfte an Wochenenden auch als Externe bei den Schwestern bleiben und ihnen bei der Arbeit helfen. Die rund zehn Schwestern nähen liturgische Gewänder, stellen Kekse und Marmelade her, pflegen die Klosteranlage und empfangen Besucher zu Einkehrtagen. So machte Daniela ihre ersten Erfahrungen mit dem Ordensleben

«Es gibt für jeden Menschen einen Plan der Liebe, der seit Ewigkeit vorbereitet ist, damit jeder zu Christus gelangt, dem Einzigen, der das Herz des Menschen erfüllen kann, das immer vom Wunsch nach Glück bewegt ist.» So äussert sich Daniela im Interview mit «Catholica». «Der Weg ist das Evangelium, ist Christus selbst, als Weg, Wahrheit und Leben, und die Berufung ist die spezifische Art und Weise, wie Gott den Menschen einlädt, die Botschaft des Evangeliums zu leben, im geweihten Leben oder im Laienstand. Das Klosterleben ist das Herz der Kirche; so wie das Herz das Blut im Körper pumpt, verbreitet das Klosterleben die Gnade. Deshalb glaube ich, dass die Bedeutung des Klosterlebens unverändert ist und immer unverändert bleiben wird, denn es gibt keine Zeit und keinen Ort, an dem der Mensch nicht das Bedürfnis hat, Gottes Nähe zu spüren.»

Die Profess war ein grosser Tag für die Kirche im Tessin. Schwester Anselma meinte selbst: «Es ist ein grosses Geschenk, meine Gelübde am 18. Januar, dem ersten Tag der Gebetswoche für die Einheit der Christen, abzulegen. Dieses Jubiläum spiegelt perfekt wider, was ich mir für die Kirche wünsche: das Geschenk der Einheit, der Gemeinschaft aller Christen in der Katholischen Kirche, im wahren Glauben und in gegenseitiger Nächstenliebe. Ut unum sint: Damit sie eins seien und die Welt glaube (Joh 17,21).»


Kathrin Benz

Kathrin Benz, Jahrgang 1963, gehört durch ihre Nidwaldner Mutter zu den zahlreichen Nachkommen des Niklaus von Flüe. Aufgewachsen in Basel, studierte sie in Genf und Brüssel und war Korrespondentin der Schweizerischen Depeschenagentur in Lugano. Heute ist sie freischaffende Übersetzerin und Journalistin und lebt mit ihrem Mann und den sechs Kindern im Tessin.


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Bemerkungen :

  • user
    Schwyzerin 22.01.2026 um 13:20
    Was die Gebetswoche für die Einheit der Kirche betrifft, möchte ich auf das Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre von William Kardinal Levada am 29. Juni 2007, dem Hochfest der heiligen Apostel Petrus und Paulus betreffend "Antworten zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche" in Erinnerung rufen:

    1. Das Zweite Vatikanische Konzil wollte diese Lehre nicht verändern und hat sie auch nicht verändert, es wollte sie vielmehr entfalten, vertiefen und ausführlicher darlegen. ...
    2. Christus hat eine einzige Kirche "hier auf Erden... verfasst" und sie als "sichtbare Versammlung und geistliche Gemeinschaft" gestiftet, die seit ihrem Anfang und durch die Geschichte immer da ist und immer da sein wird und in der allein alle von Christus eingesetzten Elemente jetzt und in Zukunft erhalten bleiben. " Diese ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen... Diese Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird". ...
    3. Die Verwendung dieses Ausdruck "subsustiert in", der die vollständige Identiät der Kirche Christi mit der katholischen Kirche besagt, verändert nicht die Lehre über die Kirche. Er ist begründet in der Wahrheit und bringt klarer zum Ausdruck, dass ausserhalb ihres gefüges "vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit" zu finden sind, "die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen. ...
    4. Das Konzil wollte den traditionellen Gebrauch dieser Bezeichnung übernehmen. "Da nun diese Kirchen: Ostkirchen trotz ihrer Trennung wahre Sakramente besitzen, und zwar vor allem kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie, wodurch sie in ganz enger Gemeinschft bis heute mit uns verbunden sind", verdienen sie den Titel " Teil- oder Ortskirchen" und werden Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt. ...
    5. Frage: Warum schreiben die Texte des Konzils und des nachfolgenden Lehramts den Gemeinschaften, die aus der R'eformation des 16. Jahhunderts hervorgegangen sind, den Titel "Kirche" nicht zu?
    Antwort: Weil diese Gemeinschaften nach katholischer Lehre die apostolische Sukzession im Weihesakrament nicht besitzen und ihnen deshalb ein wesentliches konstitutives Element des Kirchen seins fehlt. Die genannten kirchlichen Gemeinschaften, die vor allem wegen des Fehlens des sakramentalen Priestertums die ursprüngliche und vollständige Wirklichkeit des eucharistischen Mysterium nicht bewahrt haben, können nach katholischer Lehre nicht "Kirchen" im eigentlichen Sinn genannt werden.

    Papst Benedikt XVI. hat in der dem unterzeichneten Kardinalpräfekten der Kongregation für die Glaubenslehre gewähreten Audienz diese Antworten, die in der Ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden sind, gutgeheissen, bestätigt und deren Veröffentlichung angeordnet. Gemäss www.vatican.va

    Folglich muss der Römisch-katholischen Staatskirche, Landeskirche, die die Schöpfungsordung Jesu Christi ablehnen und nicht befolgen wollen der Titel "Kirche" abgesprochen werden. Wenn die Römisch-katholische Landeskirche, Staatskirche sich eine andere Schöpfungsordnung aneignet, dann muss man konsequenterweise diesen Körperschaften den Titel "Kirche" absprechen. Die grosse Chance für die Kirche ist daraus, gemäss des Glaubensbekenntnis von Nizäa missionarisch in der Welt wirken.

    Der Wunsch der Tessinerin für die Kirche ist deshalb mehr als berechtigt.
  • user
    Schwyzerin 21.01.2026 um 18:13
    Wer nicht in den Rückspiegel schaut, versteht die Geschichte der Kirche nicht oder will sie nicht verstehen.

    Papst Leo XIV. fordert uns auf die Dokumente des II. Vatikanische Konzil zu studieren. Seine Ketechesereihe bezieht sich auf die Dokumente des II. Vatikanischen Konzils.
    Generalaudienz: Wir sind Gottes geliebte Kinder (vaticannews -skr) "Um die die Grösse der Menschwerdung zu würdigen, reicht es daher nicht aus, Jesus als Übermittler intellektueller Wahrheiten zu betrachten. Wenn Jesus einen wahren Leib hat, dann geschieht die Übermittlung der Wahrheit Gottes in diesem Leib, mit seiner Art und Weise, die Wirklichkeit wahrzuznehmen und zu empfangen, mit seiner Art, in der Welt zu sein und in ihr zu wirken. Jesus selbst lädt uns ein, die Wirklichkeit mit seinen Augen zu sehen: " Seht euch die Vögel des Himmels an", sagt er " sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?" (Mt 6,26). Abschliessend betonte das katholische Kirchenoberhaupt die daraus erwachsende Gewissheit des christlichen Glaubens: Wer dem Weg Jesu folge, könne darauf vertauen, dass nichts den Menschen von der Liebe Gottes trennen kann. "Dank Jesus erkennt der Christ Gott, den Vater, und gibt sich voller Zuversicht in seine Hand," schloss Papst Leo seine Katechese an diesem Mittwoch.

    Was der wahre Leib Christi ist hat Papst Leo XIV. wunderbar dargelegt. Die Tessinerin hat alles richtig gemacht. Ich bitte Euch hört auf den heiligen Vater Papst Leo XIV.
  • user
    Beobachter 20.01.2026 um 20:50
    Eine sehr erfreuliche Nachricht u alles Gute für die neue Schwester! In der Nähe zum Herrn möge sie auch wegkommen vom Rückkehreroekumunismus, wozu sie sich jetzt mit ihrer Aussage bez. Gebetswoche zur Einheit der Christen bekennt das aber nicht der entsprechender Lehre der Kirche über die Einheit der Christen entspricht. Vielleicht könnte ihr eine andere Nonne helfen, Schwester Gabriella der Einheit aus Sardinien
  • user
    Martin Meier-Schnüriger 20.01.2026 um 13:55
    Herzlichen Dank für diesen so tröstlichen Beitrag! Menschen wie Sr. Maria Anselma sind es, die letztlich die Kirche aus der Krise führen, keine noch so ausgeklügelten Pastoralkonzepte. Der brasilianische Bischof hat seinen Fehler eingesehen. Mögen es ihm seine Mitbrüder im bischöflichen Amt in Europa, besonders in den deutschsprachigen Ländern, gleichtun!
  • user
    Hansjörg 20.01.2026 um 12:56
    Wenn nur alle paar Jahr­zehn­te ein Neueintritt erfolgt, und die bereits dort lebenden Schwestern die Gross- oder Urgrossmütter von Schwes­ter Maria Anselma sein könnten, wird sie wohl bald alleine im Kloster leben müssen.
    Wir wünschen Schwester Maria Anselma alles Gute.