Erzbischof Peter Chung und Bischof Paul Lee am Startanlass vom 12. April 2026. (Bild: Erzdiözese Seoul)

Weltkirche

WJT Seoul 2027: Kreuz aus Sta­chel­draht als Sym­bol des Friedens

Der Welt­ju­gend­tag 2027 in Seoul wird sich inten­siv mit der Tei­lung zwi­schen Nord– und Süd­ko­rea aus­ein­an­der­set­zen. Dabei wird ein ein­drucks­vol­les Sym­bol die Ver­an­stal­tun­gen beglei­ten: Aus aus­ran­gier­tem Sta­chel­draht der Demi­li­ta­ri­sier­ten Zone (DMZ) – der Puf­fer­zone an der Grenze zwi­schen Nord– und Süd­ko­rea – ent­steht ein «Friedenskreuz».

1910 wurde das ehemalige Kaiserreich Korea von Japan annektiert. Nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg wurde Korea entlang des 38. Breitengrads aufgeteilt: Im Norden übernahm die Sowjetunion die Kontrolle, im Süden die USA. 1950 griff Nordkorea den Süden an, was den Koreakrieg auslöste. Dieser endete 1953 mit einem Waffenstillstand, jedoch ohne einen Friedensvertrag; die Grenze zwischen den beiden Staaten bildet eine stark bewachte demilitarisierte Zone. Formal sind sie bis heute im Kriegszustand.

Das «Stacheldrahtkreuz», das die Wunden und den Schmerz der Teilung in ein Symbol des Friedens verwandeln soll, wird etwa fünf Meter hoch sein und soll den jungen Menschen, die sich während des Weltjugendtags aus aller Welt in Seoul versammeln, überreicht und vom Papst gesegnet werden. «Die Initiative möchte junge Menschen dazu einladen, Symbole der Spaltung in ein Zeichen der Versöhnung, des Gebets und der Hoffnung zu verwandeln, auch in ihrem persönlichen Leben», heisst es in einer Mitteilung des Erzbistums Seoul.

Am 12. April 2026 gab es unter dem Vorsitz von Erzbischof Peter Soon-taick Chung von Seoul eine besondere Segnungszeremonie für junge koreanische Freiwillige und Mitglieder der «Together Walking Foundation», die das Projekt «Stacheldrahtkreuz» initiiert und eine Wanderausstellung organisiert hatte, die 2021 um die Welt ging und auch in der römischen Kirche St. Ignatius zu sehen war.

Erzbischof Chung wandte sich an die Anwesenden und sprach über den Stacheldraht entlang der Trennlinie zwischen Nord- und Südkorea, ein schmerzliches Symbol für die Teilung und den Bruderkrieg auf der koreanischen Halbinsel. «So wie das Kreuz, einst ein Instrument des Todes, durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi zu einem Symbol des Friedens und der Versöhnung, des Opfers und der Liebe wurde, lasst uns beten, dass dieses Kreuz in unseren Herzen Wurzeln schlagen möge als Symbol der Versöhnung, des Friedens und der Liebe auf der koreanischen Halbinsel. Wie die Auferstehung nach dem Tod können auch aus Konflikt und Krieg Harmonie und Frieden entstehen.»

Erzbischof Chung segnete die Materialien für das Kreuz und betete dafür, dass die Hände aller Beteiligten zu «Werkzeugen des Friedens» werden mögen. Das Projekt «Stacheldrahtkreuz» findet das ganze Jahr über jeden Sonntagnachmittag im Innenhof der Kathedrale von Myeongdong statt. Freiwillige formen mit Hämmern und Ambossen etwa 50 Zentimeter lange Stücke Stacheldraht und fügen sie in die Kreuzstruktur ein. Die handwerkliche Tätigkeit wird von einer geistlichen Erfahrung begleitet: Die Teilnehmer reflektieren gemeinsam über persönliche und gesellschaftliche Wunden und beten für den Frieden. An dem Projekt beteiligen sich Mitglieder von Pfarrgemeinden, kirchlichen Gruppen, junge Menschen aus der Erzdiözese sowie Persönlichkeiten aus religiösen, sozialen, kulturellen und politischen Kreisen. «Das Projekt zielt darauf ab, eine Botschaft der sozialen Integration und Versöhnung zu verbreiten, die über die Grenzen der Kirchengemeinde hinausreicht», heisst es in der Mitteilung der Erzdiözese Seoul. Das Projekt wird voraussichtlich bis April 2027 dauern.
 

Impressionen des Anlasses vom 12. April 2026 auf Flickr
 

In Südkorea, einem Land mit 52,6 Millionen Einwohnern und einer Mehrheit, die sich als nicht religiös bezeichnet, machen die Katholiken etwa 11 Prozent der Bevölkerung aus. Nach Angaben der vatikanischen Agentur Fides gibt es in dem Land mehr als 5700 Priester und 1784 Pfarreien.


Fides/Redaktion


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