21 386 Erwachsenentaufen konnte die Katholische Kirche in Frankreich dieses Jahr an Ostern vermelden. Dies entspricht einem Anstieg von 28 Prozent bei den Erwachsenen und von 10 Prozent bei den Jugendlichen gegenüber 2025. Dieser seit mehreren Jahren zu beobachtende Anstieg an Taufbewerbern ist in allen Diözesen zu beachten – dabei ist Frankreich eines der am stärksten säkularisierten Länder.
In Belgien wurden 689 Erwachsene getauft; die Zahl der Erwachsenentaufen hat sich seit 2016 (229) fast verdreifacht. Auch hier sprechen die Bischöfe von einem anhaltenden Aufwärtstrend.
In Skandinavien blüht die Kirche ebenfalls auf. So stieg zum Beispiel in Norwegen die Zahl der Katholiken von 95 655 (2015) auf 168 220 (2025), das entspricht einem Anstieg um 76 Prozent.
In England und Wales setzt sich der Trend der Konversionen und Erwachsenentaufen fort. Allein in den beiden grossen Londoner Diözesen Westminster und Southwark wurden rund 950 Menschen in die Kirche aufgenommen. Auch die Kirche in Schottland spricht von einer Zunahme von 20 Prozent.
Einen «Taufboom» erleben zudem mehrere Diözesen in den USA. So konnte das Erzbistum Washington in der Osternacht 1755 neue Katholiken aufnehmen – die höchste Zahl seit 15 Jahren, das Erzbistum Detroit 1428, so viele wie seit über 20 Jahren nicht. Das Bistum Des Moines verzeichnete einen Zuwachs von 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr (von 265 auf 400).
Ebenso vermeldete die Kirche in Australien eindrucksvolle Zahlen. Die Erzdiözese Sydney verzeichnet eine Zunahme an Erwachsenentaufen von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Melbourne nahm an Ostern die höchste je verzeichnete Zahl von 550 Katholiken auf (Anstieg um 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr). Die Erzdiözese Canberra-Goulburn konnte 315 Erwachsene in die Kirche aufnehmen – vor fünf Jahren waren es noch 25.
Auch die Westschweiz erlebt seit 2021 einen deutlichen Anstieg der Zahl der Katechumenen: 627 Erwachsene und Jugendliche (ab 16 Jahren) im Vergleich zu 132 im Jahr 2022. Im Bistum Sitten waren es dieses Jahr 86 Katechumenen, 2022 noch 22.
Für die Deutschschweiz liessen sich keine aktuellen Angaben über die Erwachsenentaufen eruieren. Gemäss der Taufstatistik 2024 des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI) machten die Erwachsenentaufen im Bistum Basel 1,5 Prozent aller Taufen aus, heisst 66 Neugetaufte; im Bistum Chur 56 (2 Prozent) und im Bistum St. Gallen 14 Neugetaufte (1 Prozent). In Deutschland sieht die Situation ähnlich aus, wenn auch dieses Jahr einzelne Bistümer einen Anstieg an Erwachsenentaufen verzeichnen konnten.
Suche nach Sinn, Ordnung und Beständigkeit
Wie kommt es, dass einige Länder aufblühen, andere aber eine Austrittswelle verzeichnen? Den Taufboom in Frankreich kann man bis zu einem gewissen Grad damit erklären, dass die Zahl der Kindertaufen in den letzten Jahrzehnten abgenommen hatte – dies führte zu einem «Nachholbedarf». Doch diese Begründung reicht nicht aus. Vor allem zeigen die Zahlen, dass es unter den Katechumenen eine hohe Zahl von Menschen gibt, die keiner religiösen Tradition angehören. Eine im Frühjahr 2026 unter 1450 Katechumenen durchgeführte Umfrage ergab, dass sich die Mehrheit von ihnen (40 Prozent) für die Taufe entschieden hat, nachdem eine Krankheit, der Tod eines Nahstehenden oder eine schwierige Lebenssituation eine Suche nach Sinn ausgelöst hat. Ein Drittel befasste sich aus eigenem Antrieb mit dem christlichen Glauben, ein weiteres Drittel hatte eine intensive spirituelle Erfahrung gemacht.
Kardinal Vincent Nichols, emeritierter Erzbischof von Westminster, hat hunderte von Gesprächen mit Taufbewerbern geführt. Er hat aus diesen vier wiederkehrende Motive herausgearbeitet: Erstens: Die meisten Taufbewerber gehen diesen Weg nicht allein, sondern werden durch Freunde, Familie oder jemanden aus der Pfarrei begleitet. «Zu wem gehöre ich wirklich? An wen kann ich mich wenden? Auf wen kann ich mich verlassen? Das sind entscheidende Fragen in einer Zeit, welche die Autonomie des Einzelnen preist, sei es in Fragen der Wahrheit oder von Leben und Tod, wie in Debatten über Abtreibung oder Sterbehilfe.» Zweitens: Menschen sind beunruhigt durch Chaos, durch einen Mangel an Ordnung. «Wir wollen wissen, was verlässlich und beständig ist, etwas, an dem wir unseren Kurs ausrichten können.» Drittens: die Schönheit des Katholizismus, die sich in seinen Kirchenbauten, seiner Liturgie und der damit verbundenen Stille ausdrückt. Viertens: das Geschenk der Eucharistie, des heiligen Messopfers.
Festhalten an der Tradition statt Anbiederung an den Zeitgeist
Die Taufbewerber suchen also nach Sinn, einer festen Ordnung, an der sie sich (moralisch) orientieren können, und nach Gemeinschaft – nicht aber nach zeitgeistkonformen Reformprojekten oder niederschwelligen Angeboten. Dies hat auch die in dieser Frage unverdächtige NZZ kürzlich in einem Artikel festgehalten. «Es ist kein Zufall, dass sich der Aufschwung vor allem in Ländern zeigt, deren Kirchen traditionell ausgerichtet sind. In Frankreich wie in den USA sind die Kirchen vom Staat getrennt. Sie sind politisch konservativer, enger an Rom gebunden und pflegen Distanz zu Reformen. Die Lockerung des Zölibats, das Frauenpriestertum, die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften oder die kirchliche Basisdemokratie sind weder in Frankreich noch in den USA ein Thema», so Thomas Ribi in seinem Beitrag «Die katholische Kirche boomt. Auch in Europa. Aber nur dort, wo sie den Mut hat, unzeitgemäss zu sein» (29. April 2026).
Die Situation sieht in der Schweiz und in Deutschland anders aus. Hier definiert sich die Katholische Kirche «fast schon durch den Widerstand gegen Rom». Das durch tatsächliche und herbeigeschriebene Missbrauchsskandale zerrüttete Vertrauen in die Kirche versucht man durch die Anbiederung an gesellschaftliche Modetrends wiederzugewinnen und benutzt die von Papst Franziskus angestossene Synodalität, um eine von Rom und der katholischen Lehre losgelöste Ortskirche zu etablieren – an den Gläubigen vorbei. Die Hoffnung, dass man durch eine Anbiederung an den Zeitgeist oder niederschwellige Angebote die Menschen wieder oder neu an die Kirche binden kann, hat sich als Trugschluss erwiesen. Das stellt auch Thomas Ribi in seinem NZZ-Beitrag fest und zeigt als Negativbeispiel für eine solche Anbiederung die evangelische Kirche, die «ihre Glaubensinhalte zu einem leicht verdaulichen Instant-Menu einkocht, in dem Begriffe wie Gnade, Schuld, Sünde oder Erlösung leere Wörter sind, um die selbst Pfarrer einen Bogen machen». Er ist überzeugt, dass die Kirche dann glaubwürdig ist, wenn sie sich eben gerade dem Zeitgeist widersetzt und sich an Werten orientiert, welche die Zeiten überdauern. Dass sich gerade viele junge, moderne Menschen dieser oft als rückständig bezeichneten Katholischen Kirche zuwenden, überrascht Thomas Ribi nicht: «In der Unbeugsamkeit einer Institution, die sich modischen Entwicklungen konsequent verweigert, spüren sie eine Verpflichtung, die sich nicht an kurzlebigen Opportunitäten orientiert, sondern an dem, was sie als ewige Wahrheit bewahren will. Das ist mehr als ein Trend. Keine Institution ist so sperrig und so unzeitgemäss wie die katholische Kirche. Genau das macht ihre Stärke aus.»
John Wilson, Erzbischof der Diözese Southwark, die seit Jahren eine starke Zunahme an Taufbewerbern verzeichnet, ist überzeugt, dass es keine Spielereien und keine Verwässerung des Glaubens braucht, damit die Menschen der Kirche treu bleiben, sondern eine auf Christus ausgerichtete Verkündigung. Auf die Frage, worin das Geheimnis des Wachstums seiner Diözese besteht, antwortete er: «Die Wahrheit ist, dass wir einfach dem Muster der apostolischen Zeit folgen und den bewährten Weg der Mission beschreiten. Wir laden die Menschen ein, dem Herrn Jesus zu begegnen. Es ist der Herr Jesus, der uns näher zu sich zieht und uns zu sich ruft. Es ist das stille und kraftvolle Wirken des Heiligen Geistes, das die Herzen bewegt und die Menschen zu seiner Kirche führt. Unsere Mission in der Katholischen Kirche besteht darin, mit dieser Gnade zusammenzuwirken und den Menschen zu helfen, Christus zu begegnen – sei es zum ersten Mal oder auf einer tieferen Ebene.»[1]
[1] https://thecatholicherald.com/article/southwarks-record-number-of-converts-begins-with-a-simple-invitation-to-encounter-christ
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Zwei Beispiele dazu: ich war am Aschermittwoch in der Jugendmesse in der Liebfrauenkirche in Zürich und habe festgestellt, dass im Vergleich zu den Vorjahren die Besucherzahlen gestiegen sind und das auffallend viele (geschätzt ein Drittel) im Alter von schätzungsweise 16-20 Jahren dort sind.
Nebenbei: es gab ein Priester, der die hl. Messe feierte und nur er als ordendlicher Kommunionspender teilte die Kommunion aus. Niemand hatte damit ein Problem, dass die Kommunionausteilung dadurch etwas länger dauert als man sich's von den Pfarreimessen gewohnt ist. Ich glaube im Gegenteil wurd dies sehr geschätzt, dass man sich genug Zeit nehmen konnte für das persönliche Gebet während dem Kommunizieren.
Ich selber war konnte einfach nur staunen und habe in mir so gedacht: so würde die Kirche eigentlich aussehen und das wird die Zukunft der Kirche sein, nach dem das andere abgestorben ist.
Zweites Beispiel: ich bin als damaliger Freikirchler im Jahr 2023 in die Katholische Kirche konvertiert und wurde dadurch im April an der offiziellen Erwachsenenfirmung in Solothurn von Bischof Felix gefirmt, ein wunderbarer Tag! Wir waren damals 16 Firmlinge. Ein Jahr später wurde eine Kollegin im selben Rahmen gefirmt, es waren 24 Firmlinge. Dieses Jahr waren es 45 Firmlinge an dieser Erwachsenen-Firmung im Frühling.
Gerade heute berichtete kath.ch darüber:
https://www.kath.ch/newsd/im-bistum-basel-lassen-sich-mehr-erwachsene-firmen/
Natürlich wird es so sein, dass insgesamt die kath. Kirche in der (Deusch-)Schweiz z.Zt. zahlenmässig noch schrumpft. Jedoch müssen wir beachten, dass es in den anderen Länder, wo sich der Artikel darauf bezieht, keine Austrittszahlen gibt, weil das System mit Kirchensteuer dort gar nicht existiert, worauf die messbaren Austrittszahlen beruhen.
Es entsteht auch in diesem Schrumpfungs-Prozess bereits neues Leben mit meist jungen aber auch älteren Menschen, die den Zugang zum Glauben / zur Kirche wieder entdecken und mit bereits gläubigen Christen aus anderen Konfessionen, die in die katholische Kirche konvertieren.
Ich freue mich, auf das, was Gott mit seiner Kirche in der Schweiz machen wird, freue mich über jede einzelne Person, die die Erfüllung in der persönlichen Beziehung zu Jesus in der Kirche gefunden hat und möchte den Fokus auf die positiven Ereignisse setzen und all das v.a. im Gebet mittragen.
Ich bin ein regelmässiger Gottesdienstbesucher der Priesterbruderschaft Pius X.... Da ist dieses Phänomen seit einigen Jahren sichtbar..... Die Zahlen steigen stetig an...