Die Kathedrale von Santiago de Compostela. (Bild: canduela/Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Weltkirche

Zuneh­men­der Pil­ger­strom nach San­tiago di Com­pos­tela zum Grab des hei­li­gen Jakobus

Schon 287 700 Pil­ge­rin­nen und Pil­ger hat das Pil­ge­r­emp­fangs­büro im spa­ni­schen San­tiago de Com­pos­tela in die­sem Jahr regis­triert. Doch der ganz grosse Pil­ge­r­an­drang am Ziel­ort des Jakobs­wegs steht erfah­rungs­ge­mäss noch aus.

Besonders viele Pilgerinnen und Pilger werden dieses Wochenende erwartet: Heute Samstag wird in Santiago das Hochfest des Apostels Jakobus gefeiert – mit einem umfangreichen religiösen und kulturellen Programm. Die traditionellen «Festas do Apóstolo» haben am Mittwoch begonnen und dauern bis Monatsende. Sie verbinden Liturgie, Wallfahrt und Volksfest und gelten als eines der bedeutendsten religiös-kulturellen Ereignisse Spaniens.

Apostelgrab als Pilgerziel
Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens zählt zu den bedeutendsten Wallfahrtsorten der katholischen Welt und steht in einer Reihe mit grossen Pilgerzielen wie Jerusalem, Rom und Guadalupe.

Der Apostel Jakobus der Ältere ist seit mehr als 1000 Jahren Schutzpatron des christlichen Spanien. Jakobus gehörte laut biblischer Überlieferung zum engsten Kreis um Jesus Christus. Als erster Märtyrer aus dem Kreis der Apostel wurde Jakobus um das Jahr 44 unter Herodes Agrippa im Heiligen Land hingerichtet. Sein Grab wurde im neunten Jahrhundert in der heutigen Stadt Santiago de Compostela entdeckt. Sie entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten zu einem wichtigen Wallfahrtsort.

Mit der Reformation und den Religionskriegen im «Durchzugsland» Frankreich versiegte der Pilgerstrom in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. 1589, als Sir Francis Drake, Sieger über die Spanische Armada, Santiago belagerte, wurden die Reliquien in Sicherheit gebracht und blieben für fast drei Jahrhunderte verschwunden – erst 1879 wurden sie wieder gefunden. 1884 bestätigte Papst Leo XIII. ihre Echtheit. Nach der Pilgerfahrt von Papst Johannes Paul II. 1982 und einer Europarats-Initiative zur Wiederbelebung der Jakobswege im Oktober 1987 hat eine Renaissance der Jakobsverehrung eingesetzt.
 


Wachsendes Interesse am Camino
Von den erwähnten bisherigen 287 700 Pilgerinnen und Pilgern waren mehr als die Hälfte Frauen (55 Prozent). Fast zwei Drittel kamen aus dem Ausland: Während aus Spanien gut 35 Prozent der Pilger auf dem Jakobsweg stammen, kamen 9,6 Prozent aus den USA, gefolgt von Italien (6,22 Prozent), Portugal (4,87 Prozent) und Deutschland (4,83 Prozent). Nur 43 Prozent der Pilgerinnen und Pilger gaben an, den Jakobsweg aus religiösen Gründen zu gehen.

In den vergangenen Jahren nahmen die Wallfahrten ans Grab des Apostels stark zu. 2025 kamen erstmals mehr als eine halbe Million Pilger in Santiago de Compostela an: 530 987 erhielten ihr Diplom. Die Voraussetzungen für den Erhalt der Urkunde hatten sich 2025 verändert: Verpflichtend war es bis dahin, mindestens die letzten 100 Kilometer bis Santiago zu wandern oder die letzten 200 Kilometer zu radeln. Laut der Erzdiözese Santiago gilt es nun, die finale Etappe bis Santiago und ansonsten beliebige Teilstücke auf den verschiedenen Achsen der Jakobswege zurückzulegen.

Das grosse Interesse am Jakobsweg dürfte sich dieses Jahr fortsetzen und sich 2027 abermals steigern. Dann nämlich beginnt das nächste heilige Jakobusjahr, was immer dann ansteht, wenn der Jakobustag am 25. Juli auf einen Sonntag fällt.
 

Der Jakobsweg ist ein europaweites Netz von Strassen und Wegen. Seit dem neunten Jahrhundert führt er Pilgerinnen und Pilger vom Baltikum über Polen, Deutschland, die Schweiz und Frankreich zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela im äussersten Nordwesten Spaniens. Neben den fast zahllosen Verästelungen und Zubringern gab es je nach Zählung vier bis sechs Hauptrouten durch Frankreich. Die «Via Lemovicensis», ging von Vézelay in Burgund aus und war der Hauptweg für Pilger aus Nord- und Westdeutschland sowie aus Osteuropa. Der sogenannte Küstenweg für Engländer und Iren verlief entlang der französischen Atlantikküste bis nach Spanien. Auch in der Schweiz gibt es verschiedene Wege des Camino Link


KNA/Redaktion


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