Communio. Internationale Katholische Zeitschrift – Eine Geschichte von Begegnungen, Freundschaften und Leidenschaft für die Wahrheit (Bild: Screenshot der Webseite)

Kirche Schweiz

Zeit­schrift «Com­mu­nio» erscheint wie­der auf Italienisch

Nach 13 Jah­ren Pause erscheint die inter­na­tio­nale theo­lo­gi­sche Zeit­schrift «Com­mu­nio» wie­der in ita­lie­ni­scher Spra­che. Das Pro­jekt geht von Lugano aus: Chef­re­dak­tor ist René Roux, Rek­tor der dor­ti­gen Theo­lo­gi­schen Fakul­tät, und auch die Redak­tion sowie der Ver­ein «Com­mu­nio della Sviz­zera ita­liana» (Prä­si­dent: Don Willy Volonté) haben ihren Sitz in Lugano. Vor­erst sind zwei Aus­ga­ben pro Jahr geplant.

Die aktuelle Probenummer von «Communio» hat 118 Seiten und steht unter dem Motto «Der christliche Mut zum Wagnis». Das Vorwort stammt vom Rektor der Theologischen Fakultät von Lugano und Priester René Roux, Chefredaktor, sowie dessen Stellvertreter, dem in Rom lehrenden Priester der Fraternität Missionare des heiligen Karl Borromäus und Spezialisten für Dogmatik und Patristik, Paolo Prosperi. Weltweit erscheint «Communio» in 11 Sprachen und 13 eigenständigen Ausgaben und gehört zu den wichtigsten und anspruchsvollsten theologischen Stimmen innerhalb der Katholischen Kirche. Die verschiedenen Sprachausgaben sind zwar finanziell und redaktionell unabhängig. Zugleich koordinieren sich jedoch die zuständigen Verantwortlichen in einem internationalen Verbund und tauschen Beiträge aus.

Gegründet wurde «Communio» 1972, als die theologischen Schwergewichte der damaligen Ära, Hans Urs von Balthasar, Joseph Ratzinger und Henri de Lubac gemeinsam mit Louis Bouyer und Jorge Medina eine Antwort auf die Verunsicherung innerhalb der Katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil geben wollten. Zuerst erschien die Zeitschrift auf Deutsch und sogleich auch auf Italienisch unter der Leitung von Eugenio Corecco, dem späteren Bischof von Lugano, zusammen mit den italienischen Theologen Giuseppe Ruggieri und Luigi Serenthà. Zu den jungen und vorwärtsdrängenden Pionieren, die sich der Initiative anschlossen, gehörte auch der spätere Kardinal Angelo Scola.

Während das deutsche Heft aktuell sechs Mal pro Jahr und seit 2024 bei Herder erscheint, konnte sich die italienische Fassung nicht halten. Vor 13 Jahren versandete das Projekt – bis vor drei Jahren einige Freunde von René Roux ihm «einen Floh ins Ohr setzten», wie er am Sonntag, 23. August an der öffentlichen Präsentation der Zeitschrift am Kulturfestival «Meeting von Rimini» erklärte. Er glaubt fest an die Neulancierung, auch wenn sich die Zeiten geändert haben: «Es gibt aber fundamentale Dinge, die unabhängig vom kulturellen Wandel nie vergehen: Liebe, Freundschaft, die grossen Fragen und Notwendigkeiten des menschlichen Herzens […] Heute scheint die christliche Botschaft nicht mehr ernst genommen zu werden. Wir aber wollen den Mut aufbringen, zu zeigen, warum diese Botschaft für uns so wichtig ist.» Die Prioritäten seien dabei in jedem Kulturkreis unterschiedlich gelagert. So seien in der italienischen Welt anders als im deutschen Sprachraum die Gegensätze zwischen sogenannt Konservativen und Progressiven weniger deutlich. «Bei uns ist das Problem, dass man als Katholik die Bemühungen der anderen ständig kritisiert, selbst aber nichts tut».
 


Communio ist trinitarisch
«Joseph Ratzinger sagte, dass die ursprüngliche Intuition der Gründer von ‹Communio› darin bestand, im Elan des Zweiten Vatikanischen Konzils ein Konzept zu finden, das mit einem einzigen Wort das Wesen der Kirche zum Ausdruck bringen konnte. Dieses Wort war eben Communio. Die Kirche ist Communio, weil der christliche Gott in sich selbst Communio ist, das heisst Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn im Heiligen Geist.» So wird der Name der Zeitschrift auf der Webseite erklärt. 

«Es handelt sich um eine Einheit, die nicht von unten wächst, sondern die vom österlichen Gehorsam Christi gegenüber dem Vater kommt», erläuterte Massimo Camisasca, emeritierter Bischof von Reggio-Emilia-Guastalla, der zu den Protagonisten der ersten Stunde gehörte. Er erklärte in Rimini: «Die Umsetzung des Vatikanums war manchmal problematisch. Die neomarxistischen Bewegungen zogen damals viele katholische Jugendliche an, und man rüttelte an jahrhundertealten Dogmen. Die Verwirrung war enorm.» Joseph Ratzinger habe die Ekklesiologie der Communio als Synthese und Dynamik der gesamten konziliaren Lehre verstanden. Diese Ontologie dürfe aber, so Massimo Camisasca, nicht reduziert werden, weder soziologisch («man hat es gut zusammen»), noch revolutionär oder psychologisch, auch nicht als reine Offenheit gegenüber allen, als wäre man von sich aus oder automatisch gut, noch auf gesellschaftliche Ausgeglichenheit und Wohlbefinden.

Das Redaktionskomitee besteht aus den folgenden Persönlichkeiten: André-Marie Jerumanis, Marco Lamanna (Sekretär), Simona Negruzzo, Massimo Pampaloni SJ, Paolo Prosperi FSCB (stellvertretender Chefredaktor), René Roux (Chefredaktor), Antonio Tombolini (Herausgeber), Ilaria Vigorelli, Ernesto William Volonté.

In der aktuellen Nullnummer werden wichtige programmatische Texte früherer Ausgaben publiziert, die den Weg für künftige Beiträge ebnen. Die Herausforderung besteht laut den Herausgebern darin, eine ernsthafte gemeinsame Diskussion über die neue Situation in der Kirche und in der Welt nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil anzustossen und diese Diskussion als Gelegenheit zu nutzen, das Erbe des Konzils in einem neuen Licht und auf tiefere Weise zu betrachten.
 

Communio. Rivista cattolica internazionale. Jahresabo /2 Ausgaben): Print Fr. 37.–; Digital Fr. 28.–; Kombi: Fr. 46.– Link

Inhalt der Nullnummer
Editoriale
Hans Urs von Balthasar: Communio: un programma
Henri de Lubac: Credo … sanctorum communionem
Joseph Ratzinger: Vent’anni della rivista Communio. Il coraggio cristiano di rischiare
Nicholas J. Healy: Communio: un percorso teologico
Angelo Scola: Alle sorgenti della rivista Communio. Intervista di Willy Volonté
Jean-Robert Armogathe: Ecclesiologia di comunione, ecclesiologia missionaria

 


Kathrin Benz

Kathrin Benz, Jahrgang 1963, ist Schweizer Journalistin und Autorin und lebt im Tessin.


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Stefan Fleischer 27.08.2026 um 06:55
    Ja, unsere Kirche muss wieder mehr Communio werden. Aber nicht die Communio der Befreiungstheologie mit ihrer Menschzentriertheit, sondern eine Trinitaritätstheologie, aus welcher heraus dann eine Communio der Gläubigen erwächst, eine Gemeinschaft im Glauben. Dann wird ihr alles andere hinzugegeben werden. (vgl. Mt 6,33)
  • user
    Joseph Laurentin 26.08.2026 um 19:43
    Wie soll man die Wiederbelebung von Communio beurteilen? Ist es ein Versuch, die nachkonziliare Kirche von innen heraus und mit Ratzingers „Hermeneutik der Kontinuität“ zu stabilisieren? Eine wiederbelebte Communio wäre besonders wertvoll, wenn sie nicht nur Fehlentwicklungen nach dem Konzil untersucht, sondern auch kritisch fragt, ob bestimmte Entwicklungen ihre Wurzeln bereits im Konzil selbst haben.
  • user
    Meier Pirmin 26.08.2026 um 09:59
    Am meisten aufhorchen lässt der Untertitel "trinitarisch". Nimmt man denselben ernst, müsste wohl die christliche Mystik der absolute Schwerpunkt sein, also überzeitlich die abendländische Frömmigkeit. Zu diesen "trinitarischen" Impulsen hat indes die sog. Oekumenische Bewegung wie auch das Schlagwort der "abrahamitischen" Religionen wenig beigetragen, weil das Geheimnis der Heiligen Dreifaltigkeit das absolut unterscheidende Merkmal der Christlichen Religion ausmacht, total jenseits etwa der Perspekive des Islam. Es kann nicht im Ernst gesagt werden, wir würden an den nämlichen Gott glauben.