Die St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin nach der umstrittenen Restaurierung. (Bild: Thomas Hummel, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Kommentar

Zwei­tes Vati­ka­num: Der aus­ge­ru­fene Früh­ling hat nicht stattgefunden

Kein «Blick zurück im Zorn», aber eine kri­ti­sche Ana­lyse der kirch­li­chen Ent­wick­lung seit dem Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil – Ein Bei­trag von Weih­bi­schof em. Marian Eleganti

Ich bin 1955 geboren und war begeisterter Ministrant in meiner Kindheit. Zuerst diente ich im Alten Ritus, immer etwas nervös, die lateinischen Antworten nicht zu verpatzen, dann wurde ich mitten im Geschehen umgeschult auf die sogenannte Neue Messe.
Als Kind habe ich den Bildersturm in der altehrwürdigen Kreuzkirche meines Heimatortes miterlebt. Die gotischen Schnitzaltäre wurden unter meinen Kinderaugen niedergerissen. Geblieben sind Volksaltar, leerer Chorraum, das Kreuz im Chorbogen, Maria und Johannes links und rechts an weissen kahlen Wänden. Neue sprechende Glasfenster, die von der im Osten aufgehenden Sonne geflutet werden. Mehr nicht: Es war ein Kahlschlag ohnegleichen. Wir Kinder fanden alles normal und angebracht und haben fleissig für den neuen Steinboden gespart, um unseren Beitrag zur Reform bzw. Renovation der Kirche zu leisten.

Die Konzilseuphorie wurde von den Priestern überallhin getragen, Synoden wurden einberufen, an denen ich als Jugendlicher Teenie selbst teilgenommen habe. Ich habe absolut nicht verstanden, was vor sich ging.

Als 20-Jähriger war ich Novize, habe liturgische Spannungen zwischen den Traditionellen und Progressiven unter den Reformern hautnah und schmerzlich miterlebt. Neue kirchliche Berufe wurden eingeführt wie jener des (meist verheirateten) Pastoralassistenten. Ich erinnere mich an meine diesbezüglich kritischen Anmerkungen, denn die langsam heraufdämmernden Spannungen und Probleme zwischen Geweihten und Ungeweihten waren von Anfang an absehbar. Der Einbruch der Zahl von Priesteramtskandidaten war vorhersehbar und wurde bald sichtbar.

Dem Konzil stand ich als Jugendlicher vorbehaltlos gegenüber, und später studierte ich seine Dokumente mit gläubigem Vertrauen. Trotzdem sind mir seit meinem 20. Lebensjahr einige Dinge aufgefallen: Die Entsakralisierung des Chorraumes, des Priestertums und der Heiligen Eucharistie wie auch des Kommunionempfangs und die Uneindeutigkeit mancher Textpassagen in Konzilsdokumenten: Das alles habe ich als theologisch noch ungebildeter jugendlicher Laie sehr bald konstatiert.

Auch wenn das Priestertum seit meiner Kindheit die stärkste Option in meinem Herzen war, bin ich erst mit 40 Jahren zum Priester geweiht worden. Ich bin mit dem Konzil aufgewachsen, gross geworden und konnte seine Wirkung beobachten, seit es stattgefunden hat. Heute bin ich 70 Jahre alt und Bischof.

Retrospektiv muss ich feststellen: Der Frühling der Kirche ist ausgeblieben; gekommen ist ein unbeschreiblicher Niedergang der Glaubenspraxis und des Glaubenswissens, eine weitverbreitete liturgische Formlosigkeit und Beliebigkeit (bei der ich zum Teil auch selbst mitgewirkt habe, ohne es zu merken).

Aus heutiger Sicht sehe ich alles zunehmend kritischer, auch das Konzil, dessen Texte die meisten bereits hinter sich gelassen haben, immer mit Berufung auf seinen Geist. Was hat man nicht alles in den zurückliegenden 60 Jahren mit dem Heiligen Geist verwechselt, Ihm zugeschrieben. Was alles hat man «Leben» genannt, was nicht Leben brachte, vielmehr auflöste?

Die sogenannten Reformer wollten das Weltverhältnis der Kirche neu denken, die Liturgie neu ordnen und moralische Positionen neu bewerten. Sie sind immer noch dabei, es zu tun. Das Charakteristikum ihrer Reform ist die Fluidität in Lehre, Moral und Liturgie, die Angleichung an weltliche Standards und die postkonziliare, rücksichtslose Disruption mit allem Bisherigen.

Kirche ist für sie vor allem seit 1969 (Editio Typica Ordo Missae. Kard. Benno Gut). Was vorher war, kann man vernachlässigen oder wurde schon revidiert. Es gibt kein Zurück. Die Revolutionärsten unter den Reformern waren sich ihrer revolutionären Akte immer bewusst. Aber ihre postkonziliare Reform, ihre Prozesse, sind gescheitert – auf der ganzen Linie. Sie waren nicht inspiriert. Der Volksaltar ist keine Erfindung der Konzilsväter.

Ich selbst feiere, auch privat, die Heilige Messe im Neuen Ritus. Ich habe aber aufgrund meiner apostolischen Tätigkeit die alte Liturgie meiner Kindheit wieder neu erlernt und sehe den Unterschied, vor allem in den Gebeten und Haltungen, natürlich auch in der Ausrichtung.

Retrospektiv erscheint mir der postkonziliare Eingriff in die fast zweitausendjährige, sehr konstante Form der Liturgie als eine recht gewalttätige, kommissarische Rekonstruktion der Heiligen Messe in den Jahren nach Konzilsabschluss, die mit grossen Verlusten verbunden blieb, die es aufzuarbeiten gilt. Dies geschah auch aus ökumenischen Gründen. Viele Kräfte auch von protestantischer Seite haben hier direkt mitgewirkt, um die althergebrachte Liturgie dem protestantischen Abendmahl anzugleichen und vielleicht auch der jüdischen Sabbatliturgie. Dies geschah elitär, disruptiv und rücksichtslos durch die römische Liturgiekommission und wurde durch Paul VI. der ganzen Kirche auferlegt, nicht ohne grosse Brüche und Risse im mystischen Leib Christi zu verursachen, die bis heute geblieben sind.

So viel steht für mich fest: Wenn man den Baum an seinen Früchten erkennt, wäre eine schonungslose und wahrhaftige Neubewertung der postkonziliaren Liturgiereform dringend angezeigt: historisch redlich und akribisch, unideologisch und offen wie die neue Generation von jungen Gläubigen, welche die Konzilstexte weder kennen noch lesen. Sie haben auch kein Nostalgieproblem, weil sie nur die Kirche in ihrer heutigen Gestalt kennen. Sie sind einfach zu jung, um Traditionalisten zu sein. Erlebt haben sie allerdings, wie heute Pfarreien ticken, wie sie Liturgie feiern, und was von ihrer eigenen religiösen Sozialisation durch die Pfarrei geblieben ist: wenig! Aus diesem Grund sind sie auch keine Progressiven.

Der liberale Katholizismus bzw. der Progressivismus seit den 70er-Jahren, zuletzt im Kleid des Synodalen Weges, hat aus heutiger Sicht ausgedient und die Kirche an die Wand gefahren, in eine Sackgasse geführt. Entsprechend gross ist die Frustration. Wir können es überall sehen. Sonntags- und Werktagsgottesdienste besuchen mehrheitlich alte Leute. Die Jungen fehlen, ausser in einigen kirchlichen Hotspots, die dünn gesät sind. Die Reform erledigt sich von selbst, weil niemand mehr hingeht oder die Ergebnisse liest, ein eisernes Gesetz.

Wie kann man die nachkonziliare Reform zum heutigen Zeitpunkt immer noch so unkritisch und borniert sehen, gemessen an ihren Früchten? Warum ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Tradition und der eigenen (Kirchen-)Geschichte noch immer nicht möglich? Warum will man nicht sehen, dass wir an einer Wegscheide stehen und über die Bücher gehen sollten, vor allem liturgisch?

To be or not to be des Glaubens und des kirchlichen Lebens entscheidet sich auf dem Boden der Liturgie. Hier lebt oder stirbt die Kirche. Das haben Traditionelle und Progressive seit 1965 richtig eingeschätzt. Warum also ist die Tradition bei jungen Menschen im Kommen? Was macht sie für junge Leute so attraktiv? Denkt doch mal darüber nach! Füsse stimmen ab, nicht Räte. Vielleicht ändern wir einfach die Richtung! Versteht ihr?


Weihbischof em. Marian Eleganti


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    Schwyzerin 18.09.2025 um 09:28
    Diese Traditionelle lateinische Messe ist der grösste Schatz den die katholische Kirche hat. Mit dieser Messe blüht die katholische Kirche. Darum sollte die Traditionelle lateinische Messe in allen Kirchen angeboten werden.
  • user
    Gion Caprez 17.09.2025 um 10:30
    Der Weihbischof insinuiert, dass die Kirchen heute mit jungen Leuten voll wären, wenn nur die Priester die Messe wieder mit dem Rücken zum Volk und auf Latein zelebrieren würden. Weiter insinuiert er, dass die Priesterseminare voll wären, gäbe es keine Pastoralassistenten. Also: alte Messe wieder einführen und Pastoralassistenten abschaffen und die Kirche wird wieder blühen wie damals.......?
    • user
      Sabine Stüber 17.09.2025 um 12:54
      Gehen Sie doch einmal in die Institute, wo es so gemacht wird wie ehedem. Diese Priesterseminare sind voll bis auf den letzten Platz und diese Institute haben mehr Nachfrage, als sie bedienen können.
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      Claudio Tessari 17.09.2025 um 13:23
      Das sagt der Weihbischof den ich persönlich gut kenne und schätze nicht. Natürlich war vor dem Konzil nicht einfach eine heile Welt. Aber wenn sie sich mal Zeit und Mühe machen und die Konziltexte über die Liturgie lesen würden, dann würden sie erkennen, dass die aktuelle Messe so nicht gewollt war. Es gab ein Messbuch 1965 welches so angepasst wurde wie es das Konzil wollte, mit mehr Landessprache, mit kürzeren Gebeten etc. Leider wurde dann diese Übergangslösung verworfen und man hat leider mit dem Messbuch 1969 auch Dinge eingeführt wo nirgends stehen. Volksaltar...Zelebrieren zum Volk.... keine Lateinische Sprache... und leider Später Handkommunion... Das war ein Bruch mit der Tradition, der einfach so gekommen war, ohne das dies so von der Kirche gewünscht wurde. Die Katechese ist aber heute sicherlich das Hauptproblem. Wenn man nicht mehr weiss, was die Heilige Messe ist, was die Sakramente sind, dann wird man auch nicht ehrfürchtig und "aktiv" daran teilnehmen. Pastoralassistenten gibt es nur wo es Kirchensteuer gibt.. Warum? 95% der Katholiken kennen und brauchen sie nicht in der Weltkirche. Die Sakramente spenden die Priester, dass andere wird von den Laien organisiert. Die jüngere Generation sucht wieder einen unverkürzten authentischen Glauben, wo Gott im Zentrum steht und die Messe würdig gefeiert wird, und nicht einen Event oder eine Veranstaltung dafür können sie in die Disco
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        Daniel Ric 17.09.2025 um 21:27
        Ihre Aussagen zu den Pastoralassistenten teile ich. Es braucht in der Kirche Berufungen und nicht Berufe. Sicherlich gibt es hervorragende Laienseelsorger in der Kirche, aber trotzdem sollte klar sein, wer welche Kompetenzen hat. Die Spendung der Sakramente und die Liturgie sollten in den Händen der Priester sein.
        Die Aussagen zur Liturgie halte ich aber für historisch falsch. Die Liturgiebewegung gibt es seit dem 19. Jahrhundert und es war der Wunsch vieler Theologen, den Gläubigen den Gebrauch der Muttersprache zu ermöglichen. Zu behaupten, die lateinische Sprache wäre würdiger als Deutsch oder Französisch, ist schöpfungstheologisch höchst problematisch. Vor allem ist man geschichtlich auf verlorenem Posten, da Jesus Aramäisch sprach und das Evangelium in Griechisch verfasst wurde. Ich bin ein grosser Befürworter davon, allen Menschen, welche die Tridentinische Messe lieben, den Besuch zu ermöglichen. Ich sehe diesbezüglich in der Schweiz auch keine Einschränkung. Trotzdem ist es die Realität, dass die allermeisten Menschen die jetzige Messe bevorzugen. Daher sollten wir nicht versuchen, das Rad der Zeit zurückzudrehen, sondern in die Zukunft zu blicken. Wie können wir im Alltag den Glauben authentisch leben, damit viele Menschen von der Frohen Botschaft erfahren und eine Beziehung zu Christus aufbauen, ist hierbei die entscheidende Frage.
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          Claudio Tessari 19.09.2025 um 14:49
          Sie schreiben:Zu behaupten, die lateinische Sprache wäre würdiger als Deutsch oder Französisch, ist schöpfungstheologisch höchst problematisch.

          Es geht nicht darum, dass Latein würdiger ist, sondern das es eine tote Sprache ist, die nicht immer verändert wird. Es geht darum, dass es nach wie vor die Sprache der Kirche ist. Und wenn die Messe so wie es das Konzil wollte, einen grossen Teil Latein hat, ist es es katholisch, allumfassend. Wenn ich heute in Kroatien in die Messe gehe, verstehe ich nicht alles. Wenn jedoch die Messe hauptsächlich, auf Latein ist, verstehe ich es überall. Dabei spielt es doch keine Rolle welche Sprache Jesus sprach.
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            Daniel Ric 20.09.2025 um 08:32
            Das Argument, man müsse eine tote Sprache in der Liturgie verwenden, hat im Christentum kein historisches Fundament. Am Anfang der Kirche wurden verschiedene Sprachen in der Liturgie eingesetzt. Der Wechsel im Westen von Griechisch auf Latein erfolgte vor allem auch, weil Griechisch nicht mehr von allen Gläubigen verständen wurde. Auch das Latein hat sich ja dann weiterentwickelt, wie wir an unseren romanischen Sprachen erkennen können.
            Was die Verständlichkeit anbelangt, so habe ich sehr häufig Messen besucht, die in einer mir fremden Sprache gefeiert wurden. Ich habe den Ablauf immer verstanden und konnte dem Geschehen folgen. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, dass Katholiken ein Grundwissen über Hebräisch, Griechisch und Latein haben, um sich vertieft mit dem Glauben auseinanderzusetzen. Aber Petrus wird wohl keinen Voci-Test an der Himmelspforte machen, sondern die Taten der Gläubigen bewerten.
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    Martin Meier-Schnüriger 16.09.2025 um 14:21
    Ich denke, man muss unterscheiden zwischen dem, was die Konzilsväter gewollt haben, und dem, was daraus gemacht wurde. Den unbestreitbaren Glaubensabfall der Gegenwart dem 2. Vaikanum in die Schuhe zu schieben, greift zu kurz. Es ist schlicht nicht vorstellbar, dass wir ohne das Konzil jetzt volle Kirchen und Berufungen in Hülle und Fülle hätten. Die Abkehr vom Glauben hat viele Gründe, auch solche, welche die Kirche nicht beeinflussen konnte und kann.
    Statt über das Konzil zu lamentieren, sollten wir viel mehr seine korrekte Umsetzung einfordern. Denn vieles, was unter Berufung auf das Konzil an Abbau betrieben wurde und wird, ist mit dem Willen der Konzilsväter gar nicht vereinbar. Nehmen wir drei prominente Beispiele: Latein, Mundkommunion und Zelebrationsrichtung "versus Dominum". Das Konzil hat nichts davon verboten oder abgeschafft, alles ist auch im "ordo novus" erlaubt, wenn auch nicht mehr zwingend vorgeschrieben. Wetten, dass die meisten Anhänger des a.o. Ritus sich in einer hl. Messe nach dem neuen Ritus in Latein, mit Mundkommunion an der Kommunionbank und mit Zelebrationsrichtung "versus Dominum" genau so wohl fühlen würden wie in einer "echten" a,o.-Messe? Warum macht man nicht mehr von dieser Möglichkeit Gebrauch?
    Wer die über 1000-seitige Biographie Joseph Ratzingers / Papst Benedikt XVI. von Peter Seewald liest, wird feststellen, dass ebendieser Joseph Ratzinger als junger Theologieprofessor entscheidend an den Konzilstexten mitgewirkt hat. Auch er wollte, wie Papst Johannes XXIII., die Fenster aufreissen und frischen Wind in die Kirche hineinlassen. Als er dann merkte, dass gewisse progressive Kräfte nicht Wind hineinlassen, sondern einen Sturm entfesseln wollten, der alles hinwegfegen sollte, hat er entschieden aufs Bremspedal gedrückt. Aber das Konzil als solches hat er bis zu seinem Lebensende nie in Frage gestellt.
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      Joseph Laurentin 18.09.2025 um 08:29
      Ich stimme zu, dass vieles, was postkonziliär geschah, nicht dem Willen der Konzilsväter entsprach. Dennoch ist das Zweite Vatikanum kein Massstab meines Glaubens. Ich sehe es als historisches Faktum und Pastoralkonzil, nicht als verpflichtend. Mein Glaube orientiert sich an dem, was auch 1950 oder 1750 katholisch war. Dass ausgerechnet dieses Konzil zum Kriterium erhoben wird, während fundamentale Dogmen vielerorts bestritten werden, halte ich für befremdlich. Kritik am Konzil sollte möglich sein, ohne das Katholischsein infrage zu stellen.
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    Gabrielle Eng 15.09.2025 um 10:08
    Lieber Weihbischof Eleganti
    Vielen vielen Dank, sie sprechen aus meinem Herzen!
    So ist es!
    Beten wir weiter und stehen wir auf und verteidigen die traditionelle Liturgie.
    Liebe Grüsse und im Gebet verbunden
    Gabrielle Eng
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    Joseph Laurentin 15.09.2025 um 06:34
    Der Beitrag von Weihbischof Eleganti zeigt eindrücklich, warum der nach dem Konzil beschworene „Frühling“ ausblieb: Entsakralisierung, Beliebigkeit, Glaubensschwund. Wünschenswert wäre, dass Papst Leo XIV., fast im gleichen Alter, diese Einsicht teilt und den Mut findet, die Kirche wieder auf Kurs zu führen. Doch einiges deutet darauf hin, dass er die Linie seines Vorgängers fortsetzt – nur eleganter verpackt und nach aussen konservativ bemäntelt. Zum Beispiel das Sakrileg vom 6. September, als eine LGBTQ-Wallfahrt durch die Heilige Pforte im Petersdom zog, blieb ohne päpstliche Reaktion – ein Schweigen, das viele erschüttert. Auch problematische Texte wie Amoris Laetitia oder Traditionis custodes hat er bislang nicht korrigiert. So schwankt sein noch junges Pontifikat zwischen Hoffnung und Enttäuschung.
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    Daniel Ric 15.09.2025 um 05:57
    Ich finde, wir dürfen uns als Katholiken nicht schlechtmachen. Seit 200 Jahren wird der Niedergang der Katholischen Kirche prophezeit und immer noch sind fast 1.5 Milliarden Menschen Katholiken (viel mehr als vor dem Konzil). Seit dem Konzil ist die Kirche internationaler geworden, was uns Katholiken in Europa irritiert, da wir nicht mehr tonangebend sind. Es wäre auch wichtig, die Schuld für die jetzige Lage in der Schweizer Kirche nicht beim Konzil zu suchen, sondern beim persönlichen Versagen vieler Verantwortungsträger. Auch heute noch blüht das kirchliche Leben dort auf, wo Priester die Frohe Botschaft und die Sakramente ins Zentrum ihres Wirkens stellen. Wenn man sich vorbildliche Jugendarbeit anschauen möchte, kann man diese in den fremdsprachigen Missionen sehen. Zehntausende Jugendliche gehen Woche für Woche an die Heiligen Messen und leben ihren Glauben auch im Alltag - und dies ganz im Geiste der Neuerungen des Konzils. Natürlich gibt es solche Gruppen nicht nur in den fremdsprachigen Missionen. Speziell zu erwähnen ist hier die Adoray-Bewegung, die Grossartiges bewirkt. Jeder Katholik, der seinen Glauben aufrichtig leben möchte - und von denen gibt es viele in der Schweiz - stellt einen Frühling dar.
    Noch eine Bemerkung: Dass das Schicksal der Kirche an der Liturgie hängt, stimmt in dem Sinne, als dass Jesus uns aufgetragen hat, die Eucharistie zu feiern. Wenn in vielen Pfarreien die Eucharistie durch Wortgottesdienste weggedrängt wird, dann widerspricht dies der klaren Aussage Jesu und dies führt zum Niedergang der Kirche (wie wir gerade im Bistum Basel in den letzten Jahrzehnten sehen konnten). Falsch halte ich aber die Meinung, dass die Liturgiesprache, die Körperhaltung des Priesters oder liturgische Kleider das Schicksal der Kirche bestimmen. Jesus hat uns aufgetragen, dieses zentrale Geheimnis unseres Glaubens zu feiern, ER hat aber keine konkreten Bestimmungen gegeben, wie dies geschehen soll. Natürlich braucht es eine klare Ordnung, was die Liturgie betrifft. Aber jede Ordnung ist diesbezüglich menschengemacht und daher sollte man nicht glauben, Menschengemachtes wird das Schicksal der Kirche entscheiden (ob dieses Menschengemachte nun 1700 oder 70 Jahre alt ist). Das Schicksal der Kirche entscheidet sich daran, ob wir uns an das halten, was Jesus uns aufgetragen hat: Die Feier der Sakramente und die Gottes- und Nächstenliebe im Alltag.
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      Claudio Tessari 15.09.2025 um 16:47
      3 Kleine Anmerkung
      Die Kirche hat doppelt soviel Mitglieder wie vor dem Konzil das stimmt, aber im Verhältnis zum Wachstum der Menschen ist das Verhältnis sinkend.

      Die Missionen halten sich aber auch an die Liturgischen Vorschriften, was leider in der neuen Messe wirklich oft im deutschsprachigen Raum einen Seltenheit ist.

      Es kommt schon auch die Haltung die Gewänder etc. darauf an. Wenn wir Gott nicht die gebührende Ehre geben, ihn nicht wieder ins Zentrum stellen, ist das nicht anziehend. Ein Grund warum viele in den alten Ritus gehen. Wie sagt man so schön, das Auge isst mit.
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    Asellus (Eselchen) 14.09.2025 um 18:03
    Ehrwürdiger Herr Weihbischof em. Marian Eleganti, ich danke Ihnen für diesen ehrlichen und geistlich tief verankerten Artikel. Ihre Worte berühren mich – nicht aus bloßer Nostalgie, sondern aus gelebter Erfahrung.
    Geboren 1953, bin ich mit dem Missale von 1962 aufgewachsen und durfte in unserer Walliser Gemeinde als Oberministrant dienen. Unser ehrwürdiger Herr Pfarrer und mein Vater selig hatten das Heu auf der gleichen Bühne – nicht nur geistlich, sondern auch politisch, denn mein Vater unterstützte ihn in vielerlei Hinsicht. Diese enge Verbindung zwischen Kirche und Alltag war für mich prägend.
    Später im Internat habe ich den Übergang zur modernen Liturgie kaum wahrgenommen – unser über 90-jähriger Prior hielt unbeirrt an der überlieferten Form fest. Auch meine Frau und ich haben das Ehesakrament 1980 in traditioneller Weise empfangen – ein Moment voller Würde und geistlicher Tiefe, den ich nie vergessen werde.
    Im Berufsleben habe ich mich weiterhin rege am sakralen Leben der römisch-katholischen Kirche beteiligt. Neu war für mich, dass auch Laien als Lektoren und Kommunionhelfer in die Liturgie eingebunden wurden. Während dieser Trend in den Innerschweizer Gemeinden – im Gegensatz zum Walliser und Vorarlberger Bistum – oft kopflos vorangetrieben wurde, wurde auch ich von einem laiisierten und verheirateten Priester gefragt, ob ich mitwirken wolle. Ich sagte zu – und diente 15 Jahre lang als Lektor und Kommunionhelfer.
    Doch mit der Zeit spürte ich, dass die Lektorentreffen immer „linker“ wurden und kaum noch etwas von echter Gläubigkeit zu erkennen war. Das Amt, das ich einst mit einem einfachen Handschlag übernommen hatte, verlor für mich an geistlicher Tiefe. Meine nähere Umgebung – Menschen, die mir geistlich verbunden sind – ermutigte mich, diesen Schritt zu reflektieren und mich den großen Exerzitien im Alltag nach dem hl. Ignatius von Loyola zu widmen. Glücklicherweise hatte ich früher bereits die „Bekenntnisse“ des hl. Augustinus gelesen – sie wurden mir in dieser Phase zu einem inneren Kompass.
    Nach reiflicher Überlegung bin ich auch zur Mundkommunion meiner frühen Kindheit zurückgekehrt – ein Ausdruck der Ehrfurcht, die mir in der heutigen kirchlichen Landschaft oft fehlt. Die Struktur meiner Kirchgemeinde hat sich ohnehin stark verändert: Im Gegensatz zu meiner Walliser Heimat und meiner zweiten Vorarlberger Heimat gibt es hier nun sogenannte „Pastoralräume“, in denen Laien predigen und Gemeinden leiten – Zustände, die eher an die reformierte Praxis erinnern.
    Ich bin schon froh, wenn im Pfarrblatt nicht wochenweise nur ein „K“ steht – das Kürzel für einen Gottesdienst mit Kommunion, aber ohne Eucharistie. Ein einziger Priester betreut vier oder fünf ehemals lebendige Gemeinden mit wunderschönen Pfarrkirchen. Ich selbst besuche nur noch Gottesdienste mit „E“ – also mit heiliger Eucharistie. Denn dort spüre ich noch jene sakrale Tiefe, die mich einst geprägt hat.
    Wenn Weihbischof em. Marian Eleganti vom „nicht stattgefundenen Frühling“ spricht, sehe ich darin keinen Vorwurf, sondern eine Einladung zur Rückbesinnung. Vielleicht war das Konzil ein notwendiger Aufbruch – aber einer, dessen Früchte sich erst zeigen, wenn wir wieder tiefer wurzeln. Die Sehnsucht nach Sakralität, Klarheit und geistlicher Heimat ist heute lebendiger denn je.
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    Schwyzerin 13.09.2025 um 21:45
    Ich erlebe es immer wieder, dass junge Menschen ohne Vorurteile die klassische Messe besuchen. Das junge Herz ist offen, weshalb sie die klassische Messe lieben lernen. Hingegen gibt es ältere Menschen, die zum Voraus kathegorisch die klassische Messe wegen dem Latein ablehnen. Auch wenn Lesung und Evangelium übersetzt würde, lehnen sie die klassische Messe trotzdem ab. Dann gibt es Kirchenräte die für Erntedank-, Kinder-,Krankensalbungs-, Fasnachtsgottesdienste usw. sind. Da muss man sich nicht wundern, warum aus diesen Ortspfarreien keine Priesternachfolger mehr hervorgehen. Was die Liturgiereform betrifft, ist der Papst zuständig. Für eine Neubewertung der postkonziliaren Liturgiereform muss man sich an Papst Leo XIV. wenden.
  • user
    John Henry 13.09.2025 um 21:29
    Auf den Punkt. Ich vermute, dass meine Generation und
    Jene vor mir wie die Ungläubigen in der Wüste gehen müssen, damit eine neue junge Generation neutral, glaubenstreu, heilig und wahrheitsgetreu die Sachlage aufarbeitet und die Liturgie wieder in eine würdevolle Anbetung umwandelt. Herr beeile Dich 🙏