Der normannische Philosoph Guillaume de Conches (1080/90-1154) spottete einst: «Die meisten unserer Bischöfe durchforschen das Universum nur, um Köche zu finden, die fähig sind, gepfefferte Saucen zu komponieren.» Tatsächlich haben Kirchenleute – Mönche wie Priester und Bischöfe – eine Menge zur einmaligen Vielfalt der französischen Küche beigetragen, welche die UNESCO 2010 als immaterielles Kulturerbe anerkannt hat. Wie viel, das hat der deutsch-österreichische Kulinarik-Autor Peter Peter in einem Buch über die Kulturgeschichte der französischen Küche zusammengetragen.
Die Vielfalt der Regionalküchen, die handwerkliche Qualität der Weine, Käse und sonstigen Lebensmittel: Frankreichs Kochkunst ist weltberühmt. Zwar entsteht der Hype darum erst mit Ludwig XIV., der in Versailles den Adel aus allen Landesteilen anzieht. Doch der «Speiseluxus» des Sonnenkönigs hat eine Vorgeschichte in den Klöstern.
Wissen aus dem Orient
Autor Peter bezeichnet Frankreichs Klöster als «kulinarische Kompetenzzentren innovativer und zugleich therapeutisch abgeklopfter Rezepte». Wie konnte es dazu kommen? Mönche waren oft von höherem Stand; sie waren gebildet und des Schreibens kundig, pflegten eine arbeitsteilige Wirtschaft: gute Voraussetzungen für die Pflege von Überlieferungen und eine Vielzahl vorgehaltener Produkte.
Über die Kreuzzüge gelangte grosses Wissen des Orients nach Westen, das in den Klöstern gesammelt wurde. Damaszenerpflaumen, Schalotten und Chardonnay-Trauben – mit Anklängen an «schahar adonai», hebräisch für «Pforten des Herrn» – sollen aus dieser Zeit stammen. Neben der Kultur des Weinbaus ist auch die wichtige Gattung der französischen Klösterliköre nicht zu vergessen, allen voran der hochprozentige Chartreuse aus der Grossen Kartause bei Grenoble.
Bis zu einer systematischeren Pflege in Sachen Kulinarik war es freilich ein weiter Weg. Seit dem Urchristentum galt Schlemmen als ein Verstoss gegen das Gebot der Mässigung. 785 erliess Karl der Grosse während der Sachsenkriege etwa ein drakonisches Gesetz, das für Fastenbrechen die Todesstrafe vorsah. Allerdings kollidierte für die Herrschenden die gebotene Askese mit dem christlichen Ideal der «amicitia» (Freundschaft), das zu den Regierungspflichten gehörte – und zu üppigen Gelagen nötigte.
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