Sie legten am 23. August in der Ewigen Profess die Gelübde ab. Wie erlebten Sie den Tag? Empfanden Sie die Profess als etwas «Aussergewöhnliches» oder eher als Bestätigung eines längeren Weges?
Der Tag meiner Profess war wunderschön. Die Liturgie war andächtig und das Fest, zu dem etwa 100 Verwandte und Freunde gekommen sind, war voller Freude. Viele gute Menschen haben mitgeholfen. Das Versprechen war das gleiche, das ich auch schon in den vergangenen vier Jahren abgelegt habe. Damals galt es für jeweils ein Jahr. Bei der Ewigen Profess habe ich nun einen grösseren Schritt gemacht, der bis zum Tod bleibt.
Wie haben Sie Ihren Weg in den Franziskanerorden gefunden?
Mit 20 Jahren wollte ich entdecken, was Gottes Berufung für mich ist, darum habe ich für sechs Wochen im Franziskanerkloster in Näfels mitgelebt. In dieser Zeit erkannte ich, dass mir ein solches Leben gefällt, und fühlte mich von Gott dazu berufen. Der einfachste Schritt, das genauer zu prüfen, war, ins Postulat einzutreten.
Sie waren beim Eintritt in den Orden noch sehr jung. Wie hat Ihre Umgebung auf Ihre Entscheidung reagiert?
Meine Familie hat mich auf diesem Weg immer unterstützt, auch wenn es für sie nicht einfach war, mich gehen zu lassen. Die meisten Leute haben erstaunt oder interessiert reagiert, negative Reaktionen habe ich keine erlebt.
Die Ordensgemeinschaften werden kleiner. Entsprechend werden die Ausbildungen zentralisiert: Sie haben Ihr Noviziatsjahr in Killarney (Irland) verbracht, das Juniorat in Graz. Welches sind die Vorteile dieser zentralen Ausbildungsorte? Gibt es auch Nachteile?
Das Gute daran ist, dass man lernt, an ganz verschiedenen Orten mit unterschiedlichsten Menschen zusammenzuleben. Wenn man an jedem Ort, an dem man gerade ist, versucht, das Gute und Tugendhafte zu entdecken und sich anzueignen, wird das zu einem grossen Gewinn.
Ein Nachteil ist, dass man dazu viel reisen muss. Ich habe auch erlebt, dass es für manche schwer ist, sich in einer Fremdsprache zu verständigen.
Die Franziskaner haben in Europa wenig Nachwuchs – wie andere Klöster und Gemeinschaften auch. Bereitet Ihnen das als sehr junger Ordensbruder keine schlaflosen Nächte?
Es gibt mir schon zu denken, bereitet mir aber keine Sorgen. Bei den Schweizer Franziskanern sieht die Lage besser aus als an anderen Orten. Zurzeit beobachten wir, dass viele junge Menschen Interesse am katholischen Glauben zeigen. Das gibt auch Hoffnung auf Berufungen zum Ordensleben.
Ihren Beruf als Automatikmonteur werden Sie in der Gemeinschaft vermutlich eher selten ausüben können. Welche Aufgaben übernehmen Sie in der Gemeinschaft?
An erster Stelle kommt das Gebetsleben. Ich bin als Schneider zuständig für die Ordenskleider und nähe für die Brüder der Schweizer Kustodie und der Provinz Österreich die Habite. In den vergangenen Jahren der Ausbildung habe ich dieses Handwerk von einem Mitbruder gelernt. Dazu kommen verschiedene Hausarbeiten und ich begleite auch eine Firmgruppe.
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