Heimatvertriebene. (Bild: Deutsche Fotothek‎, CC BY-SA 3.0 DE via Wikimedia Commons)

Weltkirche

Vor 75 Jah­ren: Ein Appell an das christ­li­che Gewis­sen Europas

Heute, vor 75 Jah­ren, begann im hol­län­di­schen Hil­ver­sum der erste Kon­gress mit dem Titel «Kir­che in Not». Gemein­sa­mes Anlie­gen der Teil­neh­mer aus Bel­gien, Frank­reich, Hol­land, Öster­reich und der Schweiz war die tat­kräf­tige Hilfe für zahl­lose in mate­ri­elle und reli­giöse Not gera­tene Flücht­linge im Gefolge des Zwei­ten Weltkrieges.

Wie die «Tagespost» in ihrer Online-Ausgabe vom 7. Februar 2026 berichtet, verstand sich der Kongress angesichts der Millionen entwurzelten Opfer der nationalsozialistischen Ideologie auch und gerade als Appell an das christliche Gewissen Europas. Organisiert wurde die Tagung von der «Katholischen Arbeitsgemeinschaft für geistliche Erneuerung» Hollands und der «Ostpriesterhilfe», aus der später das international tätige Hilfswerk «Kirche in Not» hervorging.

Nicht nur hochrangige kirchliche, sondern auch Vertreter der Zivilgesellschaft und der Politik nahmen am Kongress teil, so der erste deutsche Bundesminister für Vertriebene, Hans Lukaschek. Den Teilnehmern wurde zusehends bewusst, dass das Massen-Elend der unmittelbaren Nachkriegszeit eine gemeinsame, grundsätzliche Antwort auf die existentiellen Fragen nach der Menschenwürde und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt erforderlich machte.

Nicht nur caritativ, sondern stets auch präventiv
Insbesondere dem Prämonstratenserpater Werenfried van Straaten kommt das Verdienst zu, den geistigen Horizont auf die internationale Dimension der Flüchtlingstragödie geweitet zu haben. Dies bedeutete insbesondere auch, mutig der Gefahr ins Auge zu sehen, die von den unter der Herrschaft des Sowjetkommunismus neu errichteten Diktaturen in Mittel- und Osteuropa ausging. Nicht umsonst nannte sich das Hilfswerk «Kirche in Not» ursprünglich «Ostpriesterhilfe.»

Pater Werenfried van Straaten warnte eindringlich vor der Bedrohung durch die kommunistische Ideologie. Ihm war bewusst, dass heimatlos gewordene, materiell und spirituell ausgehungerte Menschen besonders anfällig für totalitäre Ersatzreligionen wie den Marxismus sind. Er verstand deshalb christliche Nächstenliebe stets nicht nur als Hilfe für die Einzelnen, sondern auch als Bollwerk gegen verführerische Ideologien. Echte, ganzheitliche Hilfe und Solidarität über nationale Grenzen hinweg ist, so könnte man Werenfried van Straatens Credo auf einen Nenner bringen, nicht nur caritativ, sondern immer auch präventiv.

Eine Grussbotschaft von Papst Pius XII. verdeutlichte auch den universalen Charakter, den die Weltkirche der Programmatik dieses Kongresses beimass.

Es blieb nicht bei diesem einen Kongress. Er war vielmehr die Initialzündung für weitere 44 Kongresse. Sie fanden in Königstein im Taunus statt, der heutigen Zentrale des Hilfswerkes «Kirche in Not». Dabei standen essentielle, wegweisende Themen wie Religionsfreiheit, Christenverfolgung und Flüchtlingsnot im Fokus.

75 Jahre später steht Europa, zumal Westeuropa, wiederum vor gewaltigen, migrationsbezogenen Herausforderungen. Allerdings unter ganz anderen Vorzeichen: Es ist die Masseneinwanderung aus islamisch geprägten Ländern mit Wertvorstellungen und Verhaltensweisen, die oft mit jenen der Aufnahmeländer kollidieren. Europa wird diese epochale Herausforderung nur meistern können, wenn es sein Gewissen neu entdeckt und danach handelt.


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Sei der Erste, der kommentiert