Die Kirche steckt in einer Krise. Das weiss jeder, der die Augen offen hat. Die Kirchen werden leerer. Der Glaube verschwindet. Die Beichtstühle bleiben leer. Priester werden weniger. Katholiken kennen ihren Glauben immer weniger. Theologinnen und Theologen widersprechen offen dem Katechismus. Bischöfe dulden Dinge, die früher undenkbar gewesen wären. Und selbst aus Rom hört man manchmal Aussagen, bei denen sich viele Gläubige fragen, ob das wirklich noch die Sprache der Kirche ist. Wer behauptet, alles sei in bester Ordnung, lebt nicht in der Realität.
Genau deshalb hat die «Priesterbruderschaft St. Pius X.» (FSSPX) in vielem recht. Sie hat recht, wenn sie die Glaubenskrise anspricht. Sie hat recht, wenn sie die Tradition verteidigt. Sie hat recht, wenn sie auf liturgische Missbräuche hinweist. Sie hat recht, wenn sie die Verwirrung vieler Gläubiger beim Namen nennt.
Deshalb sollte man aufhören, die FSSPX und ihre Gläubigen so darzustellen, als wären sie das eigentliche Problem der Kirche. Das sind sie nicht. Die meisten Gläubigen gehen nicht zur FSSPX, weil sie gegen den Papst sind. Sie gehen dorthin, weil sie eine würdige Messe suchen. Weil sie regelmässig beichten wollen. Weil sie eine klare Predigt hören möchten. Weil sie ihren Kindern den katholischen Glauben weitergeben wollen. Weil sie den Katechismus ernst nehmen. An dieser Sehnsucht ist nichts falsch.
Auch deshalb verstehen viele Katholikinnen und Katholiken die FSSPX. Sie sehen eine Kirche, in der an vielen Orten Verwirrung herrscht. Sie sehen Priester, Bischöfe und Kardinäle, die Dinge sagen oder dulden, welche dem Katechismus widersprechen. Sie sehen traditionelle Gemeinschaften, die zwar vieles erkennen, aber oft sehr vorsichtig bleiben müssen, weil sie sonst Schwierigkeiten mit Bischöfen oder Rom bekommen könnten.
Es gibt nämlich noch einen weiteren Punkt, bei dem die FSSPX-Anhänger oft einen berechtigten Einwand vorbringen. Viele Gläubige haben den Eindruck, dass Gemeinschaften wie die Petrusbruderschaft oder andere Ecclesia-Dei-Gemeinschaften gewisse Missstände zwar sehen, diese aber nur sehr vorsichtig oder gar nicht öffentlich ansprechen. Warum? Weil immer die Sorge besteht, man könnte dadurch Schwierigkeiten mit Bischöfen oder Rom bekommen. Ob dieser Eindruck immer gerechtfertigt ist, darüber kann man diskutieren. Aber ganz aus der Luft gegriffen ist er nicht.
Man konnte dies beispielsweise während der Corona-Zeit beobachten. Als Papst Franziskus die Impfung als einen Akt der Liebe bezeichnete und zahlreiche Bischöfe in Westeuropa die Impfkampagnen aktiv unterstützten, gab es unter vielen traditionellen Katholiken erhebliche Vorbehalte. Trotzdem hörte man von vielen kirchlich anerkannten traditionellen Gemeinschaften nur sehr wenig öffentliche Kritik. Die FSSPX-Anhänger fragen deshalb nicht ganz zu Unrecht: Kann man wirklich frei Missstände benennen, wenn man ständig befürchten muss, dafür bestraft oder eingeschränkt zu werden?
Diese Frage ist berechtigt. Und trotzdem gilt genau hier der entscheidende Grundsatz: Selbst wenn diese Kritik berechtigt ist, folgt daraus noch nicht automatisch das Recht, die kirchliche Ordnung zu überschreiten. Die Fehler der einen, der progressiven oder modernistischen Seite, rechtfertigen nicht die Fehler der konservativen oder traditionellen Seite. Der Fehler meines Gegenübers ist keine Bewilligung, dass ich ebenfalls Fehler machen darf. Zwei Fehler ergeben zusammen keine Wahrheit.
Auch die Kritik am Zweiten Vatikanischen Konzil oder an dessen Umsetzung darf kein Tabu sein. Konzilien wurden in der Kirchengeschichte immer diskutiert, erklärt und präzisiert. Kritik ist nicht automatisch Ungehorsam. Aber genau hier beginnt die eigentliche Frage. Die Frage ist nicht, ob die FSSPX gute Arbeit leistet. Die Frage ist nicht, ob die Krise real ist. Die Frage ist nicht einmal, ob viele ihrer Kritikpunkte berechtigt sind. Die Frage lautet: Wer entscheidet, wann die Ordnung der Kirche nicht mehr gilt?
Denn genau hier habe ich Mühe mit den angekündigten Bischofsweihen. Die Kirche hat wesentlich schwerere Krisen erlebt als heute. Während der arianischen Krise (4. Jahrhundert) waren grosse Teile der Bischöfe vom Irrtum betroffen. Der heilige Hieronymus schrieb sinngemäss, die Welt sei aufgewacht und habe sich arianisch wiedergefunden.
Vor dem Konzil von Trient (1545–1563) herrschten massive Missstände im Klerus. Viele Priester lebten mit Geliebten zusammen. Bischöfe lebten wie Fürsten. Kirchliche Ämter wurden gekauft und verkauft. Papst Alexander VI. hatte mehrere Kinder. Seine Familie und die Papst-Kinder wurden einflussreich; ja, seine ganze Familie wurde zu einem Symbol für Vetterliwirtschaft, Machtpolitik und moralischen Zerfall. Er war wahrlich kein Vorbild, und ich glaube nicht, dass sich ein guter Katholik seiner Zeit mit ihm als Kirchenoberhaupt identifizieren und durch sein Vorbild an seinem eigenen Weg zur Heiligkeit arbeiten konnte. In Rom sprach man vom Antichristen auf dem Papstthron.
Dann kam das Abendländische Schisma (1378–1417). Zeitweise gab es mehrere Männer, die Anspruch auf das Papstamt erhoben; viele Gläubige wussten nicht mehr mit Sicherheit, wer der rechtmässige Papst war.
Die Piusbrüder argumentieren in Bezug auf all diese krassen Kirchenkrisen, dass ja der Glaube nie in diesem Mass zerfallen sei wie in unseren heutigen Tagen. Dies bezweifle ich stark. Wo war denn im 16. Jahrhundert die «Bruderschaft», wo war die «Bruderschaft», um die Kirche durch die Häresien oder z. B. den Arianismus zu führen? Wo war die «Bruderschaft», um den Ablasshandel und die Gier in der Kirche zu verbieten oder zu verurteilen? Es gab sie nicht! Wo war damals eine solche Parallelstruktur, die sich selbst ausserhalb der normalen Ordnung reproduzierte? Es gab sie nicht.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Der hl. Athanasius wurde bestraft. Die anderen zwei nicht.
Niemand von diesen dreien hat eine Parallelstruktur aufgebaut,so auch nicht die FSSPX.
Es sind Weihbischöfe ohne Juristiktion für eine Diözese. Sie spenden nur Sakramente und weihen Kirchen,das ist alles.
Wenn Sie eine reale Parallelstruktur suchen,schauen Sie nach China.
Das interessiert Rom aber nicht. Sie sind voll anerkannt und Straffrei und die Untergrundkatholiken lässt man im Stich,lässt Verfolgung zu, und verratet sie somit.
Die FSSPX macht nichts unerlaubtes.
Sie selbst geben zu dass es wie zu Athanasius Zeiten einen Notstand gibt.
Can. 1323 CIC. Punkt 4,5 und 7 sind sehr klar.
Schon Kirchenrechtler Professor Georg May hat dies bestätigt dass die FSSPX laut diesem Kanon das Recht hat Bischöfe zu weihen.
Also hört auf zu sagen es wäre unerlaubt oder keine Ahnung was.
Es ist erlaubt da das Kirchenrecht kein Selbstzweck ist,sondern alles auf das höchste Gesetz hingeordnet ist,dem Heil der Seelen .
Der Papst handelt gegen das Heil der Seelen. Darum wird auch eine Exkommunikation ungültig sein wie auch Bischof Schneider bestätigt.
Es braucht die FSSPX, Gott hat sie zum Wekzeug gemacht wie dazumal den hl. Athanasius.
Auch er wurde exkommuniziert. Und? Heilig gesprochen.
So wird es auch mit Erzbischof Léfebvre eines Tages geschehen.
Die Kirche ,da sind alle Gläubigen inbegriffen.
Der Papst IST nicht die Kirche.
Er ist das Oberhaupt und gehört genauso zur sichtbaren Kirche wie die FSSPX.
Es kann also wie beim Arianismus sein dass über 80 % der Bischöfe den Glauben verlieren ja sogar der Papst. Die Kirche wird nicht sterben da sie in den wenigen Getreuen weiter fortbesteht wie beim Arianismus dazumal.
Warum versteht ihr das nicht?
Die “Modernistische Kirchenkrise” betrifft die Substanz des Glaubens, die Wahrheit selbst.
perfekt geschrieben und auf den Punkt gebracht! Schade findet der so "friedensliebende" Papst keinen Weg um endlich Frieden in den eigenen Lagern zu stiften! Ich hoffe der Heilig Bruder Klaus, kann in dieser Situation Vorbild und Motivation sein!
Gruss aus Obwalden
Thomas
Entweder ist die Krise so gross, dass man nur noch in der FSSPX die Wahrheit findet, dann wäre aber die Kirche gefallen und die Konsequenz wäre der Sedisvakantismus was aber ein Widerspruch zur mit der Lehre von der Unzerstörbarkeit (Indefektibilität) der Kirche.
Oder die Kirche ist nicht gefallen und man ordnet sich dem Regieren unter und vertraut auf den Herrn so wie es das Erstes Vatikanisches Konzil lehrt in Pastor aeternus:
„Was aber der Fürst der Hirten und der große Hirt der Schafe, unser Herr Jesus Christus, im seligen Apostel Petrus zum dauernden Heil und immerwährenden Wohl der Kirche eingesetzt hat, das muss nach derselben Anordnung Christi notwendig in der Kirche fortdauern.“ „Wir lehren und erklären daher, dass die römische Kirche durch die Anordnung des Herrn den Vorrang der ordentlichen Gewalt über alle anderen Kirchen besitzt und dass diese Jurisdiktionsgewalt des römischen Papstes wahrhaft bischöflich, unmittelbar und ordentlich ist.“
Mir scheint, dass die Exkommunikation tatsächlich ein Schaden ist. Kein Status in der Kirche, keine Befugnisse und Rechte, keine Inkardination. Aber: dieser Schaden ist nicht so gross, wie der Schaden, der momentan in der Kirche besteht und weiter wissentlich und willentlich angerichtet wird.
"Wo war denn im 16. Jahrhundert die «Bruderschaft»?" Damals waren es die Jesuiten.
"Manchmal habe ich den Eindruck, viele traditionelle Katholiken denken heimlich, die Zukunft der Kirche hänge von ihnen ab. Aber das stimmt nicht." Die Zukunft der Kirche hängt nicht von mir ab, das stimmt. Aber meine eigene Zukunft muss ich selbst mitgestalten, ich bin auch Kirche und selbst verantwortlich.
Zum Selbstschutz ist es besser, einen gewissen Schaden in kauf zu nehmen als sich selbst in Lebensgefahr zu begeben.
Die Jesuiten hatten damals andere Lösungen für andere Probleme und wir müssen heute Lösungen für unsere Probleme finden. Jeder wie er kann.
Es ist in meinen Augen einer der Besten Artikel zum ganzen Thema.