Es war ein ökumenischer Anlass innerhalb der Katholischen Kirche, wenn man dem so sagen will. Die Byzantinische Vesper wurde von Angehörigen der mit Rom verbundenen Kirchen zelebriert und gesungen. Ablauf und Inhalt sind mit Ausnahme des Gebets für den Papst identisch mit der Feier der Vesper, wie sie in den orthodoxen Kirchen gefeiert wird. Hauptzelebrant war Chrysostomos Kanavakis, Priestermönch der melkitisch-katholischen Kirche. Den ad hoc-Chor dirigierte Natalia Subbotina. Sie stammt aus der Krim und gehört der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine an.
Die vom Hofzeremoniell der byzantinischen Kaiser beeinflusste Liturgie beeindruckt immer wieder durch ihren Formen- und Symbolreichtum, so auch an diesem Abend. Die harmonisch ineinander übergehenden Teile der Liturgie ergriffen Herz, Sinn und Verstand – gleichsam eine Vorwegnahme des in Christus vollendeten göttlichen Kosmos. Die durchgehend gesungene Liturgie wurde in deutscher Sprache vorgetragen. Die je unterschiedlich ausgestalteten Litaneien bildeten zusammen mit dem Lobpreis des Tagesheiligen Euthymios das Herzstück der Vesper. Sie klingen für westliche Ohren oft fremd und verdienen es gerade deshalb, gehört zu werden.
«Du ragtest hervor, durch Schau und Tat erstrahlend. Dein engelgleiches Leben ist ein Richtmass der Tugend und ein verlässliches Vorbild für jene, die wünschen, Gott in Vollkommenheit zu dienen. Durch dein gottweises Wort aber, Euthymios, hast du gelehrt, die Dreiheit zu verehren, Christus aber als den Einen in zwei Naturen Erkannten und die Synoden auch, die gleich sind an Zahl dem vierfachen Evangelium Christi. Ihn bitte, dass Errettung finden und Erleuchtung unsere Seelen.» (Auszug aus dem Hymnus des Tagesheiligen Euthymios).
Das byzantinische Abendlob schloss passend zu seinem Namen mit dem Gesang des greisen Simeon: «Nun entlässest Du, Herr, Deinen Diener nach Deinem Wort in Frieden; denn meine Augen haben Dein Heil gesehen, das Du bereitet vor aller Völker Angesicht, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Verherrlichung Deines Volkes Israel» – gefolgt von der Segnung der Speisen und der Gläubigen.
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