Nach detaillierten Empfehlungen für Möchtegern-Seelsorger – «Ohne abzuwarten, bis die Bitte um Hilfe kommt, kann es sehr hilfreich sein, spontan einen Eintopf (oder etwas, was einfrierbar ist) vorzubereiten und an der Haustür abzugeben» – kommt Böhning zur Sache. Seine Kernaussage: «Im Christentum gibt es den Glauben an die Auferstehung, der leider (sic) oft zu jenseitig interpretiert wird.» Wie bitte? Da ist aber einem Gottesmann der Bezug zur Realität komplett abhanden gekommen. In eben dieser Realität verhält es sich genau umgekehrt. Gemäss aktuellen Umfragen sind es in der Schweiz noch 25 % der Erwachsenen, die an die Auferstehung glauben, in Deutschland noch 18 % – Tendenz fallend. Damit einher geht die Tatsache, dass der Tod mit zunehmendem Glaubensschwund immer mehr aus dem öffentlichen Leben verdrängt wird. Man tut so, als ob es ihn gar nicht gäbe. Irgendwie logisch: Man hat ja nach dem Tod nichts mehr zu erwarten, ergo wird das Faktum, welches das unwiderrufliche Ende aller irdischen Glückseligkeit markiert, aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannt.
Perfektes Timing: Just am gleichen Tag, dem 13. November 2025, veröffentlichte das Newsportal «journal21.ch» einen Beitrag von Stephan Wehowsky mit dem Titel «Die rätselhafte Schwäche des Christentums in Europa». Darin nimmt der Autor Bezug auf den Philosophen Jürgen Habermas, einen durch und durch unverdächtigen Zeugen in diesem Kontext. Dass die Theologen von heute lieber vom Diesseits als vom Jenseits reden, führt gemäss Habermas in die Irre. Er warnt davor, den Jenseitsglauben immer mehr abzuschwächen, eine alles Innerweltliche transzendierende Erfüllung zu einer diesseitigen Alltagserwartung von Zufriedenheit zu verdünnen, Pfarreien zu Orten der Geselligkeit umzupolen. Autor Stephan Wehowsky spitz: «Aus der Transzendenz Gottes wurde Wellness.»
Habermas bezweifelt, dass sich das europäische Christentum retten kann, wenn es auf die säkulare Karte setzt. Stephan Wehowsky ergänzt: «Aber seine Empfehlung an die Theologen, statt dessen die ‹Verheissungen Gottes› ernst zu nehmen und es zu wagen, auch heute noch von der Auferstehung der Toten zu sprechen, stellt sie vor eine Aufgabe, der sich im Zeichen von Europas schicksalhaftem Schwund der Kraft des Christentums nur die wenigsten Theologen gewachsen fühlen dürften.» In der Tat: Für Eintopf-Rezepte und Nett-Miteinander-Empfehlungen bedarf es keiner Religion und keiner Kirche. Da bieten säkulare Adressen den weit besseren Service. Ob sich André Böhning bereits beim RAV gemeldet hat?
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Wir feiern übrigens heute, was auf dieser Seite für den heutigen Tag verdienstvoll aufgefallen ist, das Fest des heiligen Albertus Magnus, der 1269 u.a. die Altäre des Klosters St-. Katharinenthal einweihte, der wohl eindrucksvollsten Gedenkstätte schweizerischer Frauenmystik und auch Schauplatz des Eingreifens von Hauptmann Klaus von Flüe bei der Eroberung des Thurgau 1460. als er diese heilige Stätte nachweisbar mit Appell an den Sempacher- und Pfaffenbrief vor Plünderung bewahrt hat. So verhielt sich übrigens auch Zwingli als noch papsttreuer Feldpredigerr im Pavierzug 1512 bei vermittelndem Eingreifen zur Verhinderung der Plünderung der Stadt Pavia. Dass indes dem Bischof Bonnemain leider wie seinen Vorgängern etwas das Charisma eines grossen Bischofs abgeht, ist leider in Deutschland und in der Schweiz heute nun mal der Regelfall. Für mich war der eindrücklichste Churer Bischof der letzten 100 Jahre, vielleicht der bedeutendste überhaupt, Christianus Caminada, der Vollender der Rätoromanischen Chresthomathie (Sagensammlung, auch sprachlich nobelpreiswürdig) und bester Kenner der Volksfrömmigkeit unter allen Schweizer Bischöfen der Geschichte, eine einmalige Figur. Durfte vor 2 Jahren in Trun über ihn vor vielfach auswärtigen, d.h. nun mal nichtbündnerischen Seelsorgern eine Seelsorge-Weiterbildung machen, auf Einladung von Mathias Hauser, derzeit meines Wissens Pfarrer in Glarus, wo Zwingli vor 515 Jahren eine Lateinschule gründete mit damals unvergleichlich glänzenden Schülern, so Ägidius Tschudi, ohne den es wohl im Kanton Glarus keinen katholischen Volksteil mehr gäbe.
Doch zur Sache: Dr. Joseph-Maria Bonnemain war ein beliebter und kompetenter Spitalseelsorger und machte seine Sache als Churer Offizial ebenfalls unaufgeregt und zum Wohl der Betroffenen. An seiner Rechtgläubigkeit gab es nichts zu kritisieren. Warum er nun als Bischof so völlig anders "tickt", weiss neben Gott wohl nur er allein. Aber d a s s er nicht mehr so denkt und handelt wie früher, ist offensichtlich, darüber kann kein netter Smalltalk über Papst Benedikt hinwegtäuschen.