Kardinäle bei der Messe zur Amtseinführung von Papst Leo XIV. In der Mitte Kurt Kardinal Koch. (Bild © Mazur/cbcew.org.uk / Flickr CC BY-NC-ND 2.0)

Weltkirche

Wei­chen für den zukünf­ti­gen Kurs von Papst Leo gestellt

Acht Monate nach sei­ner Wahl trifft sich Leo XIV. wie­der mit den Kar­di­nä­len der Welt­kir­che. Dabei geht es um nicht weni­ger als den künf­ti­gen Kurs der Katho­li­schen Kirche.

Das erste grosse Treffen von Papst Leo XIV. und seinem wichtigsten Beratergremium begann gestern Mittwochnachmittag. Zu dem nur selten einberufenen «ausserordentlichen Konsistorium» sind alle 245 Kardinäle der Weltkirche eingeladen, unter ihnen die beiden Schweizer Kurt Kardinal Koch und Emil Paul Kardinal Tscherrig. Der Einladung gefolgt sind nach offiziellen Angaben 170 Kardinäle: Viele ältere Kardinäle sind nicht reisefähig, weitere fehlten aus anderen Gründen.

Zu einem ausserordentlichen Konsistorium beruft der Papst alle Kardinäle weltweit nach Rom, um besondere Herausforderungen für die Katholische Kirche zu besprechen. Der frühere Papst Franziskus berief nur einmal eine solche Versammlung ein, und zwar im Februar 2014, also ähnlich wie bei Leo XIV. ein knappes Jahr nach Amtsantritt.
Damals ging es um Ehe und Familie. Ein ähnliches Treffen, das aber offiziell nicht als ausserordentliches Konsistorium einberufen wurde, diente im August 2022 der Vorstellung der neuen Kurienverfassung.

Beratungen zur Mission der Kirche und Synodalität
Bis Donnerstagabend werden hinter verschlossenen Türen zwei der vier von Leo vorgeschlagenen Themen beraten, über die er zu Beginn der Sitzung abstimmen liess. Mit grosser Mehrheit hätten die Kardinäle sich für «die Mission der Kirche in der Welt von heute» und «Synode und Synodalität, Instrument und Stil der Zusammenarbeit» entschieden, teilte Vatikansprecher Matteo Bruni am Mittwochabend vor Journalisten mit.

Die beiden anderen von Papst Leo vorgeschlagenen Themen sollen zu einem späteren Zeitpunkt behandelt werden. Dies ist einerseits «Dienst des Heiligen Stuhls», d. h. die Debatte über die Struktur der Leitungsinstanz der Katholischen Weltkirche, die sogenannte Kurie. Papst Franziskus hatte sie in den vergangenen Jahren im Zuge einer «Kurienreform» umgebaut. Und andererseits «Liturgie, Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens». Eine Befassung mit dem Thema Liturgie hatten vor allem konservative Kreise in der Katholischen Kirche gewünscht, die mehr Raum für die Feier der alten lateinischen Messe wünschen. Die Worte von Papst Leo anlässlich der Generalaudienz am Mittwochmorgen stimmen in dieser Hinsicht wenig zuversichtlich: Er bekannte sich ausdrücklich zur Liturgiereform. Das Konzil habe eine «wichtige liturgische Reform angestossen, die das Heilsgeheimnis und die aktive und bewusste Teilnahme des gesamten Gottesvolkes ins Zentrum rückte».

Am Donnerstag sollen die beiden gewählten Schwerpunkte mit Blick auf die nächsten ein oder zwei Jahre besprochen werden, so der Papst. Die Kernfrage dazu lautet: «Welche Schwerpunkte und Prioritäten könnten das Handeln des Heiligen Vaters und der Kurie in dieser Frage leiten?»

Mit ihrer Themen-Auswahl knüpften die Kardinäle an zwei zentrale Ideen des verstorbenen Papstes Franziskus (2013–2025) an, was nicht erstaunt, wurden doch 146 der 245 Kardinäle von ihm ernannt und bilden die Mehrheit im Kardinalskollegium. Franziskus hatte die Katholische Kirche zu Beginn seines Pontifikats 2013 mit der Grundsatzerklärung «Evangelii gaudium» auf eine offenere Seelsorge und eine dynamischere Verkündigung ihrer Botschaft eingeschworen. Diesen Text wollen die in Rom versammelten Kardinäle nun erneut ins Zentrum ihrer Überlegungen stellen.

In der Spätphase seines Pontifikats hatte Franziskus die Idee der «Synodalität» forciert. Mit diesem Prinzip wurden neben den Bischöfen auch anderen Mitgliedern der Kirche mehr Möglichkeiten der Mitsprache eingeräumt. Theologisch und kirchenrechtlich ist diese Neuerung nicht abgesichert, sodass unter den Kardinälen hierüber noch Diskussionsbedarf besteht.

Einheit im Dienst der Kirche
In seiner Ansprache bei der Eröffnung des ausserordentlichen Konsistoriums am Mittwochabend erklärte Papst Leo XIV. an die Kardinäle gewandt, er wolle mit ihnen «ein Gespräch führen, das mir in meinem Dienst für die Mission der gesamten Kirche hilft». Er rief die Kardinäle zu Einheit und Brüderlichkeit auf. «Die Welt, in der wir leben und die in all ihrer Widersprüchlichkeit zu lieben und ihr zu dienen wir berufen sind, verlangt von der Kirche eine Steigerung ihres Zusammenwirkens in allen Bereichen ihrer Sendung», zitierte er seinen Vorgänger Franziskus.

Diesen Gedanken nahm er in seiner Predigt vor dem Kardinalskollegium am Donnerstagmorgen im Petersdom wieder auf. Das «ausserordentliche Konsistorium» sei ein «Moment der Gnade», in dem die «Einheit im Dienst der Kirche zum Ausdruck kommt». Kardinäle und Papst seien versammelt, «um gemeinsam herauszufinden, was der Herr zum Wohl seines Volkes von uns verlangt». Eindrücklich mahnte Leo XIV. die Kardinäle, sie sollten nicht eine eigene Agenda oder die von einzelnen Gruppen voranzubringen versuchen. Sinn des Konsistoriums sei es vielmehr, «unsere Projekte und unsere Eingebungen der Prüfung einer Unterscheidung zu unterziehen, die […] nur vom Herrn kommen kann». Bei den Beratungen sollten die Kardinäle einander in die Augen schauen, einander zuhören und sich in ihrem Dialog «zur Stimme all jener machen, die der Herr unserer Hirtensorge in den unterschiedlichsten Teilen der Welt anvertraut hat».

Er rief sie auf zur Zusammenarbeit, bei der jeder Einzelne «in geordneter Weise zum Wohl aller beiträgt». Wesentlich sei dabei die «Einheit der Gnade und des Glaubens, die uns zusammenführt und brüderlich verbindet».

Gleichzeitig dankte der Papst den Kardinälen für ihren «Dienst für die Kirche auf allen Ebenen». Dieser Dienst sei «etwas Grosses und äusserst Persönliches und Tiefes, für jeden einzigartig und für alle wertvoll.» Weiter sagte er: «Die Verantwortung, die ihr mit dem Nachfolger Petri teilt, ist schwer und eine grosse Bürde.» Daher sei es wichtig, sich ganz Gott und seinen Weisungen anzuvertrauen.

Anders als bei vergangenen Treffen sind die Kardinäle nicht nach sprachlichen Kriterien in eine Arbeitsgruppe eingeteilt worden. Die Kardinäle aus der Weltkirche unter 80 sassen an neun Tischen. Sie sind zur Papstwahl berechtigt und leiten zumeist ein Bistum. Die über 80-jährigen Kardinäle, mehrheitlich im Ruhestand und ohne Papstwahlrecht, waren zusammen mit den Kurienkardinälen auf elf Tische aufgeteilt.

Gegen 19.00 Uhr soll das ausserordentliche Konsistorium mit einer Zusammenfassung durch Papst Leo XIV. und einem gemeinsamen Gebet enden.


KNA/Redaktion


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Bemerkungen :

  • user
    Stefan Fleischer 09.01.2026 um 09:36
    «die Mission der Kirche in der Welt von heute»
    Ich hoffe, die Kardinäle erinnern sich an 1.Kor 1,22-25: «Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen.»