Drei weise Männer aus dem Osten treffen in Jerusalem ein. Sie sind einem Stern gefolgt, der sie zum neugeborenen König der Juden führen soll. «Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.» König Herodes, der jeden hinrichten lässt, der ihm gefährlich werden kann, selbst seine Frau und Kinder, erschrickt. Ein neuer König? Will ihm da jemand die Herrschaft streitig machen? Er befiehlt alle Hohepriester und Schriftgelehrten zu sich und fragt sie nach diesem König aus. Für sie ist aufgrund der Schrift klar: Dieser wird in Betlehem zur Welt kommen. Herodes lässt die Sterndeuter zu sich kommen und bittet sie, ihn zu informieren, wenn sie den neuen König gefunden haben. Auch er wolle hingehen und dem Kind huldigen.
Die drei Männer aus dem Osten finden den neugeborenen König in einem Stall in Bethlehem und bringen ihm ihre Geschenke. Da ihnen aber im Traum geboten wird, nicht zu Herodes zurückzukehren, kehren sie auf einem anderen Weg in ihr Land zurück. Auch Josef erscheint im Traum ein Engel, der ihm den Auftrag erteilt, sofort mit Maria und dem Neugeborenen aufzubrechen, da Herodes das Kind töten will.
«Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig und er sandte aus und liess in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. Damals erfüllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist: Ein Geschrei war in Rama zu hören, lautes Weinen und Klagen: Rahel weinte um ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn sie waren nicht mehr» (Mt 2,16–18).
Die getöteten Kinder waren unschuldig; sie kannten Jesus nicht, an dessen Stelle sie sterben mussten. Sie konnten noch nicht sprechen, aber legten durch ihr Sterben Zeugnis für Jesus Christus ab, den wahren König, der gekommen war, um die Menschen zu retten.
In der katholischen Tradition werden diese unschuldigen Kinder seit Irenäus von Lyon (2. Jahrhundert) als die ersten Märtyrer verehrt. Seit dem 6. Jahrhundert begeht die Kirche das «Fest der unschuldigen Kinder». Es ist ein Fest mit einem traurigen Klang, ist doch der Tod unschuldiger Kinder auch heute noch bittere Realität. Sie sterben als Opfer von Verfolgung, Krieg, Ungerechtigkeit oder einem Verbrechen. Sie sterben aber auch durch Abtreibungen, weil die Eltern sich nicht in der Lage sehen, für das neue Leben zu sorgen, oder schlicht das ungeborene Kind nicht wollen.
Indem die Kirche der unschuldigen Kinder gedenkt, fordert sie die Menschen dazu auf, über die Zerbrechlichkeit des Lebens und seiner mannigfachen Gefährdungen nachzudenken. Das Fest erinnert uns daran, dass die Würde des Menschen nicht vom Können, Alter oder der «Wirtschaftlichkeit» abhängt, sondern einzig davon, dass wir als Ebenbild Gottes geschaffen sind.
Das Fest bezeugt auch, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern der Übergang zu unserem ewigen Leben bei Gott.
«Die Unschuldigen Kinder erlitten für Christus den Tod. Nun folgen sie dem Lamm und singen sein Lob» (Eröffnungsvers der Messe).
Da das Fest der Unschuldigen Kinder dieses Jahr auf den Sonntag in der Weihnachtsoktav fällt, wird es liturgisch durch das Fest der Heiligen Familie verdrängt.
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