Gesprächsrunde mit Moderator Gian Rudin, Natalia Subbotina, Pater Chrysostomos Kanavakis, Werner Dudli und Diakon Daniel Blätter (v. r.). (Bild: Niklaus Herzog/swiss-cath.ch)

Weltkirche

Zur Ein­heits­wo­che: Byzan­ti­ni­sche Ves­per in Zürich

Im Rah­men der Gebets­wo­che für die Ein­heit der Chris­ten fand am 19. Januar 2026 in der Stadt­zür­cher Pfar­rei St. Josef eine Byzan­ti­ni­sche Ves­per mit anschlies­sen­der Gesprächs­runde statt.

Es war ein ökumenischer Anlass innerhalb der Katholischen Kirche, wenn man dem so sagen will. Die Byzantinische Vesper wurde von Angehörigen der mit Rom verbundenen Kirchen zelebriert und gesungen. Ablauf und Inhalt sind mit Ausnahme des Gebets für den Papst identisch mit der Feier der Vesper, wie sie in den orthodoxen Kirchen gefeiert wird. Hauptzelebrant war Chrysostomos Kanavakis, Priestermönch der melkitisch-katholischen Kirche. Den ad hoc-Chor dirigierte Natalia Subbotina. Sie stammt aus der Krim und gehört der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine an.

Die vom Hofzeremoniell der byzantinischen Kaiser beeinflusste Liturgie beeindruckt immer wieder durch ihren Formen- und Symbolreichtum, so auch an diesem Abend. Die harmonisch ineinander übergehenden Teile der Liturgie ergriffen Herz, Sinn und Verstand – gleichsam eine Vorwegnahme des in Christus vollendeten göttlichen Kosmos. Die durchgehend gesungene Liturgie wurde in deutscher Sprache vorgetragen. Die je unterschiedlich ausgestalteten Litaneien bildeten zusammen mit dem Lobpreis des Tagesheiligen Euthymios das Herzstück der Vesper. Sie klingen für westliche Ohren oft fremd und verdienen es gerade deshalb, gehört zu werden.

«Du ragtest hervor, durch Schau und Tat erstrahlend. Dein engelgleiches Leben ist ein Richtmass der Tugend und ein verlässliches Vorbild für jene, die wünschen, Gott in Vollkommenheit zu dienen. Durch dein gottweises Wort aber, Euthymios, hast du gelehrt, die Dreiheit zu verehren, Christus aber als den Einen in zwei Naturen Erkannten und die Synoden auch, die gleich sind an Zahl dem vierfachen Evangelium Christi. Ihn bitte, dass Errettung finden und Erleuchtung unsere Seelen.» (Auszug aus dem Hymnus des Tagesheiligen Euthymios).

Das byzantinische Abendlob schloss passend zu seinem Namen mit dem Gesang des greisen Simeon: «Nun entlässest Du, Herr, Deinen Diener nach Deinem Wort in Frieden; denn meine Augen haben Dein Heil gesehen, das Du bereitet vor aller Völker Angesicht, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Verherrlichung Deines Volkes Israel» – gefolgt von der Segnung der Speisen und der Gläubigen.
 


Die Exklusivität der menschlichen Stimme
Das im Anschluss an die Byzantinische Vesper durchgeführte Podiumsgespräch moderierte sachkundig Gian Rudin, Seelsorger der Pfarrei St. Josef. Im Zentrum standen die bekannten (Streit-)Fragen zwischen der Orthodoxie und der Katholischen Kirche wie «Ehrenprimat oder Jurisdiktionsprimat des Papstes» und das «Filioque – Vertiefung oder Verfälschung des Glaubensbekenntnisses?» sowie das Ringen um einen gemeinsamen Ostertermin.

Ein besonderes Augenmerk galt der Frage, weshalb in den Gottesdiensten der Ostkirchen Instrumente wie z. B. die Orgeln nicht zugelassen sind, sondern einzig und allein die menschliche Stimme als würdig erachtet wird, Gott zu ehren und zu preisen.

Werner Dudli, langjähriger Leiter des Schweizer Romanos-Chores und exzellenter Kenner der ostkirchlichen Musik, vermittelte aufschlussreiche Hintergründe: Die Exklusivität der menschlichen Stimme in der ostkirchlichen Liturgie ist nicht theologisch-dogmatisch, sondern rein kulturell bedingt. Mitten in den Revolutionswirren stellte der berühmte Komponist Alexander Gretschaninow (1864–1956) am Landeskonzil der Russisch-Orthodoxen Kirche im Jahre 1917 den Antrag, zur Hebung der Qualität und Unterstützung des Kirchengesangs vor allem in kleinen Pfarreien die Begleitung durch Orgel bzw. Harmonium zu erlauben. Der Antrag wurde mit einem Stimmenverhältnis von 8 : 3 abgelehnt. Nicht gemeint war mit diesem Vorstoss das improvisierte, ellenlange Geklimper vorzugsweise während der Gabenbereitung und des Kommunionempfangs, mit welchem Organisten hierzulande nur allzu oft die Ohren der Gläubigen zu malträtieren pflegen. Dass das Verbot von Instrumenten in Gottesdiensten auch in der Orthodoxie nicht in Stein gemeisselt ist, zeigt das Beispiel des Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus, der 1997 im Madison Square Garden in New York eine Liturgie feierte, deren Gesänge von der Orgel begleitet wurden.
 


Die Dirigentin des ad hoc-Chores bei der Byzantinischen Vesper in der Pfarrei St. Josef, Natalia Subbotina, stammt aus Simferopol (Krim), wo sie geboren und aufgewachsen ist. Im Jahre 2025 promovierte sie an der Ukrainischen Freien Universität in München im Bereich Rechtswissenschaft (Völkerrecht). Aktuell gibt sie Vorlesungen an der Ukrainischen Freien Universität in München und an der Ukrainischen Katholischen Universität in Lemberg (heute Lwiw). Seit 2023 leitet sie den Chor der Ukrainischen, Griechisch-Katholischen Pfarrei Asam in München. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Bewahrung und Weitergabe der Kyjiw-Galizischen Liturgie.


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

  • user
    Athanasius Abplanalp 26.01.2026 um 19:16
    «Lemberg (heute Lwiw)». Was soll das heissen? Diese ukrainische Stadt hat wie viele grössere Städte in unterschiedlichen Sprachen unterschiedliche Namen. Polnisch heisst die Stadt Lwów, ukrainisch Lwiw, russisch Lwow, deutsch Lemberg. Das ist heute so und war auch vor 200 oder 300 Jahren so. Wenn man sagt «Lemberg (heute Lwiw)», sollte man auch sagen «Genf (heute Genève)», «Prag (heute Praha)», «Warschau (heute Warszawa)», «Kopenhagen (heute København)», «Mailand (heute Milano)» usw.