Die Libanesen seien «ein Volk, das nicht untergeht, sondern angesichts von Prüfungen stets den Mut findet, sich neu zu erheben», betonte der Papst und fuhr fort: «Sie haben stark gelitten […] unter der Radikalisierung verschiedener Gruppierungen und unter Konflikten: Aber Sie haben immer wieder einen Neuanfang gewollt und geschafft.»
Um wirklichen Frieden zu erreichen, sei es nötig, den «beschwerlichen Weg der Versöhnung» zu gehen. Es gebe «persönliche und kollektive Wunden, deren Heilung viele Jahre, manchmal ganze Generationen erfordert». Eine Kultur der Versöhnung bedürfe «der Autoritäten und Institutionen, die das Gemeinwohl über das Partikularwohl stellen», mahnte der Papst die Anwesenden.
Plädoyer gegen die Auswanderung
Mit Nachdruck forderte der Papst die Libanesen auf, in ihrem Land zu bleiben, «auch wenn dies Opfer erfordert». Die Kirche wolle, «dass niemand zur Auswanderung gezwungen wird und dass jeder, der dies wünscht, sicher zurückkehren kann». Der Papst rief die anwesenden Politiker auf, alles zu tun, «damit insbesondere die jungen Menschen sich nicht gezwungen sehen, ihre Heimat zu verlassen».
Besonders hob der Papst die Rolle der Frauen beim «mühsamen und geduldigen Engagement für die Bewahrung und den Aufbau des Friedens» hervor und sagte: «Selig sind die Friedensstifterinnen und selig sind die jungen Menschen, die bleiben oder zurückkehren, damit der Libanon weiterhin ein Land voller Leben ist.»
Vor seiner Rede, bei der zahlreiche amtierende und ehemalige Staats-, Regierungs- und Parlamentschefs des Libanon anwesend waren, hatte der Papst mehrere Repräsentanten aus Staat, Parlament und Politik getroffen. Er sprach unter anderem mit Staatspräsident Joseph Aoun, einem Christen, dem schiitischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri und dem sunnitischen Regierungschef Nawaf Salam.
Trotz starkem Regen hatten Tausende Menschen die Strassen von Beirut gesäumt, auf denen der Papst in einer langen Wagenkolonne vom Flughafen zum Präsidentenpalast gekommen war. Auf einem selbstgemalten Transparent war zu lesen: «Where the Pope walks, peace follows».
Papst auf heikler Mission im Libanon
Drei Tage ist der Papst im Libanon. Er kommt als Friedensbotschafter in ein von Kriegen und Krisen geschundenes Land. Sein Wort hat dort grosses Gewicht, Christen sind im Libanon wichtiger als in anderen arabischen Ländern.
Der Apostolische Vikar von Beirut, Bischof Cesar Essayan, warnt vor Illusionen: «Papst Leo XIV. kann nicht tun, was eigentlich unsere Aufgabe ist», sagte er im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) an seinem Amtssitz in Jeita nördlich von Beirut. Seine Hoffnung sei, dass es dem Papst gelinge, den Christen und der Kirche neuen Elan zu verleihen und das Land auf die richtige Bahn zurückzubringen.
Es gab im Vorfeld Kontakte zwischen den verschiedenen Gruppen und dem Vatikan; selbst die Hisbollah hat erklärt, man empfange den Papst mit Freude. Der Papst wird sich Zeit nehmen, sich mit allen zu treffen und ihnen zuzuhören. «Sie wünschen sich von ihm, dass er eine Vision mitbringt, die anders ist als die Realität, die wir leben», so Bischof Cesar.
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„Fried ist allweg in Gott“