«Es rettet uns kein höh’res Wesen», heisst es in der «Internationale», dem kommunistischen Kampflied, das heute noch an sozialistischen Umzügen am 1. Mai gesungen wird. Oder vielleicht doch? «Auferstehung ist möglich», steht in der Botschaft, welche die SP-Bundestagsfraktion rechtzeitig zu Ostern verschickt hat. «Not lehrt beten», ist man fast zu sagen versucht. Denn der Griff nach einer religiösen Vokabel ist nur allzu verständlich für eine Partei, die Existenzängste plagen. Man rufe sich die Landtagswahl von Baden-Württemberg vom 8. März 2026 in Erinnerung, bei der sich der Stimmenanteil der SPD halbierte – auf gerade noch 5,5 Prozent, das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte.
Potpourri von Worthülsen und Allgemeinplätzen
Verkehrte Welt: Derweil in säkularen Gefilden die Osterbotschaft wenigstens verbal in Erinnerung gerufen wird, ist davon in kirchlichen Verlautbarungen wenig bis gar nichts zu vernehmen. Aus dem Kreis unserer Leserschaft sind wir gleich mehrfach auf diesen beklagenswerten Umstand aufmerksam gemacht worden.
Ein erster Hinweis betrifft das Stanser Pfarrblatt und dessen Beitrag «Ostern – Aufbruch» von Thomas Keiser, dem Präsidenten des örtlichen Kirchenrates. Da ist von einer 50 cm hohen Schneedecke die Rede, die es durchzustapfen gilt. Oben auf der Bergkuppe angekommen, dämmert ihm die Erkenntnis, dass man ab und zu auch bereit sein müsse, einen Richtungswechsel vorzunehmen, wenn man in eine Sackgasse geraten sei. Denn dadurch entstehe «Raum für Neues». Mitten in diesem Potpourri von Worthülsen und Allgemeinplätzen findet sich dann doch noch ein Satz, der auf das wichtigste Fest des Kirchenjahres anspielt: «Ostern steht symbolisch für Neuanfang, Hoffnung und Erneuerung.» Fazit: Ostern wird, wenn es denn unbedingt sein muss, zwar noch die Referenz erwiesen, aber bitte schön nur symbolisch.
Geradezu mit Inbrunst widmet sich die Pfarreibeauftragte Marianne Pleines im Winterthurer Stadtanzeiger vom 2. April 2026 dem Thema «Auferstehung». Die Auferstehung Jesu sei, «schwer zu verstehen». Eine Tatsache, fürwahr. Doch selbst von der über einen bescheidenen theologischen Schulsack verfügenden Marianne Pleines darf erwartet werden, wenigstens den Versuch zu unternehmen, dem österlichen Geheimnis nachzuspüren. Fehlanzeige! Bestens Bescheid weiss sie hingegen, was Auferstehung hier und heute, «mitten im Leben» bedeutet. Auferstehung geschieht im «Moment, indem dir jemand die Hand reicht, wenn du nicht mehr aufstehen kannst. In der Kraft, die plötzlich wieder da ist, obwohl du sicher warst, sie sei längst verbraucht. Das ist Auferstehung. Ein Ja, das nach dem Nein kommt.» In diesem Sinne geschieht Auferstehung, schliesst die Autorin ihren Beitrag ab, «auch heute. Immer wieder, jeden Tag.» Wer so um den Kern der christlichen Botschaft herumeiert und dabei permanent ins Banale und Triviale abdriftet, hat sich wahrlich ein riesiges Osterei verdient.
Etwas mehr Bibelbezug weist ein nicht gezeichneter Kommentar im Pfarrblatt vom «Glaubensraum» der Pfarreien Brig, Glis, Naters und Mund auf. Immerhin vier Mal schafft es der Name «Jesus» in die Textspalten. Dreimal wird ihm für seine Vorbildfunktion gedankt, einmal für sein Beispiel. Für sein Beispiel, weil er uns Mut gemacht hat. Für sein Vorbild, weil er Tränen getrocknet und Frieden geschenkt hat, uns Brot zu essen gab. That’s it. Alles immer wieder vom Kehrvers eingerahmt: «Tut dies zu meinem Gedächtnis.» Ob all dieser Wohltaten gibt es zum Schluss noch ein dickes Lob: «Danke Jesus, für dein Vorbild, an das wir uns Erinnern mit gutem Gedächtnis!» Nota bene: Im genannten «Glaubensraum» fanden in der Osternacht mehrheitlich Eucharistie-lose Gottesdienste statt, obwohl fünf Priester zu ihm gehören.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Die Heilige Messe ist kein menschliches Produkt, kein pastorales Experiment und keine Bühne für Kreativität. Sie ist das Opfer Christi, das die Kirche treu zu bewahren hat. Deshalb ist ihre Ordnung nicht beliebig, sondern verbindlich. Die Rubriken sind kein Vorschlag, sondern Ausdruck des Glaubens der Kirche.
Das Recht der Gläubigen ist dabei eindeutig. Der Codex Iuris Canonici bestimmt in can. Can. 214 — Die Gläubigen haben das Recht, den Gottesdienst gemäß den Vorschriften des eigenen, von den zuständigen Hirten der Kirche genehmigten Ritus zu feiern und der eigenen Form des geistlichen Lebens zu folgen sofern diese mit der Lehre der Kirche übereinstimmt.
Wer also eigenmächtig die Liturgie verändert, greift nicht nur in eine äußere Form ein, sondern verletzt das Recht der Gläubigen und letztlich die Ordnung der Kirche selbst.
Trotzdem erleben wir vielerorts das Gegenteil: Die Liturgie wird zur „Veranstaltung“, zur „Show“, zur Plattform persönlicher Gestaltung. Hochgebete werden verändert, Elemente hinzugefügt oder weggelassen, und die klare Unterscheidung zwischen geweihtem Amt und Laien verwischt.
Dabei hat die Kirche unmissverständlich klargestellt, dass niemand – auch kein Priester – die Liturgie nach eigenem Ermessen verändern darf. In der Instruktion Redemptionis Sacramentum heißt es:
„Es steht niemandem zu, auch wenn er Priester ist, nach eigenem Gutdünken etwas in der Liturgie hinzuzufügen, wegzunehmen oder zu ändern“ (vgl. Nr. 59).
Besonders gravierend ist der Umgang mit der heiligsten Eucharistie. Hier zeigt sich deutlich, ob der Glaube an die reale Gegenwart Christi ernst genommen wird oder nicht.
Die Kirche lehrt klar:
„Jeder Gläubige hat immer das Recht, die heilige Kommunion auf die Zunge zu empfangen“ (vgl. Redemptionis Sacramentum, Nr. 92).
Die Verweigerung der Mundkommunion ist daher kein Kavaliersdelikt, sondern ein Missbrauch. Ebenso ist festgelegt:
„Wenn eine Gefahr der Profanierung besteht, darf die heilige Kommunion nicht auf die Hand gegeben werden.“
Hier geht es nicht um persönliche Vorlieben, sondern um die Ehrfurcht vor dem Leib des Herrn selbst.
Die Tradition der Kirche bestätigt diese Haltung mit größter Klarheit. Augustinus von Hippo mahnt:
„Niemand esse dieses Fleisch, ohne es zuvor anzubeten; wir würden sündigen, wenn wir es nicht anbeteten.“
Und Thomas von Aquin lehrt:
„In diesem Sakrament ist Christus wahrhaft gegenwärtig; daher gebührt ihm die Anbetung“ (Summa Theologiae III, q. 25, a. 1).
Der Katechismus der Katholischen Kirche fasst diese Lehre zusammen:
„Wir bringen in der Meßliturgie unseren Glauben, daß Christus unter den Gestalten von Brot und Wein wirklich zugegen ist, unter anderem dadurch zum Ausdruck, daß wir zum Zeichen der Anbetung des Herrn die Knie beugen oder uns tief verneigen“ (Nr. 1378).
Gerade deshalb ist es bezeichnend, dass jene Formen der Frömmigkeit, die diese Ehrfurcht ausdrücken – kniende Kommunion, Mundkommunion, eucharistische Anbetung, Rosenkranz –, heute oft belächelt oder bekämpft werden.
Doch die Realität widerlegt diese Haltung. Dort, wo die Liturgie würdig gefeiert wird, wo die Tradition gelebt wird, wo das Heilige nicht relativiert, sondern verehrt wird – dort wachsen Berufungen, dort finden junge Menschen zum Glauben, dort sind die Kirchen nicht leer.
Das ist kein Zufall. Denn die Liturgie ist nicht dazu da, den Menschen „abzuholen“, sondern ihn zu Gott zu erheben.
Wie es Papst Benedikt XVI. formulierte:
„Die Liturgie lebt von der Ehrfurcht vor dem Geheimnis, nicht von unserer Kreativität.“
Die gegenwärtige Krise ist daher im Kern eine Glaubenskrise. Wo der Glaube an die reale Gegenwart Christi schwindet, verliert auch die Liturgie ihre Form. Wo aber der Glaube lebendig ist, dort entsteht notwendig Ehrfurcht – und mit ihr die Treue zur Ordnung der Kirche.
Die Erneuerung der Kirche wird nicht durch Anpassung an den Zeitgeist geschehen, sondern durch Rückkehr zur Treue: zur Liturgie, zur Lehre und zur lebendigen Tradition.
Ein interessanter Gedanke, diese Verleiblichung“ der Liebe. Er kann aber auch falsch verstanden werden. Nie vergessen sollten wir dabei, dass der Herr sein Wort noch nie zurückgenommen hat: «Zu allen sagte er: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.» (Lk 9,23) Und Paulus formuliert: «Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.» (1.Kor 15,19) Unser Glaube ist katholisch, allumfassend. Überbetonungen und Einseitigkeiten sind darin gefährlich.
Er will die Wahrheit der Kirche mit Gewalt niederhalten.