Bruder Niklaus Meienberg legt das Versprechen in die Hände seines Oberen. (Bild: zVg)

Kirche Schweiz

Von Fran­zis­kus fas­zi­niert: Bru­der Niklaus legt die Ewi­gen Gelübde ab

Mit gerade ein­mal 22 Jah­ren trat Sil­vio Mei­en­berg in den Fran­zis­ka­ner­or­den ein. Als Ordens­na­men wählte er Niklaus, nach dem hei­li­gen Bru­der Klaus. Am 23. August 2026 legte er in Näfels die Ewi­gen Gelübde ab. Im Inter­view mit «swiss​-cath​.ch» erzählt er von sei­ner Beru­fung, sei­ner Fas­zi­na­tion für den hei­li­gen Franz von Assisi und die Zukunft sei­nes Ordens.

Sie legten am 23. August in der Ewigen Profess die Gelübde ab. Wie erlebten Sie den Tag? Empfanden Sie die Profess als etwas «Aussergewöhnliches» oder eher als Bestätigung eines längeren Weges?
Der Tag meiner Profess war wunderschön. Die Liturgie war andächtig und das Fest, zu dem etwa 100 Verwandte und Freunde gekommen sind, war voller Freude. Viele gute Menschen haben mitgeholfen. Das Versprechen war das gleiche, das ich auch schon in den vergangenen vier Jahren abgelegt habe. Damals galt es für jeweils ein Jahr. Bei der Ewigen Profess habe ich nun einen grösseren Schritt gemacht, der bis zum Tod bleibt.

Wie haben Sie Ihren Weg in den Franziskanerorden gefunden?
Mit 20 Jahren wollte ich entdecken, was Gottes Berufung für mich ist, darum habe ich für sechs Wochen im Franziskanerkloster in Näfels mitgelebt. In dieser Zeit erkannte ich, dass mir ein solches Leben gefällt, und fühlte mich von Gott dazu berufen. Der einfachste Schritt, das genauer zu prüfen, war, ins Postulat einzutreten.

Sie waren beim Eintritt in den Orden noch sehr jung. Wie hat Ihre Umgebung auf Ihre Entscheidung reagiert?
Meine Familie hat mich auf diesem Weg immer unterstützt, auch wenn es für sie nicht einfach war, mich gehen zu lassen. Die meisten Leute haben erstaunt oder interessiert reagiert, negative Reaktionen habe ich keine erlebt.

Die Ordensgemeinschaften werden kleiner. Entsprechend werden die Ausbildungen zentralisiert: Sie haben Ihr Noviziatsjahr in Killarney (Irland) verbracht, das Juniorat in Graz. Welches sind die Vorteile dieser zentralen Ausbildungsorte? Gibt es auch Nachteile?
Das Gute daran ist, dass man lernt, an ganz verschiedenen Orten mit unterschiedlichsten Menschen zusammenzuleben. Wenn man an jedem Ort, an dem man gerade ist, versucht, das Gute und Tugendhafte zu entdecken und sich anzueignen, wird das zu einem grossen Gewinn.
Ein Nachteil ist, dass man dazu viel reisen muss. Ich habe auch erlebt, dass es für manche schwer ist, sich in einer Fremdsprache zu verständigen.

Die Franziskaner haben in Europa wenig Nachwuchs – wie andere Klöster und Gemeinschaften auch. Bereitet Ihnen das als sehr junger Ordensbruder keine schlaflosen Nächte?
Es gibt mir schon zu denken, bereitet mir aber keine Sorgen. Bei den Schweizer Franziskanern sieht die Lage besser aus als an anderen Orten. Zurzeit beobachten wir, dass viele junge Menschen Interesse am katholischen Glauben zeigen. Das gibt auch Hoffnung auf Berufungen zum Ordensleben.

Ihren Beruf als Automatikmonteur werden Sie in der Gemeinschaft vermutlich eher selten ausüben können. Welche Aufgaben übernehmen Sie in der Gemeinschaft?
An erster Stelle kommt das Gebetsleben. Ich bin als Schneider zuständig für die Ordenskleider und nähe für die Brüder der Schweizer Kustodie und der Provinz Österreich die Habite. In den vergangenen Jahren der Ausbildung habe ich dieses Handwerk von einem Mitbruder gelernt. Dazu kommen verschiedene Hausarbeiten und ich begleite auch eine Firmgruppe.
 


Die Franziskaner dürfen am 3. Oktober den 800. Todestag ihres Ordensgründers, des heiligen Franziskus, feiern. Was fasziniert Sie persönlich am Poverello?
Der heilige Franziskus hat sich oft tage- und wochenlang zurückgezogen, um im Gebet ganz für den Herrn da zu sein. Er hat gelitten, wenn er nur wenig Zeit zum Gebet hatte. Das ist sehr faszinierend.

Franz von Assisi verbinden viele Menschen mit Armut, Naturverbundenheit und heute mit der ganzen Klimadebatte. Ist dieses Bild nicht zu eng? Was hat der heilige Franziskus uns heute noch zu sagen?
In der Natur hat Franziskus Gottes Liebe und Schönheit gesehen. Diesen Zugang können auch wir haben, wenn wir unsere Augen öffnen. Es ist offensichtlich, dass wir die Schöpfung mehr beachten und schützen müssten, als es jetzt getan wird.

Das wichtigste Anliegen von Franziskus war wahrscheinlich die Verehrung der Heiligen Eucharistie. In mehreren Briefen ermahnt er dazu seine Brüder und alle Menschen. Auch durch die radikale Armut, die er gelebt hat, ermahnt er uns, nicht im Materialismus zu leben, sondern nur die notwendigen materiellen Dinge zu besitzen. Beides führt zu grosser Freiheit und Freude.

Die Kirche feiert noch bis zum 10. Januar 2027 ein Franziskus-Jubiläumsjahr. Welche Aktivitäten sind in der Schweiz geplant? Worauf freuen Sie sich besonders?
Ich bin kein Freund von vielen Aktivitäten und Events. Unser wichtigstes Fest ist immer der Transitus, den wir am 3. Oktober um 18 Uhr feiern. Wie in vergangenen Jahren versammeln sich dazu alle Schweizer Brüder in Maria-Dreibrunnen.

Am 4. Oktober feiert die Gemeinschaft von Zürich den Festgottesdienst zum heiligen Franziskus in der Liebfrauenkirche.

Mit der Ewigen Profess hat eine neue Phase des Ordenslebens angefangen. Haben Sie für sich einen Bibelvers oder ein Zitat, unter das Sie Ihr «neues» Leben stellen?
Jetzt kommt mir gerade dieser Vers in den Sinn: «Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes» (Lk 9,62).

Ich erinnere mich, wie unser Novizenmeister uns Novizen diese Bibelstelle in Bezug auf die Ordensgelübde erklärt hat. Wer beim Pflügen zur Seite blickt, dessen Spur wird krumm. Wir müssen als Ordensleute nach vorne blicken, wo das Ziel ist, wo Jesus steht und unser himmlischer Vater auf uns wartet.
 

Bruder Niklaus (Silvio) Meienberg, Jg. 1998, wuchs im Zürcher Oberland auf und absolvierte eine Lehre als Automatikmonteur. Er trat 2020 in den Franziskanerorden ein und legte am 22. August 2021 die Einfache Profess ab. Am 23. August 2026 feierte er die Ewige Profess. Er gehört aktuell der Gemeinschaft in der Stadt Zürich an.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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