«Rest of the Weary», Gift Amarachi Ottah. (Bild: © World Day of Prayer International Committee)

Weltkirche

Welt­ge­bets­tag: Nige­ria­ni­sche Frauen gehen mutig voran

Seit 90 Jah­ren bege­hen in der Schweiz Chris­tin­nen den Welt­ge­bets­tag der Frauen, der 1927 in den USA ein­ge­führt wurde und heute in über 150 Län­dern gefei­ert wird. Für den Got­tes­dienst vom 6. März unter dem Motto «Ich will euch stär­ken, kommt!» haben Frauen aus Nige­ria die Texte geschrie­ben. Ein Land, das von Kon­flik­ten und Chris­ten­ver­fol­gung heim­ge­sucht wird.

Das Thema des diesjährigen Gebetstages geht auf Mt 11,28 zurück: «Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.» Diesen Bibelvers hat die junge nigerianische Künstlerin Gift Amarachi Ottah ins Bild gesetzt: Im Vordergrund sind drei Frauen der grössten Ethnien Igbo, Haussa und Yoruba in typischer, traditioneller Kleidung abgebildet. Im Hintergrund tragen Frauen Lasten auf dem Kopf, wie es in Nigeria üblich ist. Die Frauen in Nigeria haben nicht nur körperliche, sondern auch seelische Lasten zu tragen. Die Künstlerin ist überzeugt: «Wenn wir unsere Mühsal zu Christus bringen und uns gegenseitig in der Gemeinschaft unterstützen, finden wir Ruhe und Kraft, um unseren Lebensweg fortzusetzen.»

In einer Zeit, in der Menschen weltweit schwere Lasten zu tragen haben, möchten die Frauen aus Nigeria Wege aufzeigen, wie man in Gott Ruhe finden kann.

Reiches, armes Land
In Nigeria an der Westküste Afrikas leben über 230 Millionen Menschen mit über 250 Ethnien und mit mehr als 500 Sprachen. Das bevölkerungsreichste Land Afrikas hat eine der jüngsten Bevölkerungen weltweit: 43 Prozent sind unter 15 Jahren. 53,5 Prozent sind Muslime, 45,9 Prozent Christen; davon sind rund 74 Prozent Protestanten, 25 Prozent Katholiken und 1 Prozent gehört anderen Konfessionen an.

Nigeria ist das wirtschaftlich stärkste Land Afrikas und reich an Bodenschätzen – aber nur wenige Menschen profitieren davon. Die Kriminalitätsrate ist sehr hoch, Raubüberfälle und Entführungen sind allgegenwärtig. Im Nordosten verüben islamische Terrorgruppen wie Boko Haram schwere Anschläge mit vielen Todesopfern, im Südosten agieren bewaffnete Banden und Separatisten. Aufgrund der Konflikte sind innerhalb Nigerias rund 3,1 Millionen Menschen auf der Flucht.

Am 13. Januar 2025 hielt die U.S. Kommission zu Internationaler Religionsfreiheit eine Anhörung zum Thema Christenverfolgung ab. Pastorin Rebecca Dali, Gründerin des «Center of Caring, Empowering an Peace Initiatives» CCEPI berichtete über die Lage in Nord-Nigeria, wo seit 2003 die radikale militante islamische Gruppe Boko Haram die Menschen terrorisiert. Im Gedenkgarten des CCEPI sind die Namen von 160 000 Ermordeten eingraviert: 77 Prozent Männer, 23 Prozent Frauen; 62 Prozent Christen, 32 Prozent Muslime. Dies führte zu einer grossen Zahl Witwen und vaterloser Waisenkinder. In den meisten nördlichen Bundesstaaten Nigerias wird christlichen Schülern an staatlich finanzierten Schulen das Recht auf christlichen Religionsunterricht verwehrt, während ihre muslimischen Mitschüler islamischen Religionsunterricht erhalten. «Christlichen Studenten werden Studienplätze für berufsbezogene Studiengänge wie Medizin, Jura oder Ingenieurwesen an öffentlich finanzierten Universitäten und anderen Hochschulen verweigert, selbst wenn sie alle erforderlichen Qualifikationen mitbringen», berichtete sie weiter. An den meisten Orten dürfen Christen keine Kirchen bauen, während der Bau von Moscheen erlaubt ist.

Pastorin Rebecca Dali ermahnte, dass Gewalt immer weitere Gewalt nach sich zieht. Sie rief dazu auf, die Zusammenarbeit zu fördern und Gemeinschaften zu stärken. «Wenn Gemeinschaften stark zusammenstehen, werden wir triumphieren!»

Glaube gibt Halt
Der von den Frauen aus Nigeria gewählte Bibelvers hat für sie eine existenzielle Bedeutung: «Das biblische Wort ist eine Verheissung, die für uns weit über das Persönliche hinausgeht», erklärt Florence Uche, Gründerin des nigerianischen Weltgebetstagskomitees, gegenüber reformiert. (27. Februar 2026). «Es unterstreicht den Wunsch, endlich ohne Angst leben können. Ohne Gewalt, mit einem Zuhause und Nahrung.» In Nigeria tragen vor allem die Frauen Verantwortung für die Familien. Sie vernetzen sich, um gemeinsam die grossen Herausforderungen zu meistern. In ihren Texten und Gebeten des diesjährigen Weltgebetstages berichten sie vom Mut alleinerziehender Mütter und Witwen, vom Glauben inmitten der Angst und von der Kraft, selbst unter schwersten Bedingungen durchzuhalten und weiterzumachen.
 

Der 1927 gegründete Weltgebetstag ist die grösste weltweite ökumenische Frauenbewegung. Zur Geschichte des Weltgebetstages siehe den Beitrag von «swiss-cath.ch» «Ich habe von eurem Glauben-gehört»


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Asellus (Eselchen) 11.03.2026 um 11:37
    Christinnen oder christliche Frauen oder einfach nur Christen?

    Seit der Feminisierung lese und höre ich immer wieder von Christinnen. Selbst Priester verwenden in der Predigt (die Homilie sollte nur das Evangelium auslegen) weibliche Formen vom traditionellen sprachlichen Masculinum. Beispiele: Kundinnen und Kunden, Ärztinnen und Ärzte, Bäuerinnen und Bauern, ... Dies sprachlichen Feminisierungen wären doch überhaupt nicht nötig, zumal man sich mit der Zeit nicht mehr bewusst ist, dass da beide Geschlechter gemeint sind - man sagt das einfach so gewohnheitshalber dahin.

    Aber in der katholischen «Religion» finde ich die Feminisierung des Begriffs "Christ" insofern unverständlich, als der Begriff "Christ" mit dem Sakrament der Taufe (siehe Lehre der katholischen Kirche) zusammenhängt: Wir Christen sind alle (auch die Frauen) auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft, auf den Tod und die Auferstehung Jesu Christi, sonst wären gar keine Christen!

    Aber vielleicht kann mir mal jemand von diesen Sprachgenies erklären, wie man in diesem Zusammenhang auf den Begriff "Christin" kommen soll? Oder ist dieser Begriff einfach nur dem Feminismus geschuldet? Vom Feminismus diktiert? Meiner Meinung nach hat der Feminismus ohnehin mit dem Relativismus zu tun, beides Zeitgeist-Irrlehren, wo jeder seine eigene Wahrheit haben kann ohne Rücksicht darauf, ob es objektiv richtig ist oder nicht. Aber im Christentum (nicht Christinnentum) sind wir der Lehre der katholischen Kirche verpflichtet und Jesus Christus, der die objektive Wahrheit in Person ist! Gott sei Dank! Die Sprache ist ein Geschenk Gottes, Einsicht ist seine Antwort. Jesus sagt in [Joh 15, 5-6]: «… ohne mich könnt ihr nichts tun.»