Die Verkündigung von Fra Angelico, Prado.

Neuevangelisierung

Wenn der Wille des Men­schen eins wird mit dem Wil­len Gottes

Heute fei­ert die Kir­che das Hoch­fest «Ver­kün­di­gung des Herrn». Da die­ses Jahr der 25. März in die Kar­wo­che fiel, wurde es auf den Mon­tag nach der Osterok­tav ver­scho­ben. Das Fest weist einer­seits auf die Geburt Jesu Christi hin, ande­rer­seits ist der Gehor­sam gegen­über Gott ein zen­tra­les Thema.

Das Hochfest «Verkündigung des Herrn» bezieht sich auf Lk 1,26–38: Der Engel Gabriel kommt nach Nazaret zu Maria und begrüsst sie mit den Worten: «Sei gegrüsst, du Begnadete, der Herr ist mit dir.» Und er erklärt der erstaunten jungen Frau: «Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn wirst du gebären; dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird gross sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.»

Die erste Lesung des Tages hilft uns, diese Aussage zu verstehen. Als Ahas, der König von Juda, von seinen Feinden bedrängt wurde, lässt ihm Gott durch den Propheten Jesaja ausrichten: «Erbitte dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott.» Als sich Ahas weigert, von sich aus ein Zeichen zu erbitten, verkündet Jesaja: «Der Herr selbst wird euch ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau hat empfangen, sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel – Gott mit uns – geben» (vgl. Jes 7,10–14).

Gott verspricht seinem Volk seinen Beistand durch alle Zeiten hindurch. Dies wird aber in besonderer Weise durch ein Kind geschehen. Auf diese Verheissung nimmt der Engel Gabriel Bezug, wenn er davon spricht, dass dieses Kind Jesus – der Herr hilft/rettet – heissen soll und Sohn Gottes genannt werden wird.

Maria kennt als fromme Jüdin diese Verheissung, doch sieht sie im Moment mehr «praktische» Probleme. Sie ist Jungfrau und mit Josef verlobt, lebt aber noch nicht mit ihm zusammen. Wie soll sie da schwanger werden? Doch der Engel verweist darauf, dass bei Gott nichts unmöglich ist. «Da sagte Maria: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.» In tiefem Gottvertrauen und Glaubensgehorsam spricht Maria ihr «Ja».

Dem Willen Gottes gehorsam
Auf diesen Aspekt geht die zweite Lesung aus dem Hebräerbrief (Hebr 10,4–10) ein, der Jesus Christus als unseren Retter und Erlöser darstellt. Der Verfasser des Briefes legt Christus die Worte aus Psalm 40 in den Mund: «Schlacht- und Speiseopfer hast du nicht gefordert […] Siehe, ich komme – so steht es über mich in der Schriftrolle – um deinen Willen, Gott, zu tun.» Der Wille Gottes aber ist das Heil der Menschen: Jesus Christus kam in die Welt, um uns von unseren Sünden zu erlösen. «Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi geheiligt – ein für alle Mal» (Hebr 10,10). In der Menschwerdung des Gottes Sohnes sind der Wille der Menschen und der Wille Gottes im völligen Einklang.
Das heutige Hochfest sagt auch aus, dass Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Deshalb knien wir beim Glaubensbekenntnis bei den Worten «empfangen durch den Heiligen Geist» respektive «Hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden».

Wo Weihnachten und Ostern zusammenfallen
Aufgrund des Bezugs zu Weihnachten, der Geburt Christi, wird das Hochfest «Verkündigung des Herrn» neun Monate vorher, eben am 25. März gefeiert. Auch wenn im Evangelium von Maria die Rede ist, so handelt es sich doch um ein Herrenfest, weil die Menschwerdung Gottes im Zentrum steht. Da die Menschwerdung im Hinblick auf die Erlösung von uns Menschen erfolgte, verweist das Fest nicht nur auf Weihnachten, sondern auch auf Ostern.
Dies vermittelt das berühmte Bild von Fra Angelico eindrücklich: Auf der linken Seite werden die ersten beiden Menschen aufgrund des Sündenfalls aus dem Paradies vertrieben. Traurig gehen sie ihren Weg. Doch über ihnen erscheint in einem hellen Licht eine Hand, von der ein Lichtstrahl auf die rechte Seite des Bildes fällt, auf Maria, die soeben vom Engel Gabriel erfährt, dass sie die Mutter Jesu – des Erlösers – werden soll. Dieser Jesus hat unsere Sünden auf sich genommen und uns durch seinen Tod und seine Auferstehung erlöst.

Der «Engel des Herrn» fasst das Festgeheimnis des heutigen Tages schön zusammen:

Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft,
und sie empfing vom Heiligen Geist.

Gegrüsset seist du, Maria …

Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe nach deinem Wort.

Gegrüsset seist du, Maria …

Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt.

Gegrüsset seist du, Maria …

Bitte für uns, heilige Gottesmutter, (auf) dass wir würdig werden der Verheissungen Christi.

Lasset uns beten!
Allmächtiger Gott, giesse deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

 

In der Ostkirche wird die «Verkündigung des Herrn» bereits seit 550 nach Christus gefeiert; erst im 7. Jahrhundert wurde das Fest in Rom eingeführt.
In Nazaret wird eine Grotte in der Verkündigungsbasilika als der Ort verehrt, an dem Maria die Botschaft des Engels empfing. Die Pilgerin Egeria berichtet in ihrer Reisebeschreibung (383), dass bereits damals in der Gotte ein Altar stand.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

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Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin und arbeitete für die Schweizerische Kirchenzeitung SKZ.


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