Die junge Familie wohnt im Zürcher Oberland. Heiko arbeitet als Akkordmaurer und treibt in seiner Freizeit gerne Sport. Seine Frau Sarah, eine ausgebildete Primarlehrerin, kümmert sich um die beiden Buben, Jamie (5) und Devon (4). Wenn es die Zeit zulässt, widmet sie sich ihrer künstlerischen Seite.
Beide kommen aus einem christlichen Elternhaus. Heiko engagierte sich mit Herz und Blut in einer Freikirche. Schon als Jugendlicher half er in der Jungschar mit, und war im Erwachsenenalter als Ressortleiter für die ganze Kinder- und Jugendarbeit derselben Gemeinde zuständig.
Sarah kam in Kamerun zur Welt, wo ihre Eltern als Missionare für Helimission tätig waren. Kurz nach der Jahrtausendwende kehrte die Familie in die Schweiz zurück, um ihren Kindern den Schulbesuch in der Schweiz zu ermöglichen. Im Engadin wurden sie Mitglied einer örtlichen Freikirche. Da das Engadin ausserhalb des Tourismus keine grossen Arbeitsmöglichkeiten bot, zog Sarah schon früh in die Region Zürich. Durch ihre Beziehung zu Heiko engagierte sie sich in der gleichen Freikirche, half in der Sonntagsschule und in der Jugendarbeit mit.
2020 kam ihr erster Sohn zur Welt – es sollte ein schwieriger Start als Familie werden. Jamie, ein sonst kerngesunder Bub, schrie stundenlang. Er weinte überdurchschnittlich viel, schlief deutlich zu wenig und immer nur für kurze Zeit. Aus den angekündigten «schwierigen Wochen» wurden «schwierige Monate», niemand konnte helfen. Es war eine sehr herausfordernde Zeit, auch für das Glaubensleben von Sarah und Heiko. Viele Mitglieder der Freikirche boten an, für die Familie zu beten. Doch es stellte sich keine Besserung ein – im Gegenteil. Oft, wenn viele Menschen gleichzeitig gebetet haben, wurde es schlimmer. «Auch wenn wir selbst für unseren Sohn gebetet haben, brach buchstäblich die Hölle los», erzählt Heiko. War der Kleine eingeschlafen und sie beteten, dass er jetzt doch etwas zur Ruhe kommen könne, schlug er beim «Amen» die Augen auf und schrie die nächsten Stunden durch. Das Gebet erschien plötzlich nutzlos und diese scheinbare Ausweglosigkeit führte die Familie in empfundene Einsamkeit und Verzweiflung. Besonders Sarah setzte sich selbst unter Druck: Die Hoffnung, dass Leiden «weggebetet» werden kann, wurde immer wieder bitter enttäuscht.
Die belastende Situation führte dazu, dass sie aufhörten, zusammen zu beten. Heiko hörte sogar fast ganz mit Beten auf. Er bat Sarah, für ihn zu beten. «Ich hatte den Eindruck, dass Gott mich ignorierte. Doch auf Sarah hörte er, das war ein Trost für mich.»
Einer seiner Arbeitskollegen war Pastor in einer Freikirche. Heiko hatte ihn in seiner Jugend noch als Leiter der Jugendgruppe erlebt. Benj Keller hatte als Pastor das Arbeitspensum als Akkordmaurer reduziert. Jetzt arbeitete er wieder auf der Baustelle. Heiko fragte beiläufig nach, was denn los sei. Er sei 2024 zur Katholischen Kirche konvertiert, erzählte Benj Keller. Es ergab sich daraus ein gutes Gespräch. «Ich fand es einfach interessant, mehr nicht», erinnert sich Heiko. Benj Keller sollte später Heikos Firmgötti werden.
Als er am Abend nach Hause kam, erzählte er Sarah, dass Benj jetzt katholisch sei. «An diesem Abend hat mich meine Frau zum ersten Mal in unserer Beziehung angeschrien.» «Du wirst nicht katholisch!», machte ihm Sarah unmissverständlich klar.
«Wenn Heiko von etwas überzeugt ist, gibt er mehr als 100 Prozent, und wenn er eine Idee hat, von der er überzeugt ist, hat er ein Funkeln in den Augen. An diesem Abend hatte er ein solches Funkeln in den Augen», erklärt Sarah ihren emotionalen Ausbruch an diesem Abend. Vermutlich war ihr in diesem Moment schon unbewusst klar, was auf sie zukommen könnte. Die Römisch-katholische Kirche mit ihren Dogmen gilt bei vielen Freikirchen als Verfechterin eines verfälschten Evangeliums. In Freikirchen glaubt man ausschliesslich an das allgemeine Priestertum. Daher brauche es nach freikirchlichem Verständnis weder einen Papst noch Priester oder Beichte usw. – das Heil kommt allein von Jesus.
«Die ganzen Vorurteile gegenüber der Katholischen Kirche kamen hoch», erklärt Sarah im Rückblick. «Und was würden die Menschen in unserer Umgebung sagen?»
Heiko hatte zu diesem Zeitpunkt gar nicht vor, katholisch zu werden. Doch er erklärte seiner Frau: «Wenn Jesus will, dass ich katholisch werde, dann mache ich es auch. Und ich würde mir auch von dir diese Haltung wünschen, dass du den Weg mit Jesus gehst, den er wünscht, auch wenn dir der Weg nicht gefällt.»
Kurz darauf stellte sich an einer Ressortsitzung der Freikirche die Frage, wer am Abendmahl teilnehmen darf. Heiko erklärte, dass seiner Meinung nach die Taufe eine Voraussetzung für den Empfang des Abendmahls sei. Doch mit dieser Meinung war er allein auf weiter Flur. Die Taufe ist in der Freikirche zwar wichtig, aber nur symbolisch. Da allein Jesus rettet, kann die Taufe nicht heilsnotwendig sein. Dementsprechend kann sie auch nicht als Voraussetzung für das Abendmahl (wird im freikirchlichen Glauben ebenfalls weitgehend symbolisch verstanden) gesetzt werden. «Das ging nach meinem biblischen Verständnis nicht auf.» Und da sie ja sicher nicht die Ersten in 2000 Jahren Christentum waren, die sich diese Frage stellten, machte er sich auf Spurensuche. Er begann mit den Reformatoren. Doch er musste entdecken, dass Luther mit seinem Verständnis von Taufe, Abendmahl und Reue nicht dem ihm bekannten freikirchlichen Evangelium entsprach. Auch bei Calvin blieben viele Fragen offen. Als er sich mit dem Abendmahlstreit zwischen Luther und Zwingli beschäftigte, realisierte Heiko, dass es bei diesem Disput auch um einen Streit um die Auslegung der Worte Jesu «Dies ist mein Leib» geht. Es ging also auch um die Frage des «sola scriptura». Heiko meint dazu: «Man kann die Bibel nicht ohne eine Auslegung verstehen, dies zieht die Frage nach der Autorität der Hermeneutik nach sich.»
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling, Herr Bonnemain. So kann es nicht weitergehen.
So habe ich es einmal gelesen. Gerne bete ich für die Familie. Alles Gute und Gottes reichen Segen.
Man soll sich nicht ablenken lassen von Skandalen sondern die überlieferte heilige Messe lieben lernen.
Ave Christus Rex
Ave Maria