In einem Weltwoche-Essay hat Kurt W. Zimmermann den hiesigen Sachverhalt messerscharf auf den Punkt gebracht: «Der Mord an Charlie Kirk war für linke Medien ein Dilemma. Man durfte nicht applaudieren.» Zimmermann’s Liste der journalistischen Ladehemmungen ist eindrücklich.
Als erstes Beispiel erwähnt er den Tages-Anzeiger. Deren Redaktorin Michèle Binswanger hatte in einem Kommentar geschrieben, Charlie Kirk sei gestorben, weil er mit Argumenten kämpfte. Er habe stets auch die Debatte mit Andersdenkenden gesucht. Kirks Ermordung sei deshalb ein Anschlag auf unsere freie Demokratie und damit auf die Freiheit überhaupt. Zuviel der Zumutungen für das Gros der Redaktionskolleginnen und Kollegen. Bereits zehn Stunden später folgte die redaktionsinterne Retourkutsche. Charlie Kirk sei kein Märtyrer gewesen, sondern ein Fanatiker, ein Verteidiger journalistischer Gewalt, ein Verächter der Demokratie. Bei der Lektüre dieser «Richtigstellung» konnte man sich, so Zimmermann, des Eindrucks nicht erwehren, Kirk habe sich seine Ermordung im Grunde genommen selber zuzuschreiben. Die Stimmung im linken Lager fasst er wie folgt zusammen: Insgeheim habe man sich gefreut, dass «ein politischer Bösewicht aus dem Weg geräumt wurde, aber gegen aussen konnte man das nicht so offen sagen».
Das linke Schweigen
Die linksten Publikationen der Schweiz, so Zimmermann, zogen es vor, die Mordtat zu ignorieren. Keinerlei Hemmungen zeigte einzig Watson von der CH Media, die «unbestritten linkste Online-News-Site des Landes». Mit umgekehrten Vorzeichen präsentierte Watson eine Tafel mit zehn Geboten, gegen die Kirk verstossen haben soll. Der Sündenkatalog erstreckte sich vom Vorwurf der Homo- und Transphobie über den Antifeminismus und Antisemitismus bis zur strikten Ablehnung der Abtreibung. Wie der Watson-Autor Julian Seiferth im gleichen Atemzug Sätze Kirks wie «Homosexuelle sollten in der konservativen Bewegung willkommen sein. Als Christen sind wir aufgerufen, jeden zu lieben» zitieren und mit seinem Rundumschlag auf einen Nenner bringen konnte, dürfte nicht nur ihm selber rätselhaft sein.
Für die löbliche Ausnahme zeichnete ausgerechnet der «Blick» verantwortlich. Dessen Redaktor Peter Hossli verdient es, ausführlich zitiert zu werden: «Der Amerikaner Kirk war kein Feigling, der Thesen ins Netz posaunte und dann verschwand. Er praktizierte Politik im besten Sinne des Wortes und suchte die Konfrontation. Unermüdlich reiste er von Universität zu Universität, um sich mit Menschen verbal zu duellieren, die andere Meinungen hatten als er. Angenehm waren Debatten mit ihm nicht. Er sprach messerscharf. Paroli bieten konnte ihm nur, wer selbst blitzgescheit auftrat. Sein Leitsatz wirkte einladend: ‹Widerspruch erwünscht!›. Damit hob er sich von jenen ab, die den Austausch mit Andersdenkenden scheuen und Diskussionen meiden, sobald ihnen die Gesprächspartner nicht passen. Diese selbstgerechte Haltung erstickt Debatten. Wer so denkt, kann genauso gut mit einem Spiegel streiten.»
A propos «Spiegel»: Es war – wenig erstaunlich – das deutsche Magazin «Der Spiegel», der den Tiefpunkt in dieser Debatte markierte. Statt von «Mord» sprach er von einem «Schusswaffenvorfall». Tönt ganz so, als hätte sich zufällig eine Patrone aus einem Gewehrlauf gelöst. Doch damit nicht genug: Kirks Witwe warf der «Spiegel» befremdliches Verhalten vor, weil sie dessen politisches Engagement fortzuführen gewillt ist. Dies sind, brachte es Zimmermann auf den Punkt, «Abgründe des deutschen Haltungsjournalismus, die man in der Schweiz nicht kennt». «Noch nicht kennt» ist man versucht, hinzuzufügen.
Weshalb dieser Hass auf Charlie Kirk
Charlie Kirk war gewiss kein Heiliger. Die gerade in evangelikalen Kreisen nicht seltene nationalistische Verengung der Botschaft des Evangeliums war auch ihm nicht fremd. Aber dies erklärt und rechtfertigt nicht die Feindseligkeit, ja den Hass, der Kirk in manchen Medien entgegenschlug. Er hat eben gerade auch damit zu tun, dass sich das herrschende Establishment durch dessen ebenso unkonventionelles wie erfolgreiches Wirken zutiefst verunsichert fühlt, ja instinktiv begreift, dass das woke Deutungs- und Sprachregelungsmonopol ins Wanken gerät. Zumal sich Charlie Kirk nicht an den Stammtischen, sondern an den Universitäten als Geburtsstätten je neuer gesellschaftlicher Entwicklungen den Debatten stellte.
Zimmermann’s Feststellung, wonach das linke Medienecho auf den Tod von Charlie Kirk weitgehend ausblieb, gilt noch weit mehr für die nun wirklich ergreifende Rede von Erika Kirk anlässlich der Abdankungsfeier für ihren getöteten Ehemann. Dass sie in der wohl schwersten Stunde ihres Lebens die Kraft fand, dem Mörder ihres Mannes öffentlich zu verzeihen und damit die Spirale der Gewalt zu durchbrechen, verdankt sie ihrem tief in der Botschaft des Evangeliums verankerten Glauben: «Diesem Mann, diesem jungen Mann vergebe ich. Ich vergebe ihm, weil es das war, was Christus getan hat, und weil es das ist, was Charlie tun würde. Die Antwort auf Hass ist nicht Hass. Die Antwort, die wir aus dem Evangelium kennen, ist Liebe und immer Liebe. Liebe für unsere Feinde und Liebe für diejenigen, die uns verfolgen.»
«Diesem Mann, diesem jungen Mann vergebe ich. Ich vergebe ihm, weil es das war, was Christus getan hat, und weil es das ist, was Charlie tun würde.» Erika Kirk
Den Männern rief sie zu: «Nehmt Charlies Herausforderung an und lebt echte Männlichkeit. Seid stark und mutig für eure Familien. Liebt eure Frauen und führt sie. Liebt eure Kinder und beschützt sie. Seid das geistliche Oberhaupt eures Hauses. Aber bitte seid ein Führer, dem es sich zu folgen lohnt. Eure Frau ist nicht eure Dienerin. Eure Frau ist nicht eure Angestellte. Eure Frau ist nicht eure Sklavin. Ihr seid keine Rivalen. Ihr seid ein Fleisch, das gemeinsam für die Ehre Gottes arbeitet.»
An die Frauen gerichtet sagte sie: «Frauen, ich habe auch eine Herausforderung für euch. Seid tugendhaft. Unsere Stärke lieg in Gottes Plan für unsere Rolle. Wir sind die Beschützerinnen. Wir sind die Ermutigerinnen. Wir sind die Bewahrerinnen. Bewahrt euer Herz. Alles, was ihr tut, entspringt daraus. Und wenn ihr Mütter seid, dann erkennt bitte, dass dies eure wichtigste Aufgabe ist.»
Es erstaunt wenig, dass gerade solche Worte hierzulande weitgehend auf eisiges Schweigen stiessen.
Eine Botschaft an die ganze Welt
Erika Kirk schloss ihre Rede mit den Worten:
«Charlies Leben war ein Wendepunkt für dieses Land. Es war ein Wunder. Lasst dieses Wunder, das Charlies Leben war, auch euren Wendepunkt sein. Entscheidet euch für das Gebet. Entscheidet euch für Mut. Entscheidet euch für Schönheit. Entscheidet euch für Abendteuer. Entscheidet euch für die Familie. Entscheidet euch für ein Leben im Glauben. Und vor allem: Entscheidet euch für Christus. Ich liebe dich Charlie Baby. Und ich werde dich stolz machen. Gott segne Sie alle, und Gott segne Amerika.»
Erika Kirks aufrüttelnde Worte dürfen nicht nur für Amerika, sondern für die ganze Welt Geltung beanspruchen.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Wir in Europa sollten andere Wege gehen und versuchen, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen. Es muss möglich sein, eine wirklich katholische Politik zu propagieren, ohne dabei gegen links oder rechts abzudriften. Und es gab in der Geschichte solche wahren Helden, die aus ihrer katholischen Überzeugung heraus richtig gehandelt haben.
Ich schreibe es noch einmal, dies gerade heute am Gedenktag der Heiligen Therese von Lisieux: Wir Katholiken haben Vorbilder, zu denen wir blicken können.