(Bild: Grzegorz Sekulski/Unsplash)

Neuevangelisierung

Weihe des gan­zen Men­schen­ge­schlech­tes an das Herz Jesu

Heute fei­ert die Kir­che das Hoch­fest «Hei­ligs­tes Herz Jesu». Anhand der Enzy­klika «Hau­rie­tis aquas. Über die Ver­eh­rung des Hei­ligs­ten Her­zens Jesu» von Papst Pius XII. aus dem Jahr 1956 wol­len wir die­sem Geheim­nis nachgehen.

«Die göttliche Liebe hat ihren ersten Ursprung aus dem Heiligen Geist, der die persönliche Liebe des Vaters wie des Sohnes im Schosse der anbetungswürdigen Dreieinigkeit ist», so Papst Pius XII.

Das Geheimnis der göttlichen Erlösung ist in erster Linie ein Geheimnis der Liebe. «Da unser göttlicher Erlöser – als unser rechtmässiger und vollkommener Mittler – in seiner glühenden Liebe zu uns die Pflichten und Schulden des Menschengeschlechtes mit den göttlichen Rechten ganz in Ausgleich brachte, ist es ihm zu verdanken, dass jene wunderbare Übereinstimmung der göttlichen Gerechtigkeit und der göttlichen Barmherzigkeit stattfand, die das alles übersteigende Geheimnis unseres Heiles ausmacht.»

Damit wir aber die Erlösungstat Christi wirklich begreifen können – soweit dies Menschen möglich ist –, müssen wir beachten, dass seine Liebe nicht nur eine geistige war. Die Ausdrücke menschlicher und väterlicher Liebe, die man in den Psalmen, bei den Propheten und im Hohelied findet, sind «Bezeichnungen für eine sehr wahre, aber ganz geistige Liebe, die Gott zum Menschengeschlecht hegte». Wenn hingegen die Evangelien, die Apostelbriefe und die Offenbarung die Liebe des Herzens Jesu Christi beschreiben, wird damit «nicht eine nur göttliche Liebe, sondern auch menschliche Empfindungen der Liebe bezeichnet». Auch wenn die Evangelisten und die übrigen heiligen Schriftsteller das Herz des Erlösers nicht ausdrücklich beschreiben, so erwähnen sie doch seine göttliche Liebe und die damit verbundenen Gefühle wie Verlangen, Freude, Kummer, Furcht und Zorn usw.

Das Herz Jesu ist Sinnbild jener göttlichen Liebe, die Christus mit dem Vater und dem Heiligen Geist gemeinsam hat, «die sich uns jedoch allein in ihm offenbart, nämlich im fleischgewordenen Wort, durch einen sterblichen und gebrechlichen menschlichen Leib». Es ist weiter Sinnbild jener brennenden Liebe, die, in seine Seele eingegossen, «den menschlichen Willen Christi bereichert, und deren Handlungen von einer vollkommenen doppelten Erkenntnis, nämlich der seligen und der eingeflössten, erleuchtet und gelenkt werden.» Und schliesslich ist das Herz Jesu das Symbol seiner sinnlichen Liebe, da der Leib des göttlichen Erlösers, durch das Wirken des Heiligen Geistes im Schoss der Jungfrau Maria geformt, jeden anderen menschlichen Organismus an Vollkommenheit und damit an Wahrnehmungsfähigkeit übertrifft.

Die Heilige Schrift lehrt, dass in der Seele Jesu Christi die höchste Übereinstimmung und Eintracht herrscht und dass er seine dreifache Liebe auf das Ziel unserer Erlösung hingelenkt hat. «Damit ist gegeben, dass wir mit vollem Recht das Herz des göttlichen Erlösers als bezeichnendes Bild seiner Liebe und als Zeugen unserer Erlösung betrachten und verehren können.» All seine Worte und Taten – vor allem die Einsetzung der Eucharistie – sein Leiden und Sterben sind Zeichen dieser dreifachen Liebe zu uns. Bei seinem Tod stand sein Herz still: «Nachdem aber sein Leib, in den Zustand immerwährender Herrlichkeit eingetreten, wiederum mit der Seele des göttlichen Erlösers, des Siegers über den Tod, vereinigt war, hörte sein heiligstes Herz nie mehr auf, noch wird es jemals aufhören, sich in unerschütterlich friedlichem Schlag zu bewegen, und es wird gleichfalls nie ablassen, seine dreifache Liebe kundzugeben, durch die der Sohn Gottes verbunden ist mit seinem himmlischen Vater und mit der Gesamtheit der Menschen, deren mystisches Haupt er mit vollem Recht ist.»

Aus dem verwundeten Herzen des Erlösers flossen Blut und Wasser – für die Kirchenväter Sinnbild für Eucharistie und Taufe. So erklärte es auch der heilige Thomas von Aquin: «Aus der Seite Christi floss das Wasser zur Waschung, das Blut aber zur Erlösung. Und darum gehört das Blut zum Sakrament der Eucharistie, das Wasser aber zum Sakrament der Taufe; diese hat jedoch ihre reinwaschende Kraft aus der Kraft des Blutes Christi» (Sum. Theol. III, q. 66, a. 3m, in: ed. Leon., vol XII, 1906, p. 65.). Aus dem Herzen Jesu ist somit die Kirche geboren.

Als erste Gabe nach seiner Himmelfahrt schenkte uns Jesus Christus den Heiligen Geist. «Dieser Tröster-Geist nun, die personhafte gegenseitige Liebe des Vaters zum Sohn und des Sohnes zum Vater, wird von beiden gesandt und giesst in der Gestalt von Feuerzungen in ihre Herzen die Fülle göttlicher Liebe und der übrigen himmlischen Gnadengaben.» Diese göttliche Liebe schenkt uns die Liebe zu Jesus Christus, sie stärkt uns zum Zeugnis und zur Nächstenliebe.

Weihe an das Heiligste Herz Jesu
Die Kirche kennt verschiedene Formen der Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu, z. B. die Weihe an das Heiligste Herz Jesu. Es weihen sich aber auch Gruppen, Kongregationen oder Länder dem Heiligsten Herzen Jesu. Am 25. März 1874 wurde Ecuador auf Antrag von Präsident Gabriel García Moreno und Erzbischof José Ignacio Checa y Barba als erstes Land der Welt per Gesetzesdekret dem Heiligsten Herzen geweiht. Es folgten unter anderem Kolumbien (1902), Deutschland und Österreich-Ungarns (1915), Spanien (1919) und Polen (1921). Gestern, am 11. Juni 2026, weihten die US-Bischöfe im Rahmen der Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung die Vereinigten Staaten von Amerika dem Heiligsten Herzen Jesu.
 

Die Gottesmutter Maria war ihrem Sohn in inniger Liebe verbunden und hat ihr Leben, ihr Herz, ganz in seinen Dienst gestellt. In einer Präfation für die Marienmesse wird dies schön dargestellt: «Du [Gott, allmächtiger Vater] hast der seligen Jungfrau Maria ein kluges und verständiges Herz geschenkt, bereit, auf dich zu hören und deinen Weisungen in allem zu folgen; ein neues und mildes Herz, in das du selbst das Gesetz des Neuen Bundes geschrieben hast; ein schlichtes und reines Herz, mit dem sie als Jungfrau deinen Sohn empfing und mit dem sie dich schauen darf in ewiger Freude; ein waches und starkes Herz, das das Schwert des Leidens furchtlos ertrug und die Auferstehung des Sohnes gläubig erwartete.»
Papst Pius XII. hat 1944 das Fest des Unbefleckten Herzens Mariä eingeführt. Im neuen Kalender fand es passend seinen Platz als Gedenktag am Samstag nach dem Herz-Jesu-Fest.
 

Das Fest zu Ehren des Herzen Jesu führte Papst Pius IX. 1856 für die gesamte Kirche ein; zuvor war es auf einige Länder und Gebiete beschränkt. Papst Leo XIII. erhob es 1899 in den höchsten Festrang und vollzog feierlich die Weihe des gesamten Menschengeschlechts an das Herz Jesu. Das Hochfest Heiligstes Herz Jesu (lat. Sollemnitas sacratissimi Cordis Iesu) wird jeweils am dritten Freitag nach Pfingsten gefeiert.

 

Papst Pius XII. behandelt in seiner Enzyklika noch weitere Aspekte der Herz Jesu-Verehrung wie z. B. ihre Sühnewirkung.

«Haurietis aquas. Über die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu»


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

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Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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  • user
    Martin Meier-Schnüriger 13.06.2026 um 14:28
    Eigentlich ist es ein Jammer: Dieser Artikel, der eines unserer schönsten Glaubensgeheimnisse, die Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu, hervorragend beschreibt, wird von der Leserschaft mehr oder weniger ignoriert, während man sich dafür über weniger erfreuliche Dinge in unserer Kirche geradezu genüsslich echauffiert und einander verbal die Köpfe einschlägt.
    Deshalb, stellvertretend für alle Herz-Jesu-Verehrer(innen): Herzlichen Dank, liebe Frau Schärer!
    • user
      Viktor Hürlimann 14.06.2026 um 16:08
      Dieser Gedanke beschleicht mich auch immer wieder. Andererseits kann es auch bedeuten: Alle sind damit einverstanden. Jedenfalls ist es sehr schön, dass die US-Bischöfe am 11. Juni die USA dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht haben. Hier ein kurzer Film dazu. https://www.youtube.com/shorts/5Pc07hbp5ww