Screenshot der Webseite bischoefe.ch zum Drama in Crans-Montana vom 1.1.2026

Kommentar

Warum ein Kreuz, wenn’s auch eine Schlaufe tut?

Am 9. Januar wurde in Mar­ti­gny im Rah­men des natio­na­len Trau­er­ta­ges der Opfer der Brand­ka­ta­stro­phe in Crans Mon­tana gedacht. Ein der Tra­gik die­ses Ereig­nis­ses ange­mes­se­ner Anlass. Doch des­sen for­cierte Aus­blen­dung jeg­li­cher auch nur ent­fernt an Chris­ten­tum und Kir­che erin­nern­den Sym­bo­lik irritiert.

Bundespräsident Guy Parmelin hatte den 9. Januar 2026 im Namen der Schweizer Regierung zum nationalen Trauertag erklärt. Er galt den Opfern der Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» in Crans Montana in der Neujahrsnacht: Sie forderte 40 Tote und 116 schwerverletzte Jugendliche, das jüngste Opfer war gerade einmal 14 Jahre alt. Vertreter aus 37 Staaten und der Europäischen Union wurden vom EDA eingeladen, darunter die Präsidenten Italiens und Frankreichs. Der Gedenkanlass fand im Kongresszentrum Cerm in Martigny statt. Auf Antrag von Staatsratspräsident Matthias Reynard, zu seiner Zeit als Nationalrat ein militanter LGBT-Aktivist, sollte es eine «universelle Zeremonie» sein, die «allen offen» stehe. Weltwoche-Redaktor David Briner betitelte dieses Vorhaben mit den Worten: «Gottlose Kantonsregierung: Walliser Staatsratspräsident will keine christliche Trauerfeier für die Opfer von Crans Montana.»

Das Bestreben, christliche, v.a. kirchlich-katholische Anklänge tunlichst zu vermeiden, war in der Tat buchstäblich mit Händen zu greifen. Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz, durfte zwar einen Textbeitrag abliefern, ihn während dem Traueranlass aber nicht selber vortragen, sondern musste sich von einer Schauspielerin vertreten lassen. Es waren wohl formulierte Sätze, die allerdings ein deistisch weichgespülter Zeitgenosse, der ein wie auch immer geartetes «höheres Wesen» nicht a priori ausschliessen mag, mit dem gleichen Brustton der Überzeugung hätte deklamieren können. Auszüge: «Du stille Gegenwart, die uns verbindet. Wir sind hier, zerbrochen, weil Leben jäh endet … Wir stehen hier, nicht um zu erklären, was keiner begreifen kann, sondern um da zu sein, miteinander, neben einander, zusammen; zusammen trauern ohne Antwort … Möge Mitgefühl eine leise Kraft sein, die uns trägt, möge Liebe gerade auch da sein, wo wir nicht glauben und nicht mehr hoffen.»

Es ist Frau Famos unbenommen, sich mit solchen Worten zur Tragödie von Crans Montana zu äussern, Worte, die mehr Trostlosigkeit verbreiten als Trost spenden. Ein Zeugnis der Hoffnung sind sie aber nicht. Und doch ist eine solch tragisches Ereignis just der Ernstfall des Glaubens, der Moment, wo sich der christliche Glaube an ein Leben über den irdischen Tod hinaus zu bewähren hat. Inakzeptabel ist es hingegen, wenn der Kommentator des Schweizer Fernsehens dem Publikum weismachen will, Rita Famos schlage «uns eine ökumenische Botschaft vor von unserer Spiritualität». Es gilt, sich als Katholiken gegen diese ungefragte pseudo-ökumenische Vereinnahmung durch den Schweizer Staatssender in aller Form zu verwahren. Auch der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Charles Morerod, war an dieser Trauerfeier anwesend, wurde vom Fernsehen kurz eingeblendet. Ob gewollt oder ungewollt, zu Wort kam er nicht. Dabei wäre dies grundsätzlich eine gute Gelegenheit gewesen, christliche Präsenz zu markieren. Angesichts des prononciert agnostisch ausgestalteten Traueranlasses wäre Bischof Morerod gut beraten gewesen, auf eine Teilnahme zu verzichten, statt sich zu einer reinen Alibi-Figur degradieren zu lassen.

 

Wozu ein Kreuz, eine Schlaufe tut’s auch

Womit wir bei der Schweizer Bischofskonferenz angekommen wären. Noch am Tag der Tragödie veröffentlichte die Bischofskonferenz zusammen mit der Diözese Sitten eine Mitteilung. Darin hiess es u.a.: «Die SBK und die Diözese Sitten bekunden allen Opfern, ihren Angehörigen und Familien ihre Anteilnahme und ihr Mitgefühl…An diesem Tag, der in der katholischen Kirche traditionell dem Fest ‘Mariä, Mutter Gottes’ und dem weltweiten Gebet für den Frieden gewidmet ist, beten wir dafür, dass die betroffenen Familien begleitet und unterstützt werden. Möge das Licht der Solidarität den dichten schwarzen Rauch dieses Dramas vertreiben. Wir vertrauen alle Opfer und ihre Angehörigen der Fürsorge der Jungfrau Maria an.»

Eine würdige und der Tragik dieses Ereignisses durchaus angemessene Stellungnahme der Schweizer Bischofskonferenz. Irritierend allerdings, dass diese Mitteilung mit einem Bild illustriert wurde, das eine ins Gebet versunkene Frau zeigt. Vor ihr eine brennende Kerze – und darüber eine schwarze Schlaufe. Diese ist exakt der «Pink Ribbon», der «Rosa Schleife» abgekupfert. Sie wurde von der US-Amerikanerin Charlotte Haley 1991 erstmals als Symbol für den Kampf gegen den Brustkrebs eingesetzt. Ein durch und durch ehrenwerter Kampf. Aber es ist nicht nachvollziehbar, dass ausgerechnet die Bischofskonferenz auf ihrer Homepage das Kreuz durch eine Schleife ersetzt. Dies in einer Zeit, in welcher christliche Symbole systematisch aus dem öffentlichen Raum verdrängt werden. Es darf an dieser Stelle an die Worte des Apostels Paulus im 1. Korintherbrief 1,18 erinnert werden.

In den letzten Tagen sind oft und von verschiedenen Seiten Worte der Dankbarkeit gegenüber den Rettungskräften, Pflegenden und der Solidarität mit den Opfern und ihren Angehörigen geäussert worden. Zu Recht! Jonas Spirig, Kommunikationsverantwortlicher des Bistums Basel, hat verdienstvollerweise an eine Berufsgruppe erinnert, die bislang vergessen ging. Ich schliesse mich seinen Dankesworten vorbehaltlos an: «Beim Grübeln über die Zusammenhänge von Leid, Freiheit und Verantwortung habe ich plötzlich Dankbarkeit empfunden. Dankbarkeit gegenüber meinen Eltern, die mir manchen Blödsinn in meiner Jugend nicht erlaubt haben. Und auch Dankbarkeit gegenüber Brandschutzbehörden, Polizistinnen, Türstehern und allen anderen, die tagein, tagaus ihre Verantwortung wahrnehmen und nicht selten deshalb als Spassbremsen, Paragraphenreiterinnen und Langweiler beschimpft werden. Denn sie gehören zu denjenigen, die tagein, tagaus solche Katastrophen oft schon im Ansatz verhindern.»


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Schwyzerin 12.01.2026 um 10:58
    Zur Ergänzung betreffend Jahreswechsel ist aus dem LAUDATE PATREM ET FILIUM CUM SANCTO SPIRITUM! Katholisches Gesang und Gebetsbuch, Herausgegeben von P. Walter Huber Priesterbruderschaft St. Petrus 2. Auflage Augsburg 2017, Seite 341. Im Kommentar wurde der Liedtext nicht wie in dieser Ausgabe wieder gegeben. Am Schluss des Satzes hat steht immer ein Ausrufezeichen !

    5. Gib, dass die Kirch zu Deiner Ehr siegreich besteh und sich vermehr!
    Die uns regieren Gnad verleih, dass Fried und Wohl im Volke sei!

    Wenn Bundespräsident Guy Parmelin in seiner Neujahrsansprache Gott die Ehre gibt, dann ist das ein guter Weg um die Bundesverfassung zu heilen. Das Kreuz ist das Heil. Friede ist in Gott. Gott ist der Friede.
  • user
    Schwyzerin 12.01.2026 um 07:23
    T: 1568 in neuer Bearbeitung (Bone)
    M: "Harpffen Davids" 1669

    Jahreswechsel

    1. Das alte Jahr vergangen ist: wir danken Dir, Herr Jesus Christ!
    Ach, nimm sie auf, die kurze Zeit zum Opfer für die Ewigkeit
    2. Vertilge, was vom Bösen war! Des Guten Frucht mach offenbar.
    Die Armen Seelen allzumal, geleite zu des Himmels Saal!
    3. Im neuen Jahr nach Deiner Treu uns wiederum mit Huld erfreu;
    dass alles, was wir fangen an, durch Deinen Rat sei wohlgetan!
    4. Streck aus, o Gott, die milde Hand auf unser liebes Vaterland.
    In Deinen Schutz nimm Land und Leut, sei Helfer dann, wenn G`fahr uns dräut!
    5. Gib, dass die Kirch zu Deiner Ehr, siegreich besteh und sich vermehr!
    Die uns regieren Gnad verlei, dass Freid und Wohl im Volke sei!
    6. Behüt uns all im ganzen Jahr vor Seelenangst und Leibsgefahr!
    Gib jedem, Herr, sein besten Teil und allen einst das ew`ge Heil!
    7. Gelobt sei und gebenedeiet die heiligste Dreifaltigkeit,
    Gott Vater, Sohn und Heil`ger Geist, den Erd und Himmel ewig preist!

    Der Bundespräsident Guy Parmelin hat die Neujahrsrede noch nicht gehalten. Wenn der Bundespräsident in seiner Ansprache Gott die Ehre gibt, würde das der Schweizerischen Eidgenossenschaft ganz gut tun.
  • user
    Claudio Tessari 11.01.2026 um 14:48
    Per Crucem ad Lucem. Sicherlich haben das die meisten mitbekommen, dass ein junger Mann, der sich ans Kreuz klammerte komplett vom Feuer verschont blieb. Und trotzdem bleibt das Kreuz für viele ein Ärgernis. Ich finde es scho ein Skandal, dass man eine weltliche Gedenkfeier anstatt eine christliche Trauerfeier machte, obwohl die absolute Mehrheit der Opfer Christen waren.
  • user
    Kathrin Benz 11.01.2026 um 12:40

    Die Tessiner Journalistin Laura Quadri hat auf dem italienschsprachigen Portal catt.ch einen interessanten Artikel über die Präsenz der Kirche und der Seelsorger veröffentlicht. Darin zitiert sie Pierre-Yves Maillard, Generalvikar für den französischsprachigen Teil der Diözese Sitten, dass sich lokal viele spontane Initiativen gebildet hätten, Schweigemärsche und Mahnwachen, kontinuierliche Anbetungen. Sofort wurden die Religionslehrer online zusammengerufen, um sich vorzubereiten.


    Pater Pablo Pico von Lens (gleicher Seelsorgebereich wie Crans Montana) erzählt: «Sie haben mich sofort angerufen. Es war ein dringendes Bedürfnis: Die Rettungsgruppen und psychologischen Hilfsteams waren bereits aktiv geworden. Aber es war auch klar, dass unsere Präsenz als Kirche notwendig war». Er eilte in der Brandnacht ins Kongresszentrum „La Régent“, wo sich die ersten Familien versammelt hatten, die auf Nachrichten von ihren Kindern warteten und vor allem wissen wollten, ob sie noch lebten. «Es bestand ein grosser Bedarf an Trost, Nähe, auch spiritueller Nähe und Glauben». Gemeinsam mit Laien aus der Spitalseelsorge bildete sich eine Begleitgruppe. Auch der Rabbiner von Crans-Montana schloss sich an, da auch seine Gemeinde von der Tragödie betroffen war.


    Der Pfarrer wird so zitiert: «Unsere Mission jetzt? Dabeisein, da sein, die Bindungen aufrechterhalten. Es gibt ein Licht, das Licht der Auferstehung, das noch schwer zu spüren ist, auch wenn der Herr den Tod besiegt hat. Ich denke, dass ich in naher Zukunft auch die Menschen, die hier ein Ferienhaus haben, bitten werde, sich zum Gebet zu versammeln. Das ist wichtig: die Begleitung aller über einen langen Zeitraum hinweg».


    Auf der französischsprachigen Webseite von catt.ch steht ein längeres und berührendes Interview mit Abbé Pico, in dem er beschreibt, wie die Angehörigen noch in der Nacht der Tragödie das Bedürfnis nach Gebet hatten. Es habe mit Wut gegen Gott gerechnet, aber im Gegenteil suchten die traumatisierten Menschen Seine Nähe und hatten das Bedürfnis, gemeinsam zu weinen und zu beten. Auch Nichtgläubige hätten die Nähe der Seelsorger gesucht.

    • user
      Ferdi26 11.01.2026 um 15:29
      Herzlichen Dank für Ihren letztes Satz: Echte und gläubige Seelsorger wollen sich nicht selbst in Szene setzen, sondern geistlichen Beistand leisten.