Bilder des Empfangs von Kardinal Tscherrig. (Bilder: Niklaus Herzog/swiss-cath.ch)

Kirche Schweiz

Fest­li­cher Got­tes­dienst für Kar­di­nal Tscher­rig: Freude herrscht

Emil Tscherrig, mittlerweile 77 Jahre alt, hat die Welt gesehen. Nach dem Abschluss der theologischen, philosophischen und kirchenrechtlichen Studien (Doktorat zum Thema «Das Wesen des Ökumenischen Konzils») trat er in die diplomatischen Dienste des Vatikans. Seine Diplomaten-Laufbahn begann er als Sekretär in der Nuntiatur in Kampala, der Hauptstadt von Uganda. Es folgten Stationen in den päpstlichen Vertretungen in Süd-Korea und Bangladesch. In den Vatikan zurückgekehrt übernahm er die Mitverantwortung für die Organisation der zahlreichen Auslandsreisen von Papst Johannes Paul II. Emil Tscherrig tat dies mit grossem Elan, kam er doch dabei in zahlreichen Kontakt mit kirchlichen und staatlichen Behörden der Auslandsdestinationen des Papstes. Emil Tscherrig ist von der positiven Ausstrahlung dieser Papstreisen überzeugt, zu denken ist dabei namentlich an dessen Beitrag zum Zusammenbruch des diktatorischen Sowjetregimes.

1996 ernannte ihn der Papst zum Botschafter in Burundi: Sozusagen seine Feuertaufe, war dies doch just die Zeit eines mörderischen Bürgerkrieges, dem Hunderttausende zum Opfer fielen. Im gleichen Jahr wurde er zum Titularerzbischof geweiht. Es folgten mehrere Einsätze in Übersee.

2008 wurde Emil Tscherrig Nuntius in den skandinavischen Ländern. In diese Zeit fällt ein aussergewöhnliches Ereignis: Intuitiv hatte er die Gefahr erkannt, die der Katholischen Kirche durch ein Interview des Holocaustleugners und Bischofs Richard Williamson von der Piusbruderschaft drohte. Umgehend warnte Erzbischof Tscherrig die zuständigen Stellen im Vatikan vor diesem Torpedo. Als kurz darauf Papst Benedikt XVI. gleichwohl die Exkommunikation der unerlaubt geweihten Bischöfe der Piusbruderschaft und damit von Bischof Williamson aufhob, überflutete ein medial inszenierter Tsunami die Katholischen Kirche. Die zuständigen Instanzen im Vatikan wollten weder von diesem Interview noch von dessen Warnung durch Erzbischof Tscherrig etwas gewusst haben. Vatikan-Insider behaupten, Papst Benedikt XVI sei von ihm feindlich gesinnten Kreisen bewusst eine Falle gestellt worden. Im Lichte der nachfolgenden Entwicklungen am Sitz der Weltkirche entbehrt diese Interpretation nicht der Plausibilität.
 


2017 ernannte Papst Franziskus Erzbischof Tscherrig zum Nuntius für Italien und San Marino. Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte wurde dieser wichtige Posten einem Nicht-Italiener anvertraut. Nun nahm ihn der Papst im Konsistorium vom September 2023 ins Kardinalskollegium auf. Die Amtszeit für Nuntius Tscherrig endete am 11. März 2024. Damit hat er endlich wieder Zeit, wenigstens für ein paar Wochen in seine Oberwalliser Heimat zurückzukehren, dorthin, wo der bodenständige Bauernsohn seine Wurzeln hat und die er bei allen diplomatischen Höhenflügen zeit seines Lebens nie vergessen hat.

Nach der langen Odyssee über fast alle Ozeane hinweg freuen sich die Walliser umso mehr über die (temporäre) Rückkehr ihres berühmten Sohnes. Er wird auch in Zukunft nicht den wohl verdienten Ruhestand geniessen, sondern weiterhin in wichtigen Dikasterien der römischen Kurie wie jenen für die Bischöfe und für die Heiligsprechungen tätig sein.

Am Sonntag, den 2. Juni 2024, ehrten die Walliser den unlängst zum Kardinal ernannte Emil Tscherrig in einem feierlichen Gottesdienst in der Kathedrale von Sitten. Nach einer Begrüssung durch den Diözesanbischof Jean-Marie Lovey ergriff Kardinal Tscherrig in der Homilie das Wort. Er dankte darin der Vorsehung Gottes, den Eltern und der Herkunftspfarrei für seine Berufung zum Priestertum. Eine Berufung, die ihm nicht auf dem «Silbertablett» präsentiert worden war.
 


Eindrückliche Predigtworte
«Derjenige aber, der in allen wirkt und der Ursprung aller Dinge ist, ist Jesus, unser Gott und Herr. Ihm gebühren die Ehre und der Ruhm jetzt und in Ewigkeit! Ihm ist es zu verdanken, dass ich vor 50 Jahren von Bischof Nestor Adam hier in dieser Kathedrale zum Priester geweiht wurde. Ich erinnere mich gerne an dieses Ereignis, weil es den Abschluss oder sozusagen die Krönung eines langen und schwierigen Entscheidungsprozesses darstellt. Es waren die 68er-Jahre des letzten Jahrhunderts und wir jungen, freiheitsliebenden Menschen wollten uns von allen traditionellen Autoritäten, sowohl ziviler als auch kirchlicher Natur, befreien. In diesem Durcheinander von Vorschlägen, Ideen und Ideologien – von denen einige später in Gewalt umschlugen – war die Einladung, sich Gott zu widmen, sicherlich nicht die attraktivste.
Ich bin Gott und unseren damaligen geistlichen Begleitern noch heute zu grossem Dank verpflichtet, dass sie mir geholfen haben, den Weg aus diesem Wirrwarr zu finden. Sie haben mir gezeigt, dass der Weg zur wahren Freiheit nicht darin bestand, zu tun und zu lassen, was mir gefiel, sondern mein Leben in die Hände des Höchsten der Herren zu legen und seinen Willen zu tun. Diese Erkenntnis gehört zu einer der schönsten Erfahrungen meines Lebens. Es war der Tag, an dem ich frei wurde: nun war ich auch bereit zum Gehorsam und zu tun, was immer von mir verlangt wurde.»

Im Anschluss an die würdige und schlichte Gottesdienstfeier überbrachte Staatsratspräsident Franz Ruppen die Glückwünsche der Walliser Kantonsregierung. Er hob die Bedeutung der Kirche für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer von Kriegen und sozialen Konflikten zerrissenen Welt hervor. Staatsratspräsident Franz Ruppen schloss mit den Worten: «Wir sind stolz auf Kardinal Tscherrig – Freude herrscht»  und brachte damit die Stimmung unter den zahlreichen Gläubigen kongenial auf den Punkt.


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

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    Hansjörg 03.06.2024 um 14:08
    Wo liegt eigentlich das durchschnittliche Pensionsalter der kath. Priester, Bischöfe und Kardinäle?
    • user
      Meier Pirmin 04.06.2024 um 16:50
      Nach Jesus Christus gibt es für praktizierendes Christsein im Sinne des Apostolates so wenig ein Pensionsalter wie eine Kirchensteuer. Die wahre Frühpensionierung im Sinne der Nachfolge Christi ist das Martyrium. Dies wäre auch die vergessene Bedeutung der roten Farbei des Kardinalats. Daran erinnerten religiöse Revolutionäre um die Reformationszeit. Dort wurde jedoch erst recht ein beamteter pensionsberechtigter Klerus eingeführt. Diese Leute nannte Paracelsus "Bleiapostel". Das Schimpfwort war an keine Konfession gebunden. Ich vermute, dass der kritische Unterton Ihrer Frage in diese Richtung geht.