Für Ihren couragierten Artikel auf «wiss-cath.ch» möchte ich Ihnen herzlich danken. Wenn die Bischöfe und kirchlichen Würdenträger sich mehr auf ihre wirkliche Sendung und ihren Auftrag, den sie von Jesus direkt für die Leitung seiner Kirche bekommen haben, konzentrieren würden, sähe wahrscheinlich auch in den Gemeinden vieles anders aus.
Wieso gibt es so viele, die sich Feiern im alten Ritus wünschen? Ich bin mit diesem nicht mehr gross geworden, ich kenne ihn eigentlich nicht und habe in meiner Jugend sehr viele sehr schöne und feierlich zelebrierte Messen im neuen Ritus kennengelernt. Aber je mehr man diesen verwässert, freihändig abändert und trivialisiert, desto mehr schreckt er wirklich Gläubige ab. Wer in der Heiligen Messe Andacht, Ehrfurcht und Weisung durch eine gute, nicht politische Predigt sucht, der wird immer öfter enttäuscht von Priestern, die meinen, sich dem Zeitgeist anbiedern zu müssen und auch, ihre Schäfchen dahingehend moralisch schulen zu müssen. Kirchenräume werden mit Fastenopferplakaten und Fastentüchern moderner Art auf Wochen hinaus verunstaltet. Da spielt nicht mehr Christus als Herr über Zeit und Geschichte die Hauptrolle, sondern das Fastenopfer, das die Welt retten wird.
In vielen Kirchenräumen, meist der moderneren Art, wurde der Tabernakel auf die Seite «abgestellt», damit im Zentrum der Priester oder Bischof seinen Sitz hat und jederzeit als Mittelpunkt wahrgenommen werden kann. Der Volksaltar wird zum Universal-Büro-Arbeitstisch des Priesters: Von dort wird begrüsst, gebetet, Fürbitten gesprochen, alles Mögliche. Den Ambo braucht man fast gar nicht mehr und der Altar als geheiligter Ort für das Sakrament der Erlösung, der Feier des Gedenkens des Todes und der Auferstehung Jesu, der verborgen lebendig mitten unter uns sein will, ist als solcher nicht mehr für die Gläubigen erkenn- oder fühlbar.
So erkläre ich mir den Zulauf zum alten Ritus. Die genannten Fehlentwicklungen, denen Bischof Huonder noch, wo er konnte, entgegenwirkte und sich dafür natürlich von den sogenannten progressiven Kräften heftig als ultrakonservativ beschimpfen lassen musste, werden durch Bischöfe wie unseren, Joseph Maria Bonnemain, noch befeuert. Da ihm meiner Meinung nach nichts wichtiger ist als Ruhe in den Pfarreien, geht er entsprechenden Beschwerden nicht nach. Er unterstützt die Priester, die von lautstarken «Progressiven» gefordert und gestützt werden, und liefert andere, die zwar zahlenmässig unter Gläubigen sogar nachweislich gute Arbeit leisten und Erfolg in der Belebung der Gemeinden haben, den oft von nicht praktizierenden Karteikartenkatholiken verwalteten Kirchgemeinden aus. Sie erhalten keine Unterstützung vom Bischof, bekommen kein Gehör – ebenso wenig Gläubige, die sich in dieser Hinsicht an den Bischof wenden.
Wir haben das in unserer Pfarrei genau so erlebt. Vom Bischof erhielten wir auf Briefe, auf die Bitte, sich vor Ort ein Bild zu machen, sich den Fragen der Gläubigen zu stellen, keine Antwort, keinen Besuch, nichts. Ausser sogar direkten Lügen auf Fragen, mit denen er am Rande eines Firmgottesdienstes konfrontiert worden war.
Es ist wirklich ein Elend, dabei zusehen zu müssen. Und dann in der Presse noch zu lesen und im Fernsehen zu sehen, wie sich die sogenannten «Hirten» dort eitel profilieren. Hauptsache, das Image stimmt und es gibt keinen Auflauf in den Medien. Dazu kommt, dass man als Gläubige, die ihre guten Priester schützen wollen, nicht ebenfalls an die Medien gelangen kann. Dann nämlich findet ein solcher Priester schlicht und einfach keine Stelle mehr. Er wird vom Bischof dann endgültig fallengelassen, weil «sein Fall» ihm Ärger gemacht und eine schlechte Presse beschert hat.
Ich finde, man sollte sowohl den alten als auch den neuen Ritus nebeneinander bestehen lassen. Und dafür sorgen, dass der neue Ritus so gefeiert wird, wie er ursprünglich gedacht war. Damit wäre viel gerettet. Sämtliche anderen Experimente gehören nicht in die Heilige Messe: schlecht eingeübte Theaterstücke, schlecht vorgetragene Lesungen und unverständlich gesprochene Fürbitten in sogenannten «Familiengottesdiensten», die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt werden, weil Katechetinnen und zum Teil auch weitere Seelsorger meinen, aus der Messe Fast Food für die machen zu müssen, die sonst nie an einem Sonntagsgottesdienst teilnehmen: die Familien, deren Kinder/Jugendliche, die ausnahmsweise vom Religions-, Kommunions- oder Firmunterricht aus bei so einer Messe aktiv werden und mit dem Handy dann auch gefilmt und fotografiert werden müssen.
Sie sehen, der Frust ist gross, nicht nur bei mir, und etwas zu ändern ist fast unmöglich. Es bleibt einem fast nur die Suche nach einem anderen Ort, wo man als Gläubiger das findet, was man normalerweise in jeder Sonntagsmesse bekommen sollte. Wenn ich Verwandte in Deutschland besuche, fahre ich immer zeitig los, damit ich in der Basilika Birnau noch die Frühmesse mitfeiern kann: Im neuen Ritus, aber am Hochaltar wird dort völlig unprätentiös eine schlichte Messe gefeiert und jene, die dort sind, feiern in Andacht und Respekt mit: Aus der ganzen Umgebung kommen hier an einem Wochentag mehr Gläubige zusammen als an den allermeisten Orten an einem Sonntag. An den hohen Feiertagen ist an mehreren Messen pro Tag die Kirche voll. Dort sind all diejenigen, die aus ihren geleerten Kirchen geflüchtet sind. Sie finden dort Priester, die sich nicht in den Mittelpunkt stellen.
Wie wird es bei uns weitergehen? Ich weiss es nicht, aber ich bin immer dankbar, wenn ich meine Eindrücke und Erfahrungen in Artikeln wie Ihrem bestätigt sehe. Ansonsten komme ich mir oft wie ein Alien vor, der nicht versteht, wie modern die Kirche sein muss, um anziehend zu sein.
Gastkommentare spiegeln die Auffassungen ihrer Autorinnen und Autoren wider.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
" Persönlich bin ich ohnehin dafür, dass man keine Schweizer Bischöfe mehr wählt, sondern Bischöfe aus dem Ausland eine Zeit lang die Diözesen führen, bis wir hierzulande wieder eine nötige Reife besitzen, unsere kirchlichen Angelegenheiten selber zu regeln." Es war übrigens von ca. 800 bis ca. 1800 so, über eintausend Jahre, dass die Diözese Chur dem Erzbischof von Mainz suffragan unterstellt war. Das heisst, das war integriert und hatte Regulierung von aussen.
Was will überhaupt Zürich, Zürich hat überhaupt keine katholische Tradition mehr, alles ist abgerissen. Und jetzt wollen diese Leute uns, die wir Nachfahren von treuen Katholiken in katholischen Kantonen sind, erklären, wie Kirche zu laufen hat? Sag mal gehts noch?
Ich erlebe das im Bistum Basel praktisch genau so. Leider!!!
Bitte diesen Leserbrief auch in anderen Medien verbreiten.
Man spürt in Ihrem Schreiben nicht einfach Kritik – man spürt eine tiefe Liebe zur Kirche und eine Sehnsucht nach einer würdigen, ehrfürchtigen Feier der Heiligen Messe. Das nehme ich sehr ernst.
Vieles von dem, was Sie ansprechen, berührt auch uns als Seelsorger.
Wir erleben selbst, wie unterschiedlich die Erwartungen sind:
Die einen wünschen sich mehr Tiefe, Stille und klare Ausrichtung auf Christus.
Andere suchen Zugänge, die ihnen helfen, überhaupt einen Schritt in die Kirche zu tun.
Unsere Aufgabe in der Kirche ist es, beides nicht gegeneinander auszuspielen, sondern verantwortungsvoll miteinander zu verbinden.
Sie haben einen wichtigen Punkt angesprochen:
Die Heilige Messe darf nicht verwässert werden.
Sie ist nicht unser „Werk“, das wir beliebig gestalten können – sie ist Geschenk und Geheimnis.
Wo Ehrfurcht verloren geht, geht tatsächlich etwas Wesentliches verloren.
Gleichzeitig stehen wir als Kirche in einer Zeit, in der viele Menschen den Zugang zum Glauben verloren haben. Darum bemühen wir uns, Formen zu finden, die verständlich sind, ohne den Kern zu verlieren. Das gelingt nicht immer gleich gut – und ja, es gibt auch Entwicklungen, die kritisch zu hinterfragen sind.
Was den alten und den neuen Ritus betrifft:
Ich teile die Überzeugung, dass Vielfalt innerhalb der Einheit möglich sein darf – solange Christus im Zentrum steht und die Kirche in ihrer Gemeinschaft gewahrt bleibt.
Besonders berührt hat mich Ihre Erfahrung, sich nicht gehört zu fühlen.
Das darf so nicht sein. Kirche lebt vom gegenseitigen Hören – auch von Seiten der Verantwortlichen.
Ich nehme Ihre Worte als Ermutigung, selbst wachsam zu bleiben:
dass wir als Priester nicht uns in den Mittelpunkt stellen,
sondern Christus Raum geben,
dass unsere Liturgien nicht beliebig werden,
sondern tragen, nähren und stärken.
Und ich vertraue darauf:
Gott lässt seine Kirche nicht los – auch nicht in schwierigen Zeiten.
Er wirkt oft leise, aber treu.
Entscheidend ist dabei vor allem eines: Der Priester muss selbst überzeugt gläubig sein und Christus durch sich hindurchscheinen lassen. Die Gläubigen spüren sehr genau, ob der Zelebrant selber vom Glauben ergriffen ist oder nur eine Rolle spielt. Wo das geschieht, braucht es keine zusätzlichen „volksnahen“ Inszenierungen.
Denn in der Liturgie zählt letztlich nicht, was das Volk intellektuell „versteht“, sondern was wirkt. Das Mysterium übersteigt den menschlichen Verstand – das gilt sogar für fortgeschrittene Christen.
Und ja – die Gläubigen spüren sehr genau, ob ein Priester selbst von Christus getragen ist oder ob er nur „funktioniert“. Das ist eine grosse Verantwortung für uns.
Auch das stimmt:
Die Liturgie ist ein Mysterium, das unseren Verstand übersteigt.
Sie ist nicht einfach etwas, das wir „machen“, sondern etwas, das an uns geschieht.
Und dennoch möchte ich einen Punkt behutsam ergänzen:
Wir feiern die Liturgie nicht im luftleeren Raum, sondern mit konkreten Menschen – mit Kindern, Jugendlichen, Suchenden, Zweifelnden, Fernstehenden.
Und wir haben als Kirche auch die Aufgabe, ihnen Türen zu öffnen, damit sie überhaupt in Berührung mit diesem Geheimnis kommen können.
Dabei geht es nicht darum, das Niveau zu senken oder das Heilige zu relativieren.
Sondern darum, Wege zu finden, wie Menschen hineinwachsen können – Schritt für Schritt.
Ich erlebe:
Gerade dort, wo beides zusammenkommt –
eine würdige, klare Feier der Liturgie
und eine echte Sorge um die Menschen, die da sind –
dort geschieht etwas Gutes.
Unser Auftrag in der Kirche ist es, Christus Raum zu geben.
Und zugleich die Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren, für die er gekommen ist.
Vielen Dank für Ihre positiven Kommentare. Ich möchte trotzdem einen kleinen Kritikpunkt anbringen: In der Eucharistiefeier geht es nicht darum, die unterschiedlichsten Menschen «abzuholen», sondern darum, unseren Glauben zu feiern. In der Alten Kirche mussten Katechumenen bekanntlich die Heilige Messe nach dem Wortgottesdienst verlassen, Ungläubige waren gar nicht erst zugelassen. Die Heilige Messe dient allein dem Gottes-Dienst. Es ist auch nicht nötig, den Gottesdienst intellektuell zu verstehen. Wir Menschen können z. B. auch durch Musik oder ein Bild tief bewegt werden, ohne etwas von Noten oder vom Goldenen Schnitt zu verstehen.