Das Zisterzienserkloster Wettingen (Maris Stella) wurde am 14. Oktober 1227 durch Mönche des Zisterzienserklosters Salem (Baden-Württemberg) gegründet. Die dafür notwendigen Mittel steuerte Freiherr Heinrich II. von Rapperswil dabei: Dieser hatte nach seiner wundersamen Rettung aus Seenot während eines Kreuzzuges seinen Besitz in Wettingen an das Kloster Salem vermacht. 1507 kam es zu einem Klosterbrand, dem die Abtei fast vollständig zum Opfer fiel. Sie wurde wieder aufgebaut und die Klosterkirche 1517 neu geweiht. 1529 trat der Konvent zum reformierten neuen Glauben über, wurde aber 1531–34 rekatholisiert. Unter Abt Peter Schmid (1594–1633) blühte das Kloster auf: Die Klostergebäude und die Kirche wurden restauriert, 1604 wurde eine philosophisch-theologische Schule gegründet.
Während des Zweiten Villmergerkriegs (1712) musste der Konvent für einige Zeit in die Innerschweiz flüchten. 1803 kam das Kloster an den neuen Kanton Aargau. Dessen Regierung sicherte den Weiterbestand der Klöster zu, stellte aber ab 1830 immer höhere Geldforderungen. Es folgten die staatliche Verwaltung, ein Novizenverbot, die Schliessung der Klosterschule und 1841 die Aufhebung des Klosters. Kurz darauf mussten die Mönche – darunter der Komponist des Schweizerpsalms, Alberich Zwyssig – das Kloster verlassen. Sie gründeten einige Jahre später das Kloster Mehrerau in Bregenz.
Im ehemaligen Kloster Wettingen befand sich zunächst das aargauische Lehrerseminar, ab 1976 die Kantonsschule.
Das Wettinger Jesuskind
Das berühmte Holzgemälde, das heute über dem Altar der Kreuzgangkapelle der ehemaligen Zisterzienserabtei hängt, zeigt das nackte Jesuskind auf einem roten Kissen inmitten einer grünen Wiese. Es hält ein Spruchband in seinen Händen und blickt lächelnd nach oben. Über die Herkunft des Bildes gibt es keine Aufzeichnungen. Aufgrund des Stils nimmt man an, dass es um 1450 in Baden, Basel oder im Kloster Wettingen selbst entstanden ist.
Das Gemälde überstand den grossen Klosterbrand vom 11. April, dem Weissen Sonntag, 1507 auf wundersame Weise. Durch das Feuer entstanden mehrere Glutlöcher in einer besonderen Anordnung; ein herzförmiges Glutloch auf der linken Seite des Jesuskindes wird als Heiligstes Herz Jesu interpretiert.
Der Kartäusermönch und Historiker Heinrich Murer beschrieb in seiner Chronik des Klosters Wettingen (1631) die Rettung des Bildes folgendermassen:
«Es wer noch zu Wettingen im Creutzgang vor dem Capitel[hus] ein Taffelen darin ein sitzettes kindlin Jesu gemalet gesehen[,] so wunderbarlicher weis von Gott in dieser brunst erhalten worden [ist], dan dise Taffel ettliche mahlzeichen [so in der brunst gewessen] hatt[.] Und als das feur und taffelin biß zu einem füesslin des kindlins [Jesu] gebrunnen, hatt das kindlin Jesu Miraculosé und aus Gottlicher krafft das eine feusslin an sich gezogen und unversertt verbliben.»[1]
Pater Dominicus Willi OCist ging in seinem Beitrag über das Kloster Wettingen-Mehrerau in der Zeitschrift «Cistercienser-Chronik» 1894 auf die seltsame Beinstellung des Jesuskinds ein: «Beim grossen Brande am 11. April 1507 wurde es vom Feuer ergriffen. Ringsum brannte die Holztafel lichterloh. Da soll das Jesuskind vor den Flammen die Füsse zurückgezogen haben. Die Figur blieb ganz unverletzt; die Lage der Füsse ist eine wirklich merkwürdige und macht einen Eindruck, welcher der frommen Legende einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit verleiht […] Der Konvent von Wettingen hielt das Bild hoch in Ehren.»[2]
1602 wurde das Gemälde mit zwei neu geschaffenen Flügelbildern zum jetzt noch erhaltenen Altarretabel zusammengefügt. Auf dem linken Flügel steht die lateinische Inschrift: «Das Kloster Maris Stella brannte am 11. April 1507 aus, wobei das Bildnis des Jesuskindes das Feuer unbeschadet überstand.»
1954 wurde die Kreuzgangkapelle gemäss dem Zustand im 14. Jahrhundert rekonstruiert und der restaurierte Flügelaltar mit dem Wettinger Jesuskind über dem Altar angebracht.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
https://www.frauenkloster-sarnen.ch/sarner-jesuskind/