(Symbolbild: Krists Luhaers/Unsplash)

Kommentar

Zur aktu­el­len Lage der Kir­che in der Deutschschweiz

Der Bei­trag «Unsere Ego-​Triper von der Bischofs­kon­fe­renz» ver­an­lasste eine Lese­rin zu einer aus­führ­li­chen Bestan­des­auf­nahme der aktu­el­len Lage der Kir­che in der Deutsch­schweiz. Wir geben diese auf Wunsch in anony­mi­sier­ter Form wieder.

Für Ihren couragierten Artikel auf «wiss-cath.ch» möchte ich Ihnen herzlich danken. Wenn die Bischöfe und kirchlichen Würdenträger sich mehr auf ihre wirkliche Sendung und ihren Auftrag, den sie von Jesus direkt für die Leitung seiner Kirche bekommen haben, konzentrieren würden, sähe wahrscheinlich auch in den Gemeinden vieles anders aus.

Wieso gibt es so viele, die sich Feiern im alten Ritus wünschen? Ich bin mit diesem nicht mehr gross geworden, ich kenne ihn eigentlich nicht und habe in meiner Jugend sehr viele sehr schöne und feierlich zelebrierte Messen im neuen Ritus kennengelernt. Aber je mehr man diesen verwässert, freihändig abändert und trivialisiert, desto mehr schreckt er wirklich Gläubige ab. Wer in der Heiligen Messe Andacht, Ehrfurcht und Weisung durch eine gute, nicht politische Predigt sucht, der wird immer öfter enttäuscht von Priestern, die meinen, sich dem Zeitgeist anbiedern zu müssen und auch, ihre Schäfchen dahingehend moralisch schulen zu müssen. Kirchenräume werden mit Fastenopferplakaten und Fastentüchern moderner Art auf Wochen hinaus verunstaltet. Da spielt nicht mehr Christus als Herr über Zeit und Geschichte die Hauptrolle, sondern das Fastenopfer, das die Welt retten wird.

In vielen Kirchenräumen, meist der moderneren Art, wurde der Tabernakel auf die Seite «abgestellt», damit im Zentrum der Priester oder Bischof seinen Sitz hat und jederzeit als Mittelpunkt wahrgenommen werden kann. Der Volksaltar wird zum Universal-Büro-Arbeitstisch des Priesters: Von dort wird begrüsst, gebetet, Fürbitten gesprochen, alles Mögliche. Den Ambo braucht man fast gar nicht mehr und der Altar als geheiligter Ort für das Sakrament der Erlösung, der Feier des Gedenkens des Todes und der Auferstehung Jesu, der verborgen lebendig mitten unter uns sein will, ist als solcher nicht mehr für die Gläubigen erkenn- oder fühlbar.

So erkläre ich mir den Zulauf zum alten Ritus. Die genannten Fehlentwicklungen, denen Bischof Huonder noch, wo er konnte, entgegenwirkte und sich dafür natürlich von den sogenannten progressiven Kräften heftig als ultrakonservativ beschimpfen lassen musste, werden durch Bischöfe wie unseren, Joseph Maria Bonnemain, noch befeuert. Da ihm meiner Meinung nach nichts wichtiger ist als Ruhe in den Pfarreien, geht er entsprechenden Beschwerden nicht nach. Er unterstützt die Priester, die von lautstarken «Progressiven» gefordert und gestützt werden, und liefert andere, die zwar zahlenmässig unter Gläubigen sogar nachweislich gute Arbeit leisten und Erfolg in der Belebung der Gemeinden haben, den oft von nicht praktizierenden Karteikartenkatholiken verwalteten Kirchgemeinden aus. Sie erhalten keine Unterstützung vom Bischof, bekommen kein Gehör – ebenso wenig Gläubige, die sich in dieser Hinsicht an den Bischof wenden.

Wir haben das in unserer Pfarrei genau so erlebt. Vom Bischof erhielten wir auf Briefe, auf die Bitte, sich vor Ort ein Bild zu machen, sich den Fragen der Gläubigen zu stellen, keine Antwort, keinen Besuch, nichts. Ausser sogar direkten Lügen auf Fragen, mit denen er am Rande eines Firmgottesdienstes konfrontiert worden war.

Es ist wirklich ein Elend, dabei zusehen zu müssen. Und dann in der Presse noch zu lesen und im Fernsehen zu sehen, wie sich die sogenannten «Hirten» dort eitel profilieren. Hauptsache, das Image stimmt und es gibt keinen Auflauf in den Medien. Dazu kommt, dass man als Gläubige, die ihre guten Priester schützen wollen, nicht ebenfalls an die Medien gelangen kann. Dann nämlich findet ein solcher Priester schlicht und einfach keine Stelle mehr. Er wird vom Bischof dann endgültig fallengelassen, weil «sein Fall» ihm Ärger gemacht und eine schlechte Presse beschert hat.

Ich finde, man sollte sowohl den alten als auch den neuen Ritus nebeneinander bestehen lassen. Und dafür sorgen, dass der neue Ritus so gefeiert wird, wie er ursprünglich gedacht war. Damit wäre viel gerettet. Sämtliche anderen Experimente gehören nicht in die Heilige Messe: schlecht eingeübte Theaterstücke, schlecht vorgetragene Lesungen und unverständlich gesprochene Fürbitten in sogenannten «Familiengottesdiensten», die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt werden, weil Katechetinnen und zum Teil auch weitere Seelsorger meinen, aus der Messe Fast Food für die machen zu müssen, die sonst nie an einem Sonntagsgottesdienst teilnehmen: die Familien, deren Kinder/Jugendliche, die ausnahmsweise vom Religions-, Kommunions- oder Firmunterricht aus bei so einer Messe aktiv werden und mit dem Handy dann auch gefilmt und fotografiert werden müssen.

Sie sehen, der Frust ist gross, nicht nur bei mir, und etwas zu ändern ist fast unmöglich. Es bleibt einem fast nur die Suche nach einem anderen Ort, wo man als Gläubiger das findet, was man normalerweise in jeder Sonntagsmesse bekommen sollte. Wenn ich Verwandte in Deutschland besuche, fahre ich immer zeitig los, damit ich in der Basilika Birnau noch die Frühmesse mitfeiern kann: Im neuen Ritus, aber am Hochaltar wird dort völlig unprätentiös eine schlichte Messe gefeiert und jene, die dort sind, feiern in Andacht und Respekt mit: Aus der ganzen Umgebung kommen hier an einem Wochentag mehr Gläubige zusammen als an den allermeisten Orten an einem Sonntag. An den hohen Feiertagen ist an mehreren Messen pro Tag die Kirche voll. Dort sind all diejenigen, die aus ihren geleerten Kirchen geflüchtet sind. Sie finden dort Priester, die sich nicht in den Mittelpunkt stellen.

Wie wird es bei uns weitergehen? Ich weiss es nicht, aber ich bin immer dankbar, wenn ich meine Eindrücke und Erfahrungen in Artikeln wie Ihrem bestätigt sehe. Ansonsten komme ich mir oft wie ein Alien vor, der nicht versteht, wie modern die Kirche sein muss, um anziehend zu sein.
 

Gastkommentare spiegeln die Auffassungen ihrer Autorinnen und Autoren wider.


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Bemerkungen :

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    Schwyzerin 28.03.2026 um 12:48
    Wenn man keine Antwort vom Bistum erhält, dann sollte man sich an Rom wenden. Die Kirche ist hierarchisch. Und das muss sie in den Deutschschweizer Bistümern wieder werden. Solange das Dualesystem besteht, gibt es die Kirchensteuer. Und das gehört als allererstens abgeschafft. Erst dann kann ein Bischof aus dem Ausland das Bistum wieder ins Lot bringen.
  • user
    Daniel Ric 28.03.2026 um 07:53
    Ich teile die Auffassung, dass wir eine ganz schlimme Lage in den Deutschschweizer Bistümern beklagen müssen. Problematisch finde ich jedoch, wenn man einzelne Personen für diese Situation verantwortlich macht. Natürlich sind die jetzigen Bischöfe schwach bzw. nicht gewillt, etwas zu verändern. Aber auch unter Bischof Koch in Basel und Bischof Huonder in Chur war die Kirche im Niedergang begriffen, da beide zwar sicherlich nette und gläubige Bischöfe waren, aber keine Kraft hatten, eine Neuevangelisierung einzuleiten. Im Bistum Chur liess man den Generalvikaren Annen und Kopp freie Hand und Menschen wie Monika Schmid, die nicht einmal ein Theologiestudium absolviert hatten, erhielten eine Missio, währenddem Priester schikaniert wurden. Man fragt sich, wo all die Exponenten der früheren Bistumsleitung, die sich heute wortstark melden, damals waren. Im Bistum Basel ist Bischof Felix sicherlich eine grosse Fehlbesetzung, aber auch er stellt nicht das eigentliche Problem dar. Das Problem sind die vielen Gläubigen, die passiv sind und weiterhin brav Kirchensteuern zahlen, anstatt die Kirchgemeinden, die den Gläubigen die Sakramente verwehren, indem sie Wortgottesdienste Eucharistiefeiern vorziehen, finanziell durch einen Austritt ausbluten zu lassen. Der aktuelle Zustand der Deutschschweizer Kirche ist vor allem auch uns Laien geschuldet, da wir jahrelang diesen Unsinn mitfinanzierten und nicht energisch genug dagegen kämpften. Und man muss nicht Briefe ans Bistum schreiben, sondern direkt nach Rom, damit man dort realisiert, dass es Änderungen in der Schweiz braucht. Persönlich bin ich ohnehin dafür, dass man keine Schweizer Bischöfe mehr wählt, sondern Bischöfe aus dem Ausland eine Zeit lang die Diözesen führen, bis wir hierzulande wieder eine nötige Reife besitzen, unsere kirchlichen Angelegenheiten selber zu regeln.
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      Horst Schuller 28.03.2026 um 20:04
      "Der aktuelle Zustand der Deutschschweizer Kirche ist vor allem auch uns Laien geschuldet, da wir jahrelang diesen Unsinn mitfinanzierten und nicht energisch genug dagegen kämpften." Das finde ich eine sehr vernünftige Einsicht. Man sieht ja bei Pius, was möglich ist, wenn sich Priester und Laien wirklich im Glauben zusammentun.

      " Persönlich bin ich ohnehin dafür, dass man keine Schweizer Bischöfe mehr wählt, sondern Bischöfe aus dem Ausland eine Zeit lang die Diözesen führen, bis wir hierzulande wieder eine nötige Reife besitzen, unsere kirchlichen Angelegenheiten selber zu regeln." Es war übrigens von ca. 800 bis ca. 1800 so, über eintausend Jahre, dass die Diözese Chur dem Erzbischof von Mainz suffragan unterstellt war. Das heisst, das war integriert und hatte Regulierung von aussen.

      Was will überhaupt Zürich, Zürich hat überhaupt keine katholische Tradition mehr, alles ist abgerissen. Und jetzt wollen diese Leute uns, die wir Nachfahren von treuen Katholiken in katholischen Kantonen sind, erklären, wie Kirche zu laufen hat? Sag mal gehts noch?
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    Donatella 27.03.2026 um 22:12
    Ganz gut geschrieben, danke!! Es ist leider so in zu vielen Pfarreien. Und da wird noch gestaunt, warum sie leer bleiben... wo die Familien und die Kinder seien, und man schliesst das Thema schlicht und einfach mit der leichtfertigen Behauptung, es gäbe keine Gläubigen mehr... und man springt von einem Experiment zum nächsten und will man nicht wahrnehmen, dass es nur noch schlimmer wird. Gläubige gibt es zwar und immer mehr, und ganz besonders junge Menschen, jedoch suchen sie die Nahrung dort, wo sie sie bekommen. DEO GRATIAS! AD MAIOREM DEI GLORIAM!
  • user
    Yvonne Edwards 27.03.2026 um 17:46
    Liebe Gast-Kommentatorin, was Sie beschreiben entspricht leider der Realität, es ist die Verweltlichung der Kirche, ein Vorgang, der sich in die Kirche eingeschlichen hat und vor dem die Päpste seit Leo XIII. eindringlich gewarnt haben. Wir können beobachten, dass noch in einzelnen Orten -wie Birnau- die Heilige Messe im Novus Ordo würdig gefeiert wird, aber die Zahl solcher Orte hat mit der Zeit leider abgenommen. Es ist höchste Zeit, sich mit dem Einfluss des 2. Vatikanischen Konzil kritisch auseinanderzusetzen, wodurch die Kirche einem evolutiven Prozess unterworfen wurde. Daraus folgt der Widerspruch mit der Tradition. Es gibt nur einen heilsamen Ausweg: Zurück zu den katholischen Wurzeln!
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      Lausannerin 28.03.2026 um 19:51
      Also in der Westschweiz wird der neue Ritus würdig gefeiert. Jedenfalls dort wo ich es sehe.
  • user
    Marie-Thérèse Hüsler 27.03.2026 um 14:07
    Vielen Dank an diese Leserin.
    Ich erlebe das im Bistum Basel praktisch genau so. Leider!!!
    Bitte diesen Leserbrief auch in anderen Medien verbreiten.
  • user
    Joel Rietmann 26.03.2026 um 15:24
    Wow.... einfach nur wow!!!! Ich hoffe, die ganze Welt lernt diesen Beitrag kennen!
  • user
    Stefanie Weber 26.03.2026 um 11:52
    Vielen herzlichen Dank für diese Veröffentlichung. Es spricht mir auch aus dem Herzen. Danke.
  • user
    Heinz Meier 26.03.2026 um 09:39
    Anonymität - wozu? Anonyme Briefe/Anrufe/Mails sind für den Abfall bestimmt!
    • user
      Redaktion 26.03.2026 um 11:22
      Es handelt sich nicht um eine anonyme Zusendung, sondern um eine von der Redaktion anonymisierte Zusendung. Die Redaktion hat auf Wunsch der Verfasserin des Kommentars die Anonymisierung vorgenommen. Dies entspricht der gängigen journalistischen Praxis für Fälle, bei denen die Verfasser oder Dritte aus nachvollziehbaren Gründen Nachteile bzw. Sanktionen befürchten müssen. Der vorliegende Sachverhalt ist unter diese Prämisse zu subsumieren.
  • user
    Rolf Kalbermatter 26.03.2026 um 06:36
    Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre offenen Worte.
    Man spürt in Ihrem Schreiben nicht einfach Kritik – man spürt eine tiefe Liebe zur Kirche und eine Sehnsucht nach einer würdigen, ehrfürchtigen Feier der Heiligen Messe. Das nehme ich sehr ernst.

    Vieles von dem, was Sie ansprechen, berührt auch uns als Seelsorger.
    Wir erleben selbst, wie unterschiedlich die Erwartungen sind:
    Die einen wünschen sich mehr Tiefe, Stille und klare Ausrichtung auf Christus.
    Andere suchen Zugänge, die ihnen helfen, überhaupt einen Schritt in die Kirche zu tun.

    Unsere Aufgabe in der Kirche ist es, beides nicht gegeneinander auszuspielen, sondern verantwortungsvoll miteinander zu verbinden.

    Sie haben einen wichtigen Punkt angesprochen:
    Die Heilige Messe darf nicht verwässert werden.
    Sie ist nicht unser „Werk“, das wir beliebig gestalten können – sie ist Geschenk und Geheimnis.
    Wo Ehrfurcht verloren geht, geht tatsächlich etwas Wesentliches verloren.

    Gleichzeitig stehen wir als Kirche in einer Zeit, in der viele Menschen den Zugang zum Glauben verloren haben. Darum bemühen wir uns, Formen zu finden, die verständlich sind, ohne den Kern zu verlieren. Das gelingt nicht immer gleich gut – und ja, es gibt auch Entwicklungen, die kritisch zu hinterfragen sind.

    Was den alten und den neuen Ritus betrifft:
    Ich teile die Überzeugung, dass Vielfalt innerhalb der Einheit möglich sein darf – solange Christus im Zentrum steht und die Kirche in ihrer Gemeinschaft gewahrt bleibt.

    Besonders berührt hat mich Ihre Erfahrung, sich nicht gehört zu fühlen.
    Das darf so nicht sein. Kirche lebt vom gegenseitigen Hören – auch von Seiten der Verantwortlichen.

    Ich nehme Ihre Worte als Ermutigung, selbst wachsam zu bleiben:
    dass wir als Priester nicht uns in den Mittelpunkt stellen,
    sondern Christus Raum geben,
    dass unsere Liturgien nicht beliebig werden,
    sondern tragen, nähren und stärken.

    Und ich vertraue darauf:
    Gott lässt seine Kirche nicht los – auch nicht in schwierigen Zeiten.
    Er wirkt oft leise, aber treu.
    • user
      Peter Elisabeth 26.03.2026 um 09:32
      Man muss sich nicht extra dem vermeintlichen Niveau der Leute anpassen, um sie wirklich abzuholen. Es genügt vollkommen, die Heilige Messe authentisch und würdevoll nach den klaren katholischen Vorgaben zu feiern. Gerade dann, wenn sie in ihrer ganzen sakralen Schönheit und ihrem Mysterium gefeiert wird, wirkt sie am stärksten.
      Entscheidend ist dabei vor allem eines: Der Priester muss selbst überzeugt gläubig sein und Christus durch sich hindurchscheinen lassen. Die Gläubigen spüren sehr genau, ob der Zelebrant selber vom Glauben ergriffen ist oder nur eine Rolle spielt. Wo das geschieht, braucht es keine zusätzlichen „volksnahen“ Inszenierungen.
      Denn in der Liturgie zählt letztlich nicht, was das Volk intellektuell „versteht“, sondern was wirkt. Das Mysterium übersteigt den menschlichen Verstand – das gilt sogar für fortgeschrittene Christen.
      • user
        Rolf Kalbermatter 27.03.2026 um 07:09
        Ja – die Heilige Messe entfaltet ihre stärkste Kraft dort, wo sie würdig, ehrfürchtig und aus einem lebendigen Glauben heraus gefeiert wird.
        Und ja – die Gläubigen spüren sehr genau, ob ein Priester selbst von Christus getragen ist oder ob er nur „funktioniert“. Das ist eine grosse Verantwortung für uns.

        Auch das stimmt:
        Die Liturgie ist ein Mysterium, das unseren Verstand übersteigt.
        Sie ist nicht einfach etwas, das wir „machen“, sondern etwas, das an uns geschieht.

        Und dennoch möchte ich einen Punkt behutsam ergänzen:

        Wir feiern die Liturgie nicht im luftleeren Raum, sondern mit konkreten Menschen – mit Kindern, Jugendlichen, Suchenden, Zweifelnden, Fernstehenden.
        Und wir haben als Kirche auch die Aufgabe, ihnen Türen zu öffnen, damit sie überhaupt in Berührung mit diesem Geheimnis kommen können.

        Dabei geht es nicht darum, das Niveau zu senken oder das Heilige zu relativieren.
        Sondern darum, Wege zu finden, wie Menschen hineinwachsen können – Schritt für Schritt.

        Ich erlebe:
        Gerade dort, wo beides zusammenkommt –
        eine würdige, klare Feier der Liturgie
        und eine echte Sorge um die Menschen, die da sind –
        dort geschieht etwas Gutes.

        Unser Auftrag in der Kirche ist es, Christus Raum zu geben.
        Und zugleich die Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren, für die er gekommen ist.
        • user
          Nicole14 27.03.2026 um 07:28
          Sehr geehrter Kalbermatter
          Vielen Dank für Ihre positiven Kommentare. Ich möchte trotzdem einen kleinen Kritikpunkt anbringen: In der Eucharistiefeier geht es nicht darum, die unterschiedlichsten Menschen «abzuholen», sondern darum, unseren Glauben zu feiern. In der Alten Kirche mussten Katechumenen bekanntlich die Heilige Messe nach dem Wortgottesdienst verlassen, Ungläubige waren gar nicht erst zugelassen. Die Heilige Messe dient allein dem Gottes-Dienst. Es ist auch nicht nötig, den Gottesdienst intellektuell zu verstehen. Wir Menschen können z. B. auch durch Musik oder ein Bild tief bewegt werden, ohne etwas von Noten oder vom Goldenen Schnitt zu verstehen.
  • user
    Br. Paul Zahner OFM 25.03.2026 um 21:11
    Das Zentrum unseres christlichen Glaubens ist der Lobpreis Gottes. Ihn in die Mitte zu stellen erneuert unser Leben von Innen her. Das ist nicht immer leicht, weil es im Alltäglichen viel Belastendes gibt. Aber eine Kirche darf nicht aus den Belastungen leben, sondern darf immer neu das Geschenk der Gegenwart Gottes erleben und erfahren. Christus schenkt sich heute, hier und jetzt. Wenn wir das nicht mehr sehen, verfallen wir der Dunkelheit. Das Licht aber zerbricht die Finsternis. Nicht das Kreuz mit seinem Leiden siegt, sondern der Auferstandene durchschreitet das Kreuz und erfüllt uns mit neuem Leben. Wir könnten aus dem Loben leben und immer neu die Geschenke der göttlichen Gegenwart erfahren. Für mich ist das der Weg der Kirche heute und jetzt. Je mehr wir Menschen, die Menschen in der Kirche dienen, ins Zentrum stellen, desto erfreulicher wird das Kirchesein. Ich kenne die dunklen Abgründe, aber ich versuche ihnen nicht zu verfallen, sondern versuche aus der Osterfreude heraus zu leben. Erst am Ostermorgen beginnt die Kirche lebendig zu werden und an Pfingsten wird sie heute noch vom Geist Gottes erfüllt und bewegt. DAS ist für mich die aktuelle Lage der Kirche heute und jetzt.