(Bild Eheschliessung: catholicvs.blogspot.com; Collage: swiss-cath.ch)

Kommentar

Was die NZZ der Pius-​Bruderschaft alles andichtet

Das mediale Echo auf die von der Pius-​Bruderschaft vor­ge­nom­me­nen Bischofs­wei­hen war gross. Der Tenor war oft unsach­lich und mit Falsch­mel­dun­gen durch­setzt. Aus­ge­rech­net die sich als Qua­li­täts­zei­tung ver­ste­hende «Neue Zür­cher Zei­tung» (NZZ) tat sich dabei beson­ders hervor.

Auf ihn ist Verlass: Kündigen sich in der Katholischen Kirche Querelen an, ist er prompt zur Stelle, buchstäblich so sicher wie das Amen in der Kirche. Die Rede ist von Simon Hehli, Redaktor der «Neuen Zürcher Zeitung» und Sohn eines protestantischen Pfarrers. Ein Anlass, den er sich unter keinen Umständen entgehen lassen wollte, waren die am 1. Juli erfolgten Bischofsweihen der Pius-Priesterbruderschaft in Écône. Seine Fixierung auf «Catholica» wäre an sich nicht das Problem, stünde seinem Drang, über den konfessionellen Haag hinaus zu grasen, nicht ein diesbezüglich eklatantes Defizit gegenüber.

Von Häretikern und ungültigen Taufen
So jüngst in seinem Beitrag vom 1. Juli 2026 mit dem Titel «Schicksalstag für die Piusbrüder». Darin etikettiert er die Piusbrüder allen Ernstes als «Häretiker». Wie Simon Hehli auf eine solche Aussage kommt, ist nicht nachvollziehbar, hat doch die Kirche selbst im Zusammenhang mit den Piusbrüdern nie von Häresie gesprochen. Konsequenterweise ist auch im Exkommunikationsdekret des «Dikasteriums für die Glaubenslehre» vom 2. Juli 2026 vom «Schisma», von «Schismatikern» die Rede, nirgends aber von Häretikern. Mit gutem Grund. Denn die Häresie ist ein viel schwerwiegenderer Verstoss gegen die Kirche und ihre Glaubenslehre. So heisst es im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK), Nr. 2089: «Häresie nennt man die nach dem Empfang der Taufe erfolgte beharrliche Leugnung einer mit göttlichem und katholischem Glauben zu glaubenden Wahrheit oder einen beharrlichen Zweifel an einer solchen Glaubenswahrheit […] Schisma nennt man die Verweigerung der Unterordnung unter den Papst oder der Gemeinschaft mit den diesem untergebenen Gliedern der Kirche.» Wohl niemand will dem Fussvolk der Pius-Bruderschaft unterstellen, im obgenannten Sinn Häretiker zu sein, nicht einmal das «Dikasterium für die Glaubenslehre».

Nur zwei Tage später, am 3. Juli 2026, legte Simon Hehli in seinem Beitrag «Eine Befreiung für den Papst und die Kirche» noch einen drauf: «Damit (gemeint ist die Exkommunikation) werden aus Sicht der Weltkirche sämtliche Taufen und Eheschliessungen durch Geistliche der Bruderschaft ungültig.» Das ist, was die Taufe betrifft, Unsinn. Noch nie in der Kirchengeschichte hatte eine Exkommunikation die Ungültigkeit einer Taufe zur Folge. Im Notfall kann jeder Mensch, selbst ein Nicht-Christ, gütig die Taufe spenden. Voraussetzung ist einzig, dass der Taufspender die trinitarische Taufformel verwendet, in der Absicht, das zu wollen, was die Kirche bei der Taufe tut (vgl. can. 861 § 2 CIC). Damit löst die Kirche das Spannungsverhältnis auf zwischen der Heilsnotwendigkeit der Taufe einerseits und dem allumfassenden Heilswillen Gottes andererseits (vgl. KKK Nr. 1256).

Alles ungültig?
Ignoranz bei theologisch-ekklesiologischen Problemstellungen scheint in der NZZ Schule zu machen. Anders ist es kaum zu erklären, dass sich Volker Reinhardt, em. Professor für allgemeine und Schweizer Geschichte, einige Tage später in eben dieser NZZ («Die härteste Strafe des Papstes», 6. Juli 2026) zum Satz verstieg, durch die Exkommunikation seien alle Mitglieder der Pius-Bruderschaft Schismatiker geworden und als solche könnten sie «keine von der Kirche anerkannten Sakramente mehr spenden». Dies ist, worauf im Folgenden näher einzugehen ist, hinsichtlich der wichtigsten Sakramente – der Taufe und der Eucharistie – völlig falsch. Eine seriöse Auseinandersetzung mit den Bischofsweihen der Pius-Bruderschaft wie auch mit der darauf folgenden Exkommunikation durch das «Dikasterium für die Glaubenslehre» bedingt zwingend solide theologische Kenntnisse der Theologie und insbesondere des Kirchenrechts. Darüber verfügen offensichtlich weder Simon Hehli noch Prof. em. Volker Reinhardt.

Zur Klärung dieser wichtigen ekklesiologischen Thematik ist ein Blick in die Kirchengeschichte unerlässlich. Mit der Ausbreitung des Christentums, spätestens seit seiner Erhebung zur Staatsreligion durch Kaiser Theodosius im Jahre 380, wurden unvermeidbar auch Kompetenzfragen, ja Kompetenzstreitigkeiten akut, und zwar ganz konkret: Kann ein Bischof, kann ein Priester die Sakramente spenden und predigen, wo immer er will? Und wenn nicht, was sind die Konsequenzen?

Im Verlauf der Jahrhunderte haben die Theologie und insbesondere das Kirchenrecht eine Unterscheidung erarbeitet, die sich bis heute als ausgesprochen tragfähig und sachdienlich erwiesen hat: Die Unterscheidung (nicht Trennung) der potestas ordinis (Weihevollmacht) und der potestas iurisdictionis (Jurisdiktionsvollmacht). Parallel dazu entwickelte sich die Unterscheidung der beiden Kategorien «erlaubt» und «unerlaubt». Im Zweiten Vatikanischen Konzil ist die Unterscheidung der beiden Vollmachten durch die Lehre von den drei Ämtern (priesterliches Amt [Heiligung]; königliches Amt [Leitung] und prophetisches Amt [Verkündigung]) überlagert worden. Dies hat hinsichtlich der hier zu Debatte stehenden Thematik mehr zur Verwirrung als zur weiteren Klärung beigetragen.

Gemäss klassischer Lehre (die nota bene auch im Exkommunikationsdekret strikt eingehalten wurde) sind die Taufe und die Feier der Eucharistie immer und überall gültig. Vollzieht ein Schismatiker diese beiden Sakramente, handelt er zwar unerlaubt, aber gültig. Anders verhält es sich bei der Beichte und dem Ehesakrament. Diese beiden Sakramente werden ihrer Natur gemäss primär der Sphäre der Jurisdiktionsvollmacht zugeordnet, was zur Folge hat, dass die Missachtung ihrer rechtlichen Voraussetzungen eo ipso auch die Nichtigkeit (und nicht nur die Unerlaubtheit) der liturgischen Handlungen als solcher bewirkt.

Wie bereits vorstehend angesprochen erklärt das «Dikasterium für die Glaubenslehre» in seiner Entscheidung vom 2. Juli 2026, dass die Weiheträger der Priesterbruderschaft St. Pius X. die Sakramente generell unrechtmässig spenden und die von ihnen gespendete Beichte und assistierte Eheschliessung ungültig sind (vgl. Nota Esplicativa Nr. 3 zum Exkommunikations-Dekret). Bleibt zu betonen: Nur die Beichte und nur die Ehe-Assistenz. Ob es lehrmässig geboten und pastoral klug war, auch Laien, die sich formell der Pius-Bruderschaft anschliessen, mit der Strafe der Exkommunikation zu belegen, steht auf einem anderen Blatt (vgl. Nr. 2 zum Exkommunikations-Dekret).

 

Exkommunikationsdekret

Erläuternde Note zur Exkommunikation


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

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    Redaktion 10.07.2026 um 19:33
    Wir danken allen Kommentatoren und schliessen hiermit die Diskussion. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
  • user
    Patrick Reto Bieri 09.07.2026 um 11:08
    Na ja, die Schweiz ist nun mal ein stark ideologisiertes Land. Ich meine damit im speziellen die Femi-Nazi Sekte "hagia", die LGBTQ, Helmut Kentler Pädophile, LOLA Prinzip Anhänger, Sadomasochisten, Reichsbürger und Neo-Nazis. Diese Gruppen haben sich überall eingenistet, nicht nur bei den Staatsorganen. Hier läuft praktisch alles korrupt. Auch in der römisch katholischen Kirche hat es viele solche Leute und auch die Pius-Bruderschaft wird nicht verschont geblieben sein. Gott wird es richten, im wahrsten Sinne des Wortes :-)
    • user
      Meier Pirmin 09.07.2026 um 16:33
      Wo haben sich diese Leute, abgesehen von der in Deutschland und zum Teil in Städten durch Beauftragte anerkannten Werbung für LGBTQ , "in Staatsorganen eingenistet"? Mit dieser Art Polemik tragen Sie dazu bei, auch berechtigte Kritik zu disqualifizieren. Formulierungen wie "wird nicht verschont geblieben sein" sind schon rein von der Formulierung her bösartige Ausstreuungen. Wenn Sie schon "die römisch-katholische Kirche" als Ganze ausdrücklich nennen, so wird es rein statistisch von jeder Sorte sogar auch Krimineller welche geben, siehe die Statistik der Nazi-Verbrecher. . Der Argumentationswert Ihrer Ausführungen nähert sich dem Grenzwert Null.
  • user
    Josef 08.07.2026 um 23:48
    Niklaus Herzog. Danke für die Korrekturen zugunsten der FSSPX. Und dennoch: wie widerlegen Sie die Notstandsargumente? Can. 1323, 4°: Echter Notstand → keine Exkommunikation.
    Can. 1323, 7°: Schuldlos angenommener Notstand → keine Exkommunikation.
    Can. 1324 §1 + §3: Selbst schuldhaft irrtümlich angenommener Notstand → keine automatische Tatstrafe.
    Also de facto selbst wenn trotz Glaubens- und Kirchenkrise kein Notstand wäre, ist keine Exkommunikation da. Ebenso gerne noch die Argumente von dem Nicht-Traditionalisten, Gerald Murray, Kirchenrechtler aus New York, widerlegen, der die "Exkommunikation" der Priesterbruderschaft St. Pius X. als „kanonisches Durcheinander“ bezeichnet. Die lehrmässige Note ist nichtig.
    • user
      Stefan Fleischer 10.07.2026 um 08:39
      Das höre ich heute zum ersten Mal. Könnte es sein, dass manunerscheiden muss zwischen dem Notstand, wo ein Konktakt zum Papst nicht möglich ist (wie in unserem Fall) und irgend einem anderen Notstand? Einen Notstand geltend zu machen aber, wenn der Papst diesen nicht anerkennt oder nicht anerkennen würde, wäre für jemanden, der dem Papst den Gehorsm, gelobt hat, unlogisch.
      • user
        Meier Pirmini 10.07.2026 um 17:38
        Was heisst da Notstand? Dem zur Seligsprechung vorgeschlagenen u.a. Retter des Auffahrtsumrittes von Beromünster, Niklaus Wolf von Rippertschwand, wurde mit bischöflicher Vollmacht von dem damaligen Bischofs-Stellvertreter von Konstanz, dem Propst von Beromünster, für 2 Jahre das Heilen verboten, an welches Verbot der heiligmässige Mann sich in der Praxis des Gehorsams hielt. Wiewohl es naütrlich Patienten gab, die sich von ihm gerne hätten gesundbeten lassen oder die Hand auflegen. Von daher gesehen hätte er auch im Namen des Notstandes den befohlenen Gehorsam verweigern können. Ähnliches gilt für Geschiedene in neuer Gefährtenschaft bei der Kommunion. Es hindert sie niemand, im Geist des Bruder Klaus die geistige Kommunion zu praktizieren, was mutmasslich, wenn die Gnade mitspielt,mit vielleicht bedeutenderer Intensität und Bewusstheit geschieht als wenn man rein gewohnheitsmässig sich von einer nicht mal geweihten Person, die einem nachstellt, eine Hostie in die Hand drücken lässt. Falls an der Behinderung der Feier der Alten Messe überhaupt etwas dran ist, und man auch nicht geneigt ist, deswegem zu den Petrus-Brüdern zu reisen, bewirkt der Hunger nach einer integralen Messe wohl langfristig deren quasi Auferstehung. Eine Voraussetzung dafür wäre freilich ein geistliches Hungergefühl.
        PS. Das mit dem "Nachstellen" betr. Kommunion erlebte ich zum ersten mal beim Beobachten einer im übrigen ehrfurchtsvoll abgehaltenen Messe bei der St. Michaels-Vereinigung Dozwil (1989), bei der auch der damalige Präsident der CVP des Kantons LU kommunizierte. Habe ohne Nennung von Namen darüber publiziert.
    • user
      Stefan Fleischer 10.07.2026 um 17:32
      NACHTRAG
      Die von Ihnen zitierten Artikel sind – nach meinem Rechtsempfinden – in unserem Fall nicht anwendbar. Sie sind Anweisungen für die Richter in irgendwelchen kirchlichen Strafverfahren. In unserem Fall (unerlaubte Bischofsweihen) hat es gar kein Strafverfahren gegeben. Die Strafe ist vom Gesetz verbindlich und ohne Rekursmöglichkeit vorgeschrieben und tritt sofort beim Vollzug der verbotenen Handlung ohne Gerichtsverfahren in Kraft. Selbst wenn niemand von der Tat wüsste, oder sogar wenn der Papst z.B. in einem Interview erklären würde, dass er anders entschieden hätte, die fehlbaren Personen blieben exkommuniziert. Er hätte zwar die Möglichkeit, Kraft seines Amtes, diese aufzuheben. Aber dazu bräuchte es einen offiziellen (und schriftlichen?) Akt. Solange kein solcher vorliegt, bleibt die Srafe in Kraft.
      Dies ist mein Wissensstand, dem bisher nie widersprochen wurde.
  • user
    Niklas Hafner 08.07.2026 um 17:51
    Es ist beschämend auf wie tief das Niveau in der Öffentlichkeit mittlerweile gesunken ist. Bischof Bonnemain ist auch in dieser Hinsicht sicher kein Vorbild.
    • user
      Hansjörg 10.07.2026 um 10:44
      Einige Kommentatoren sind in der Lage zu jedem Thema noch ein Bischof Bonnemain bashing beizusteuern.
    • user
      Stefan Schneider 10.07.2026 um 14:47
      Das ist sicher richtig und ich stimme dem vollauf zu. Das Niveau der Fratelli-Tuti-Frutti Kirche ist so tief gesunken dass niemand mehr weiss was überhaupt die Taufe ist. Da muss man Journalisten von der NZZ keine Vorwürfe machen, wenn selbst die Bischöfe keine Mühe tun, die Grundlagen auf Erwachsenenniveau darzulegen.
  • user
    MT 08.07.2026 um 13:19
    Der Artikel zeigt zu Recht, dass man der Piusbruderschaft nicht einfach Häresie vorwerfen kann. Selbst Rom spricht im Exkommunikationsdekret von Schisma, nicht von Häresie.
    Die eigentliche Frage lautet aber: Wo findet man heute tatsächlich lehrmässige Irrtümer? Wohl eher innerhalb der Amtskirche als bei der Piusbruderschaft.
    Wenn in Nostra aetate steht, der Hinduismus versuche, «das göttliche Geheimnis auszudrücken», obwohl seine Anhänger andere Götter verehren, stellt sich die Frage, ob damit das Erste Gebot nicht relativiert wird. Oder wenn Papst Franziskus im Dokument von Abu Dhabi erklärt, die Vielfalt der Religionen sei von Gott gewollt, fragen sich viele Katholiken, wie das mit der Aussage Jesu vereinbar ist: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.»
    Für solche Aussagen gibt es keine Sanktionen. Wer aber ohne päpstliche Erlaubnis Bischöfe weiht, wird exkommuniziert und als Schismatiker bezeichnet.
    Das wirkt auf viele Gläubige widersprüchlich. Offenbar werden Verstösse gegen die kirchliche Ordnung strenger geahndet als mögliche Abweichungen von der Glaubenslehre. Sollte nicht gerade Letztere das grössere Gewicht haben?
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      Daniel Ric 08.07.2026 um 14:08
      Ihre Argumentation zugunsten der Piusbrüder ähnelt jener Luthers, Zwinglis und anderer Reformatoren. Alle Schismatiker in der Geschichte behaupteten, dass die Amtskirche vom wahren Christentum abgefallen sei und nur sie die reine Lehre vertreten. Viele hatten sicherlich auch teilweise recht mit ihrer Kritik, wobei sie es verpasst haben, Gemeinschaften aufzubauen, in denen das Licht Christi besser zum Tragen kommt als in der katholischen Kirche. Man muss als Katholik die Spannung aushalten, den Idealen des Christentums als Mensch und als ganze Kirche nicht immer gerecht werden zu können, vielleicht sogar nur sehr selten. Die Verwendung einer sakralen Sprache (Latein), pompösen Liturgie und einer strikten Abgrenzung zu anderen Religionen kann kurzfristig zur Identitätsbildung förderlich sein, löst aber nicht die langfristige Frage, wie man als Katholik in der modernen Welt seinen Glauben leben soll. Was bedeutet es beispielsweise, das Erste Gebot ernst zu nehmen? Wir haben nun schon alle hundertmal gehört, dass die Dokumente des Zweiten Vatikanums, Papst Johannes Paul II. mit seinem Kuss des Korans und Papst Franziskus sowieso gegen das Erste Gebot verstossen haben. Aber wie sieht ein Leben genau aus, welches das Erste Gebot ernst nimmt? Leben alle Piusbrüder in Armut und ist alles, was sie tun, zur Ehre Gottes?
      • user
        Peter 08.07.2026 um 15:06
        Meine Kommentare werden hier oft nicht gebracht, trotzdem eine klare Antwort auf ein Detail Ihres Kommentars: Ja, alle Piusbrüder leben in Armut. Obwohl Priester, bekommen sie nur 200 Fr. monatlich plus Benzingeld…und was verdienen Novus Ordo Priester?
        • user
          Daniel Ric 08.07.2026 um 16:58
          Es gibt den Begriff Novus Ordo Priester nicht, aber Priester in der Schweiz verdienen in den Gegenden, in denen es die Kirchensteuer gibt, sicherlich viel mehr als andere Priester weltweit. In Neuenburg und im Tessin verdienen Priester übrigens auch relativ wenig. 200 Franken + Benzingeld ist tatsächlich sehr wenig. Nur schon die Krankenkasse mit 200 Franken zu bezahlen, grenzt an ein Wunder! Und dann noch so eine feierliche Zeremonie wie letzten Mittwoch in Econe zu organisieren, Seminarzentren zu unterhalten, Kirchen zu kaufen... - alles mit so wenig Geld?!
          • user
            Josef 09.07.2026 um 11:01
            Ja, Kost und Logis ist dabei. Bei der FSSPX geht es den Priestern sicher nicht ums Einkommen, sondern um die wahre Nachfolge Christi - „Wer mein Jünger sein will, verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“
            (Lukas 9,23). Finanziert werden die Werke der Bruderschaft (Neubau Kirchen, Schulen, Exerzitienhäuser, usw) alles mit Spendengeldern, kein Rappen von der Kirchensteuer.
      • user
        Meier Pirmini 08.07.2026 um 21:41
        Was Sie hier ausführen über die liturgische Sprache, ändert nchts daran, dass Weltreligionen wie das Judentum, der Islam und notabene das orthdoxe Christentum mit dem Altkirchenslawisch offenbar dieses Problem mit ihren je heiligen Sprachen nicht kennen wollen, zu schweigen davon, dass unsere Jugend mit dem höchsten Anteil an Maturanden seit Bestehen dieser Schulstufe auch die deutsche Messe in ihren zentralen Teilen grossmehrheitlifh nicht versteht, beim Gottesdienst vielfach dessen Ende abwarten und allenfalls bei einem anschliessenden Apéro mehr Gemeinschaft zu empfinden scheinen als beim sog. "Kommunizieren", das diesen Namen nur noch bedingt verdient. Was ansonsten die NZZ betrifft, so ist mir gegenwärtig keiner ihrer Mitarbeiter durch Spitzenwissen auf dem Gebiet der kath. Theologie bekannt, so wie ihre Redaktoren normalerweise auf ihren Fachgebeiten sonst für journalistische Verhältnisse überdurchschnittlich sind. Von einem Katholizismus-Kenner kann im Ernst noch am ehesten bei einem Mitarbeiter der NZZ am Sonntag die Rede sein, wiewohl sicher nicht gerade auf der Linie des Portals hier.
      • user
        Josef 08.07.2026 um 23:32
        @Daniel Ric. Der Vergleich mit Luther passt nicht. Luther gründete letztlich eine neue Kirche, stellte NEUE Thesen auf und verwarf Teile der katholischen Lehre. Die FSSPX hingegen versteht sich als katholisch und hält an der überlieferten Lehre fest. 90% des 2. Vatikanums sind auch aus sicht der FSSPX unproblematisch. Es geht um die heikle Dokumente wie z. B. bei Nostra Aetate und auch was daraus gemacht wird (Allerlösungstheorie, alle Religionen führen in den Himmel, usw.). Das ist eine neue Lehre die der bisherigen Lehre der Kirche - ja den Worten Jesu - widerspricht. Oder Lumen Gentium und als Folge dem Synodalen Weg. Mit einem "Schweigevertrag" dazu, wäre sicherlich eine Einigung der FSSPX mit Rom zu Stande gekommen, doch wer würde dann gegen diese Zweideutigkeiten und Irrtümer in der Kirche ankämpfen? Es geht um die unverfälschte Lehre Jesu, nicht mehr und nicht weniger. Am Ende muss jeder selber entscheiden, auf welcher Seite er stehen möchte und welche Argumente überwiegen. Ich stehe hinter den Worten Jesu und 1960 Jahre Kirchengeschichte und nicht hinter "Nostra aetate", nicht hinter "Lumen Gentium" und nicht hinter dem Synodalen weg, ich gehe zur FSSPX.

        Wenn Sie nicht wissen, wie die FSSPX-Priester leben und wirken, denn schauen Sie sich doch bitte die Filmserie "Traditio" an auf YouTube. Dort sehen sie, wie die Priester wie unten erwähnt für Gottes Lohn in die letzten Winkel der Erde gehen. Wahre Nachfolge Christi.
        • user
          Daniel Ric 09.07.2026 um 08:32
          Sie folgen einem Narrativ von 1960 Jahren Kirchengeschichte, das Anhängern der Piusbruderschaft und anderen Gegnern des Konzils verkauft wird. In der Kirchengeschichte gab es immer wieder Veränderungen, was die Position der Kirche zu einzelnen Themen anbelangt. Nehmen Sie nur die Frage des Kriegsdienstes oder der Zinsen. Um das völlig unverfälschte Wort Jesu umsetzen zu wollen, müssten Sie doch den Ansatz Sola scriptura wählen, da nur dort sichergestellt ist, dass keine Einflüsse von aussen den Willen Jesu verfälschten. Die Kirche lehnt dies aber ab, da wir mit Vernunft ausgestattet sind und diese Vernunft - gepaart mit dem Wirken des Heiligen Geistes - uns immer tiefer den Willen Gottes erkennen lässt. Dass es dabei auch zu Rückschritten kommen kann, lässt sich geschichtlich nachweisen, aber dies entbindet uns nicht davon, weiterhin nach dem Willen Gottes zu suchen. Mir ist klar, dass Gruppen wie die Piusbrüder oder die Freikirchen, die ihren Gläubigen diese Suche ersparen, da man einen pannenfertigen Glauben präsentiert, sich einer gewissen Beliebtheit erfreuen. Aber dies macht sie nicht wahrer oder authentischer als die Amtskirche. Und was die Nachfolge Christi betrifft: Es gibt sehr viele katholische Priester, die in dieser Nachfolge stehen, ohne diese über Youtube vermarkten zu müssen.
          • user
            Josef 09.07.2026 um 10:21
            Ich glaube, Sie verwechseln Entwicklung mit Widerspruch. Die FSSPX bestreitet nicht, dass es in der Kirchengeschichte Entwicklungen gab. Die Frage ist vielmehr, ob neue Aussagen im Einklang mit der bisherigen Lehre stehen oder ihr widersprechen. Haben Sie Nostra Aetate gelesen? Alle scheuen sich Stellung dazu zu nehmen, stattdessen wird auf der FSSPX rumgehackt und mit Schismatikern und Häretikern wie Luther verglichen. Unglaublich! Stehen Sie voll und ganz hinter Nostra aetate, Herr Ric? Falls ja, können Sie nachvollziehen, dass dies irritierend sein kann im Vergleich zum 1. Gebot?

            Und nein, es geht nicht um einen „pannenfertigen Glauben“. Viele Gläubige der FSSPX sind gerade deshalb dort, weil sie sich intensiv mit Konzilstexten, Kirchengeschichte und früheren Lehrentscheidungen beschäftigt haben. Die eigentliche Frage bleibt: Handelt es sich um eine Vertiefung, Entwicklung des Glaubens oder um einen Bruch mit der Tradition? Genau darüber wird diskutiert.

            Haben Sie die Serie "Traditio" angeschaut, die ehrenamtlich von 2 Studenten während 2er Jahre gemacht wurde? Schauen Sie es sich an - ganz neutral und entspannt - und dann schreiben wir gerne weiter. Dann verstehen Sie, was ich meine.
            • user
              Daniel Ric 09.07.2026 um 12:36
              Ja, ich habe Nostra Aetate gelesen und teile den Inhalt und sehe darin keinen Widerspruch zur katholischen Lehre. Wenn Gott jeden einzelnen Menschen erschaffen hat, wird ER auch versuchen, jeden Menschen zum Heil zu führen. In anderen Religionen gibt es Wahrheiten, auch wenn sie nicht die Fülle der Wahrheit besitzen, wie dies im katholischen Glauben verkörpert wird. Übrigens wäre bei dieser Engstirnigkeit, welche die Gegner des Konzils an den Tag legen, ein Thomas von Aquin nie zum Kirchenlehrer avanciert, da er den bösen Heiden Aristoteles und seine nicht-christliche Philosophie rezipiert hat. Auch die Renaissance mit ihrer Liebe zur heidnischen Antike wäre uns verwehrt geblieben, wäre die Kulturpolitik Italiens im 16. Jahrhundert von Piusbrüdern dominiert worden. Ich habe nun ein wenig in die von Ihnen vorgeschlagene Serienreihe reingeschaut. Es sind teilweise sehr schöne und katholische Inhalte, die hier wiedergegeben werden. Ich teile hier ebenfalls die Grundaussage von Nostra Aetate, wenn ich das Wirken der Piusbrüder beurteile. Sicherlich ist in vielem, was von einzelnen Anhängern getan und gesagt wird, viel Wahres und Gutes. Daher würde ich auch nie behaupten, dass der einzelne Gläubige nicht imstande ist, sein Seelenheil bei den Piusbrüdern zu erlangen. Die Wege Gottes sind unergründlich und "es gibt so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt (Papst Benedikt)".
              • user
                Josef 09.07.2026 um 16:08
                Herr Ric, dass sich in anderen Religionen einzelne Wahrheiten finden, bestreitet die FSSPX nicht. Das hat die Kirche schon immer anerkannt. Die eigentliche Frage ist aber, ob daraus nicht leicht der Eindruck entsteht, verschiedene Religionen seien gleichwertige Wege zu Gott.
                In Nostra Aetate steht, dass die Muslime „den alleinigen Gott anbeten“. Die Muslims leugnen aber, dass Jesus Gott ist und sie leugnen die Dreifaltigkeit. Bitte erklären Sie mir das, ich bin dafür zu dumm oder zu "engstirnig", wie das gehen soll.
                Schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben, ein bisschen in Tradition reinzuschauen.
                • user
                  Daniel Ric 10.07.2026 um 09:49
                  Judentum und Islam gehören zu den abrahamitischen Religionen. Gott hat sich Abraham offenbart, daher beten die Moslems sicherlich den gleichen Gott an, da es ja nur einen Gott gibt. Eine andere Frage ist, ob die Art und Weise, wie sie ihn anbeten, die richtige ist. Hier bin ich als Katholik überzeugt, dass die christliche Vorstellung von Gott wahr ist und diejenige der Juden und Moslems unvollkommen. Gleichzeitig muss ich mir auch eingestehen, dass ich als Katholik auch immer wieder der Versuchung erlege, Gott für meine Wünsche und meine Weltanschauung zu instrumentalisieren und IHN nicht richtig zu ehren. Wahrheit kann man nicht besitzen, sondern muss diese jeden Tag für sich erkämpfen. Daher vermisse ich bei all denjenigen Katholiken, die anderen Religionen vorwerfen, nicht in der Wahrheit zu sein, die nötige Demut, die man als Katholik braucht.
                  • user
                    Josef 10.07.2026 um 12:02
                    Herr Ric, natürlich gibt es nur einen Gott. Die eigentliche Frage ist aber, ob man Gott wirklich erkennen und anbeten kann, während man gleichzeitig zentrale Wahrheiten über ihn leugnet.
                    Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater ausser durch mich.“ (Joh 14,6)
                    und der Apostel Johannes schreibt: „Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater.“ (1 Joh 2,23). Wenn Christus wahrer Gott ist und die Dreifaltigkeit zum Wesen Gottes gehört, wie kann dann die ausdrückliche Leugnung dieser Wahrheiten einfach als ein anderer, aber dennoch gleichwertiger Zugang zu Gott verstanden werden?
                    Zudem scheint mir die Konsequenz Ihrer Sicht problematisch: Wenn andere Religionen bereits auf ausreichende Weise zu Gott führen, weshalb hat Christus dann den Missionsbefehl gegeben? „Geht hin und lehrt alle Völker und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ (Mt 28,19). Die Kirche hat jahrhundertelang missioniert, nicht aus Mangel an Demut, sondern weil sie überzeugt war, dass Christus der einzige Weg zum Vater ist. Demut bedeutet nicht, über die Wahrheit zu schweigen, sondern das anzunehmen, was Gott über sich selbst geoffenbart hat. Gemäss dieser Logik von Ihnen und von diesem Dokument Nostra Aetate führt das am Ende dazu, dass wir eigentlich mit jeglichem Apostolat für das Christentum aufhören. Das ist auch das, was auf der Weltkirche passiert. Es widerspricht aber der Lehre Gottes, so leid es mir tut, in voller Demut.
                • user
                  Antonius 10.07.2026 um 18:24
                  Eine Antwort findet sich auf der unten angegebenen Seite, in der auf den hl. Papst Gregor VII. (1025/30-1085) hingewiesen wird. Er schrieb dem Fürsten von Mauretanien: "Daher schulden wir [Christen] und ihr [Muslime] diese Liebe uns gegenseitig mehr als den übrigen Völkern, da wir an einen Gott, wenn auch auf verschiedene Weise, glauben und ihn bekennen, und wir ihn als Schöpfer der Zeiten (Jahrhunderte) und Lenker dieser Welt täglich loben und verehren.“ (PL 148, 0450D)
                  https://kath-info.de/monotheismus.html
        • user
          Meier Pirmin 10.07.2026 um 10:23
          Natürlich hinkt der Vergleich mit Luther, den man aber katholischerseits nicht unterschätzen sollte. Die herkömmlichen Darstellungen der Abendmahlslehre, wie wir sie auch im noch gehobenen Religionsunterricht etwa guter Klosterschulen mitbekamen, sind stark vereinfacht. Man sollte mal die beiden Bände, gegen 2000 Seiten, von Prof. Kühler über die Abendmahllehre Luthers und Zwinglis nachlesen, wobei selbst auch Zwingli eine hochspirituelle Auffassung hatte, der heute bei den Reformierten so wenig mehr nachgelebt wie die Katholischen zu 97% das Dogma der Transsubstantiation nicht mehr verstehen, bis hin zu "Kommunion-Austeilenden". Spätestens seit ich in Leipzig ein Gemälde gesehen habe, wie dort im lutherischen Gottesdienst die Mundkommunion praktiziert wurde, ist mir klar, dass mir diese Auffassung heute immer noch näher steht als eine Praxis, wo mir ein Katechet sogar hinterher läuft, wenn ich mich bei einer sog. "Kommunionfeier" diskret zurückziehe. Obwohl kein Anhänger von Ecône, was ich hier deutlich ausgedrückt habe, begreife ich Gläubige, die sich in Sachen katholische Gottesdienste längst enteignet fühlen.
  • user
    Martin Meier-Schnüriger 08.07.2026 um 12:57
    Besten Dank für die klärenden Worte! Es ist immer wieder ärgerlich, wie sich Journalisten zu kirchlichen Themen äussern, ohne davon mehr als nur oberflächliche Kenntnisse zu haben. Und die meist ebenso unkundige Leserschaft glaubt natürlich alles, gemäss dem Sprichwort "Quod est in actis, hoc est in mundo", frei übersetzt: Wenn's in der Zeitung steht, muss es ja wahr sein.
    • user
      Andrea 08.07.2026 um 19:18
      Es gibt auch unkundige Leute, die alles unkritisch gutheissen, was aus Rom kommt im Sinne "Roma locuta, causa finita".