«Religions- und Glaubensfreiheit, Meinungs- und Gewissensfreiheit, das Recht auf friedliche Versammlung und das Recht auf Vereinigungsfreiheit sind voneinander abhängig, miteinander verbunden und verstärken sich gegenseitig. Sie sind in den Artikeln 18, 19 und 20 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert. Die Wahrung dieser Rechte spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen alle Formen der Intoleranz und der Diskriminierung aufgrund von Religion oder Weltanschauung.»
Dies schreiben die Vereinten Nationen (UNO) auf ihrer Webseite zum UNO-Gedenktag. Aus diesem Grund hat die Generalversammlung im Juni 2019 die Resolution A/RES/73/296 verabschiedet und gedenkt seitdem jedes Jahr am 22. August aller Opfer von religiöser Gewalt.
Die weltweite Lage bleibt prekär
Trotz dieses Gedenktages und weiterer grosser Bemühungen der Staatengemeinschaft, dies zu ändern, bleibt die Realität eine andere: Mehr als 388 Millionen Christinnen und Christen sind in der heutigen Zeit Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt – so viele wie noch nie. Das schreibt das internationale überkonfessionelle christliche Hilfswerk «Open Doors» in seiner Medienmitteilung. Auf der Schweizer Webseite von Open Doors werden über 70 Länder aufgelistet, in denen aktuell Diskriminierung und Verfolgung geschieht.
Religiöse Gewalt in Pakistan
Eines dieser Länder ist Pakistan. Im Index ist das Nachbarland von Indien und Afghanistan auf Platz 8 gelistet. Auch in Pakistan werden Christinnen und Christen auf eine extreme Art und Weise verfolgt. 1947 wurde die islamische Republik unabhängig. Seit diesem Zeitpunkt ist sie ein islamischer Staat. Nur 1,9 Prozent der 259,3 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner sind Christen.
Die traditionellen Kirchen besitzen zwar eine gewisse Freiheit, sie werden jedoch stark überwacht und waren in der Vergangenheit immer wieder das Ziel von Bombenanschlägen. Noch schlimmer ergeht es christlichen Denominationen, die aktiv das Evangelium weitergeben und sich in der Jugendarbeit engagieren. Sie erleben, dass ihre Religionsfreiheit schwer verletzt wird.
Für Christen in Pakistan ist institutionelle Diskriminierung etwas ganz Normales: Berufe, die von der Gesellschaft als niedrig und schmutzig betrachtet werden wie z. B. die Reinigung von Kanalisationen, werden von den Behörden für Christinnen und Christen «reserviert». Das wird auch explizit so in den Stellenanzeigen vermerkt. Viele Christen sind arm und können so in eine Schuldenspirale geraten. Wenn dies geschieht, werden sie gezwungen, zum Islam zu konvertieren.
Blasphemiegesetze als Hauptwaffe gegen Christen
Neben der religiösen Gewalt und der Diskriminierung gibt es auch noch die berüchtigten Blasphemiegesetze. Sie zielen insbesondere auf religiöse Minderheiten ab. Nicht nur Christen, auch muslimische Minderheiten in Pakistan sind davon betroffen und wurden in zahlreichen Fällen willkürlich als Opfer beschuldigt.
Das Thema rückte Anfang Juli 2026 wieder in die Schlagzeilen. Zu diesem Zeitpunkt wurden zwei Christen freigesprochen, denen man fälschlicherweise Blasphemie vorwarf. Einer von ihnen ist Dennis Albert. Er war seit April 2024 im Gefängnis. Ihm wurde vorgeworfen, «religiöse Gefühle verletzt» und «den Koran entweiht» zu haben, nachdem er beim Aussteigen aus einer Rikscha auf Seiten des Korans getreten war. Der Richter befand, dass die Anklage keine ausreichenden Beweise für Alberts Schuld vorlegen konnte. So wurde er am 5. Juli 2026 von einem Gericht der Stadt Lahore freigesprochen, wie die pakistanische Zeitung «Dawn» berichtet.
Ein weiterer Freispruch und ein Todesfall
Ende Juni wurde auch Nadeem Masih, ein 51-jähriger blinder katholischer Christ, in Lahore freigelassen, nachdem er beschuldigt worden war, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben – eine Anschuldigung, die er stets bestritten hatte. Ein Sprecher von «Open Doors» begrüsste die Entscheidung und forderte zugleich gründliche Ermittlungen vor jeder Strafverfolgung sowie Sanktionen gegen falsche Anschuldigungen.
Andere Fälle verlaufen weniger glücklich: Amir Peter, ein Katholik, der im Juli 2025 nach einer Anzeige lokaler Händler zu Unrecht angeklagt worden war, starb Anfang Juli im Gefängnis, weil seine Diabeteserkrankung nicht behandelt wurde.
Blasphemie und ihre Folgen
Der Fall der Krankenschwestern Mariam Lal und Newosh Arooj, die Ende letzten Jahres von einem Bezirksgericht freigesprochen wurden, wurde als wegweisende Entscheidung bezeichnet. Sie waren im April 2021 festgenommen worden, nachdem ihnen vorgeworfen worden war, den Koran «entweiht» zu haben, indem sie einen religiösen Aufkleber von der Wand eines Krankenhauses in Faisalabad entfernt hatten. Unter dem Druck einer Menschenmenge, die ihre Hinrichtung forderte, waren sie angeklagt worden. Nach fünf Monaten Haft wurden sie gegen Kaution freigelassen und leben seitdem in Angst, wie viele andere Menschen auch, die von diesen Gesetzen betroffen sind, die oft missbraucht werden, um persönliche Streitigkeiten, insbesondere wegen eines Grundstücks, beizulegen.
Freude und Besorgnis
Während also Freude über die Nachricht vom Freispruch herrscht, bestehen weiterhin tiefe Bedenken darüber, wie falsche Blasphemievorwürfe Christen und andere religiöse Minderheiten in Gefahr bringen.
«Das Urteil unterstreicht die dringende Notwendigkeit stärkerer Schutzmassnahmen, Rechtsreformen und eines wirksamen Schutzes für religiöse Minderheiten, damit Gerechtigkeit keine Ausnahme bleibt, die nur unter seltenen Umständen eintritt, sondern zum beständigen und garantierten Recht für alle Bürger wird», sagte ein lokaler Partner von Open Doors in Pakistan.
«Open Doors Schweiz» Link
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