Manchmal fragen auch sie mich: «Ist heute alles normal?» Dann kommt jeweils meine Standardantwort: «Wir feiern in der Kirche immer normal, ich habe noch nie etwas Abnormales gefeiert!»
Manchmal überraschen mich die Kinder mit ihren Antworten. Einmal hatte ich Zwillinge im Ministrantendienst, zwei Mädchen, die einander zum Verwechseln ähnlich waren. Sie hatten bei mir noch die 3. Klasse im Religionsunterricht besucht. Im folgenden Schuljahr wechselten sie in eine Kleinklasse in ein anderes Dorf. Daher fragte ich sie: «Wie geht es euch mit euren neuen Mitschülern?» «Wir haben keine Mitschüler!», antworteten die beiden. Ich entgegnete überrascht: «Das gibt es doch nicht, Ihr beide seid allein eine Klasse?» «Nein», erklärten sie, «die anderen sind alle Buben!» Diese zählten also nicht, wenigstens vorläufig, denn inzwischen befinden sich die besagten Zwillinge im heiratsfähigen Alter.
Die verblüffendste Antwort auf eine meiner Fragen, habe ich vor etwa zwei Jahren in der Weihnachtszeit bekommen. Wir feierten das Fest der Heiligen Familie. Die Pfarrkirche war wie immer reichhaltig geschmückt, etwas abgedunkelt, sodass die beleuchtete Krippe besser zur Geltung kam. Wir hatten eine idyllische Weihnachtsstimmung, könnte man sagen. Die beiden Ministranten, ein Junge und ein Mädchen, standen bereit zum Einzug. «Habt ihr auch die Krippe angeschaut?», fragte ich die beiden. Sie nickten. Ich hatte gerade noch genug Zeit, um eine weitere Frage zu platzieren. Ich fragte sie also aus einer Laune heraus: «Ist das Christkind weiblich oder männlich?» Der Junge, der schon etwas älter war, antwortete sofort: «Männlich!», was ich zufrieden zur Kenntnis nahm. Das Mädchen hingegen sagte: «Weiblich!» − «Das gibt’s doch nicht!!!», schoss es mir durch den Kopf. «Wir sind doch hier auf dem Land! Hat die Genderideologie nun auch noch unsere Region heimgesucht?» Ich versuchte, meine Verblüffung zu verbergen, und fragte vorsichtig nach: «Was, das Christkind ist weiblich?» «Ja», sagte das Mädchen ganz bestimmt. «Ach du meine Güte», seufzte ich in Gedanken und schob nach: «Bist du ganz sicher – das Christkind ist weiblich?» «Ja, es ist weiblich!», bestätigte das Mädchen, und zwar so nachdrücklich, dass sie mich davon abhielt, gleich zu widersprechen. Dann – wohl aufgrund meines fragenden Gesichtsausdruckes – schob es die folgende Erklärung nach: «Mein Mami ist das Christkind!» – Ach so, das Mädchen hatte nicht das Christkind in der Krippe gemeint, sondern das Christkind, das zu Hause im Verborgenen für die Geschenke sorgt! Und schon war die Welt wieder in Ordnung. Wir zogen ein, feierten das Fest der Heiligen Familie mit dem Christkind in ihrer Mitte, und wohl etliche Male konnte ich mir ein Schmunzeln angesichts des vorausgehenden Dialoges nicht verkneifen. Frohe Weihnachten!
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