Die Reliquien des heiligen Bruder Klaus. (Bild: Niklaus Herzog/swiss-cath.ch)

Kirche Schweiz

Zwei grosse Hei­lige ver­bin­den den Liba­non und die Schweiz

Die­ses Wochen­ende fin­den in San Vit­tore und Rover­edo GR ver­schie­dene Ver­an­stal­tun­gen rund um die Schweiz und den Liba­non statt. Höhe­punkt ist die Über­füh­rung der Reli­quien des hei­li­gen Char­bel Makhlouf in die Kapelle Santa Croce, wo bereits die Reli­quien des hei­li­gen Bru­der Klaus ruhen.

Im Jahr 2024 feierte Graubünden «500 Jahre Freistaat Drei Bünde». Einer der sieben Bundestage der Festlichkeiten fand am Nationalfeiertag in Roveredo und San Vittore statt. In diesem Zusammenhang wurden die Reliquien des Nationalheiligen Nikolaus von Flüe in einer feierlichen Prozession in die Kapelle Santa Croce in San Vittore überführt. Das Pontifikalamt feierte Kardinal Oscar Cantoni, Bischof von Como, mit dem Generalvikar der Erzdiözese Mailand, Weihbischof Franco Agnesi, dem Bischof von Chur, Joseph Maria Bonnemain, sowie Abt Vigeli Monn aus dem Benediktinerkloster Disentis. Die im Gottesdienst gesungene Messe hatte der jüdische Leiter der Scala in Mailand, Vittore Veneziani, während seines Exils in Roveredo 1943 aus Dankbarkeit für die lokale Schule komponiert.

Die Idee hinter diesen Feierlichkeiten war die Schaffung eines Zentrums für Gebet, Begegnung und Austausch für den Frieden in der Kapelle Santa Croce. Angesichts der Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und in verschiedenen Ländern Afrikas ein höchst aktuelles Anliegen. Inzwischen fanden bereits einzelne Veranstaltungen statt.

An diesem Wochenende organisieren das Dicastero Cultura del Comune di Roveredo und die Pfarrgemeinde San Vittore anlässlich des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs (1945–2025) verschiedene Beiträge rund um die Beziehungen zwischen der Schweiz und dem Libanon. Dass diese Kombination etwas seltsam erscheint, hat einen konkreten Hintergrund: Die beiden Anlässe wurden unabhängig voneinander geplant. Als man sich der Terminüberschneidung bewusst wurde, beschlossen die Verantwortlichen, die beiden Veranstaltungen zu verbinden. «Wir wissen, dass im Zweiten Weltkrieg die Faschisten konkrete Pläne hatten, die italienischsprachigen Gebiete der Schweiz einzunehmen», erklärt Charles Gallo, Vizepräsident des Pfarrgemeinderates von San Vittore. «Wir sind deshalb sensibel für dieses Thema und feiern das Ende des Zweiten Weltkrieges.»
 


Auf das gleiche Wochenende war eine Veranstaltung in der Kapelle Santa Croce geplant. Es werden die Reliquien des libanesischen Heiligen Charbel Makhlouf feierlich in die Kapelle überführt. «Der heilige Charbel steht für Frieden, deshalb passen die beiden Anlässe gut zusammen.»

Doch warum der heilige Charbel? Warum der Libanon? «Der Gründer der Vereinigung Solidarité Liban-Suisse ist ein Kollege von mir», erklärt Charles Gallo. «Durch ihn kam ich mit der Vereinigung in Kontakt und war dann während zehn Jahren ihr Präsident». Der heilige Niklaus von Flüe und der heilige Charbel haben ähnliche Biografien und es finden sich deshalb in Kirchen oft Reliquien von beiden Heiligen, so z. B. in Stans NW, aber auch in Hiroshima (Japan). In der Kapelle Santa Croce gibt es seit einem Jahr Reliquien von unserem Landespatron, so war es ein logischer Gedanke, jetzt auch Reliquien des heiligen Charbel in die Kapelle zu überführen.

Doch noch ist der heilige Charbel nur wenigen bekannt. Deshalb finden am Wochenende verschiedene Veranstaltungen statt, um diesen Heiligen und auch die Situation im Libanon bekannter zu machen.

Am Samstagnachmittag um 17 Uhr findet unter dem Titel «(Un)mögliche Dialoge: Die Schweiz zwischen dem Libanon und der Welt» eine Podiumsdiskussion in der Kapelle Santa Croce statt. Dabei geht es zunächst um die Person des heiligen Charbel und seine Gemeinsamkeiten mit Niklaus von Flüe, danach um die Situation im Libanon, der «Schweiz des Nahen Ostens». Geplant sind Beiträge von Charles Gallo, dem früheren Präsidenten der Vereinigung Solidarité Liban-Suisse und Vizepräsidenten des Pfarrgemeinderates von San Vittore, Pater Charbel Khachan, Pfarrer von St. Pierre in Fribourg, und Nabih Yammine, dem Gründer der Vereinigung Solidarité Liban-Suisse. In einem Interview spricht der Schweizer Botschafter Bernardino Regazzoni über die diplomatische Rolle der Schweiz in der Welt. Moderiert wird der Anlass vom RSI-Journalisten Alessandro Tini.

Am Abend findet ein Gedenkkonzert in der Pfarrkirche von Roveredo mit dem Kirchenchor von Roveredo und der «Accademia Corale Vittore Veneziani» aus Ferrara statt. Dass dieser Chor zu diesem Ereignis nach Roveredo kommt, ist nicht von ungefähr. Wie anfangs erwähnt, wurde letztes Jahr die «Missa Pacis» von Vittore Veneziani aufgeführt. In seinem Heimatort gibt es inzwischen ein Studienzentrum über ihn und eben auch die «Accademia Corale Vittore Veneziani». Der Chor wird am Sonntag in der Heiligen Messe in der Pfarrkirche von Roveredo wiederum die «Missa Pacis» von Vittore Veneziani aus dem Jahr 1945 singen.
 


Etwas unglücklich, aber der Terminüberschneidung geschuldet, wird zeitgleich in der Stiftskirche von San Vittore eine Liturgie im maronitischen Ritus gefeiert. Im Anschluss werden Reliquien des heiligen Charbel Makhlouf feierlich in die Kapelle Santa Croce überführt.

Der Anlass findet seinen Abschluss mit einer Podiumsdiskussion am Montagabend in der Kapelle Santa Croce. Unter dem Titel «Samen des Friedens. Vom Libanon in die Schweiz – humanitäre Hilfe, Diplomatie und Kunst für den Frieden» diskutieren Alexander Widmer vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA, Francesca Züllig, Beauftragte der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit für den Libanon und Clyo Lurati, Initiatorin des Projekts «Your hands are their hands».

Charles Gallo erhofft sich durch diesen Anlass eine Sensibilisierung der lokalen Bevölkerung. «Ich hoffe, dass die Menschen sehen, wie gut es uns in der Schweiz geht.» Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass der Libanon einst als Schweiz des Nahen Ostens galt. «Könnte sich die Schweizerische Eidgenossenschaft, ein kleines Land, das von Grossmächten umgeben ist, theoretisch in derselben Situation wie der Libanon befinden?»

Nach der feierlichen Überführung der Reliquien ist ein schweizerisch-libanesisches Essen geplant, das die Möglichkeit bietet, miteinander ins Gespräch zu kommen und so ganz im Geist der Heiligen Niklaus von Flüe und Charbel Makhlouf zu mehr Frieden in der Welt beizutragen.
 

Programm des Anlasses


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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