(Symbolbild: geralt/Pixabay)

Hintergrundbericht

Von allen EU-​Fördermitteln aus­ge­schlos­sen – weil zu katholisch

Unter dem Vor­wand eines «mög­li­chen» Ver­stos­ses gegen Gleich­stel­lungs­be­stim­mun­gen schloss die EU-​Kommission den Ver­band der katho­li­schen Fami­li­en­ver­bände in Europa (FAFCE) von allen För­der­mit­teln aus. Für die unga­ri­sche Minis­te­ri­al­be­auf­tragte Ber­na­dett Petri ist diese Ver­wei­ge­rung ein wei­te­rer Beleg, wie weit sich die Euro­päi­sche Union von jenen Wer­ten ent­fernt hat, auf denen Europa auf­ge­baut wurde.

Der Verband der katholischen Familienverbände in Europa (FAFCE) hatte sich in den letzten zwei Jahren für sechs EU-Projekte zur Förderung von Jugend- und Kinderschutz beworben – nun wurde er von sämtlichen Fördermitteln der Europäischen Kommission ausgeschlossen, dies aufgrund angeblicher Verstösse gegen Gleichstellungsmassnahmen und EU-Werte. Vincenzo Bassi, Präsident von FAFCE, betrachtet dies als ideologische Diskriminierung. «Wie kann ein Verband von Organisationen, dessen vorrangige Aufgabe die Förderung der Familie ist, von EU-finanzierten Programmen wie CERV oder Erasmus+ ausgeschlossen werden?» CERV ist das Programm für Bürgerinnen und Bürger, Gleichstellung, Werte und Rechte, Erasmus+ das Programm der Europäischen Union zur Förderung von allgemeiner und beruflicher Bildung, Jugend und Sport.

In einer ihrer Bewertungen schrieb die EU-Kommission in gestelztem Bürokratendeutsch, dass «die begrenzten Informationen über geschlechtsspezifische Ungleichheiten bei der Beteiligung von zivilgesellschaftlichen Organisationen die Tiefe der Genderanalyse und das Verständnis dafür, wie Hindernisse für die Beteiligung in verschiedenen Bevölkerungsgruppen angegangen werden, einschränken können». Weiter hiess es, dass «der Ansatz möglicherweise gegen EU-Gleichstellungsbestimmungen verstossen könnte». Beide Einschätzungen hätten zu einer Herabstufung der Gesamtpunktzahl um 30 Prozent geführt.

Eine andere Stellungnahme der EU-Kommission lautete, dass «obwohl die EU-Werte angemessen integriert sind, der Vorschlag klarere Erläuterungen dazu liefern sollte, wie Prinzipien wie Menschenwürde, Demokratie und Gleichheit praktisch umgesetzt werden».
Weiter wurde bemängelt, dass zwar geschlechtersensible Sprache und Massnahmen zur Barrierefreiheit erwähnt werden, aber nur begrenzte Schutzmechanismen gegen Diskriminierung bestünden.

Für Vincenzo Bassi ist klar: «Dies stellt eine ideologische Diskriminierung von zivilgesellschaftlichen Organisationen wie FAFCE dar, die sich stets für den Dialog eingesetzt und die Würde jedes einzelnen Menschen verteidigt haben.»

Artikel 2 des EU-Vertrag hält fest, dass sich die Mitgliedstaaten durch Pluralismus, Nichtdiskriminierung, Toleranz, Gerechtigkeit, Solidarität und die Gleichheit von Frauen und Männern auszeichnen. «Keine Organisation sollte jemals dafür benachteiligt werden, eine legitime Position im öffentlichen Raum zu vertreten», so der Präsident von FAFCE. Die EU-Kommission müsste als «Hüterin der Verträge» sorgfältig darauf bedacht sein, dass keine Organisation diskriminiert wird – auch nicht beim Zugang zu Fördermitteln.

Eine erste Reaktion auf den Entscheid der EU kam von der ungarischen Europaabgeordneten Kinga Gál. Sie erklärte, die FAFCE werde «einfach dafür bestraft, dass sie die Familie als grundlegende Einheit der Gesellschaft verteidigt», eine Ansicht, die in Brüssel aufgrund der Genderideologie mittlerweile als «inakzeptabel» gelte.

Die ungarische Ministerialbeauftragte Bernadett Petri äusserte sich in den sozialen Medien und schrieb, dass der Entscheidung einmal mehr gezeigt habe, wie weit Brüssel sich von den Werten entfernt hat, auf denen Europa aufgebaut wurde. Sie erinnerte daran, dass die Europäische Union und ihre Vorgängerorganisationen auf einer Vision des Menschen und der Gemeinschaft gegründet wurden, die tief in der christlichen Tradition verwurzelt ist. «Das ‹Verbrechen› der FAFCE besteht darin, dieses Erbe anzunehmen und die christliche Familie zu verteidigen.»

Vincenzo Bassi weist auf die prekäre Finanzlage des Verbands aufgrund des Ausschlusses von EU-Fördermitteln hin. «Unser Verband benötigt 150 000 Euro, um seine laufenden Projekte weiterzuführen; andernfalls werden wir im Jahr 2026 gezwungen sein, unsere engagierten Mitarbeitenden zu entlassen und unsere Präsenz – die Stimme der Familie in der Europäischen Union – erheblich zu reduzieren.» Er hofft auf die Vorsehung und viele Spender, die die wertvolle Arbeit von FAFCE unterstützen werden.

Auch der «World Youth Alliance» (WYA) werden aufgrund ihrer Pro-life-Ansichten Fördermittel in Höhe von 400 000 Euro verweigert. Die WYA setzt sich für die Menschenwürde «von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod» ein und engagiert sich seit 1999 bei wichtigen Veranstaltungen der Vereinten Nationen für das Leben. Zwei Vertreter des Europäischen Parlaments, der niederländische Europaabgeordnete Bert-Jan Ruissen und der italienische Europaabgeordnete Paolo Inselvini, haben eine Erklärung für den negativen Entscheid verlangt.

 

FAFCE wurde 1997 gegründet und ist die einzige Familien-NGO auf EU-Ebene, die den Begriff «katholisch» in ihrem offiziellen Namen trägt. Sie zählt aktuell 33 Mitgliedsorganisationen aus 21 Ländern. Ihre Themen reichen von der Thematisierung der sinkenden Geburtenraten, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, dem Schutz von Kindern, den Schäden durch Pornografie bis hin zu Fragen des Lebens und der Menschenwürde. Seit 2001 hat FAFCE einen Teilnehmerstatus beim Europarat und ist Mitglied der Plattform für Grundrechte der Europäischen Union. Link


Redaktion


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Joseph Laurentin 16.12.2025 um 13:12
    Es ist nicht zwingend ein Unglück, wenn christliche Hilfswerke, Schulen und Verbände keine Unterstützung durch einen säkularen Staat erhalten. Finanzielle Abhängigkeit bringt fast immer Anpassungsdruck mit sich, denn wer Mittel vergibt, erwartet Loyalität. Umso konsequenter ist es, wenn christliche Werke sich auf Spenden, Opferbereitschaft und das Vertrauen auf die göttliche Vorsehung stützen. Der heilige Johannes Bosco ist dafür ein prägendes Beispiel: Trotz ständiger materieller Not hat er durch Gebet und Vertrauen immer wieder die nötigen Mittel erhalten, um seine Sendung fortzuführen.
    • user
      Martin Meier-Schnüriger 18.12.2025 um 15:00
      Genau! Und nicht nur Hilfswerke sollten so verfahren, sondern z.B. auch unsere Bistümer. Löst euch von den Fleischtöpfen der reichen, aber letztlich nicht wirklich katholischen Landes"kirchen" und vertraut auf die Vorsehung und die Spendenfreudigkeit der treuen Gläubigen!