In der Erklärung «Fiducia supplicans» festgehalten, dass Paare in irregulären Situationen und gleichgeschlechtliche Paare gesegnet werden können. Selbstverständlich nicht durch einen liturgischen Segen – dieser erfordert, «dass das, was gesegnet wird, dem Willen Gottes entspricht, wie dies in der Lehre der Kirche zum Ausdruck kommt» – sondern durch einen «pastoralen Segen».
Dieser werde, «um jedwede Form von Verwirrung oder Skandal zu vermeiden, […] niemals im direkten Zusammenhang mit einer standesamtlichen Feier oder sonst in irgendeiner Verbindung damit erteilt werden können. Dies gilt auch für die Kleidung, die Gesten und die Worte, die Ausdruck für eine Ehe sind» (39). Und selbstverständlich werde der Status von Paaren in irregulären Situationen und von gleichgeschlechtlichen Paaren dadurch offiziell nicht konvalidiert oder die beständige Lehre der Kirche über die Ehe in irgendeiner Weise zu verändert (vgl. Präsentation). Weiter heisst es, dass diese Erklärung im Einklang «mit der massgeblichen Lehre des Heiligen Vaters Franziskus» stehe (45). Warum hier die «Lehre des Heiligen Vaters Franziskus» neben das Lehramt gesetzt wurde, wird nicht erklärt. Anscheinend hat das «Dikasterium für die Glaubenslehre» sozusagen durch die Hintertür eine Art Parallel-Lehramt eingeführt.
Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass «keine weiteren Antworten über mögliche Art und Weisen zur Normierung von Details oder praktischen Aspekten in Bezug auf Segnungen dieser Art erwartet werden» dürfen.
Erklärung der Erklärung notwendig
Nach Veröffentlichung von «Fiducia supplicans» brach weltweit ein Sturm der Entrüstung aus, was das «Dikasterium für die Glaubenslehre» veranlasste, die «Erklärung» doch noch zu präzisieren. In seiner «Pressemitteilung über die Rezipierung der Eklärung» vom 4. Januar 2024 hält das Dikasterium zunächst fest, die Erklärung biete «keinen Rahmen, um ihr gegenüber lehrmässig in Distanz zu gehen oder sie als häretisch, der kirchlichen Tradition zuwiderlaufend oder blasphemisch zu betrachten».
Das eigentliche Neue dieser Erklärung sei nicht die Möglichkeit der Segnung von Paaren in irregulären Beziehungen, sondern «die Aufforderung, zwischen zwei verschiedenen Formen von Segnung zu unterscheiden, nämlich der ‹liturgischen oder rituellen› und der eher ‹spontanen oder seelsorgerisch motivierten›» (4). Weiter wird ausdrücklich festgehalten, dass der Segen eine «pastorale Annahme» von Paaren in irregulären Situation bedeute, nicht aber derer Verbindung. Ein Paradoxon, von dem vermutlich nicht einmal das Dikasterium respektive Papst Franziskus weiss, wie es gelöst werden soll. Ein Paar ist ein Paar aufgrund seiner Beziehung; ohne Beziehung wären es einfach zwei Menschen. Wie nun also ein Paar gesegnet werden kann, ohne gleichzeitig das zu segnen, was es zum Paar macht, bleibt ungeklärt.
Das Ritual selbst soll nur ein paar Sekunden dauern. Kardinal Fernández gibt dann auch ein Beispiel eines solchen Segens: «Herr, schau auf diese deine Kinder, gib ihnen Gesundheit, Arbeit, Frieden und gegenseitige Hilfe. Befreie sie von allem, was deinem Evangelium widerspricht, und gib ihnen, dass sie nach deinem Willen leben. Amen.» Der Priester soll anschliessend ein Kreuzzeichen über einen jeden von ihnen machen.
Angesichts dieses Gebets stellt sich die Frage, inwieweit hier ein Paar gesegnet wird. Selbst das Kreuzzeichen wird nicht über dem Paar gemacht, sondern einzeln über den beiden Menschen.
Das Schreiben betont nochmals, dass kein Bischof befugt sei, «Segnungen vorzuschlagen oder zu erteilen, die einer liturgischen Feier ähneln könnten».
Papst Franziskus bleibt unbeeindruckt
Papst Franziskus lässt sich bis heute trotz vieler negativer Reaktionen aus aller Welt nicht eines Besseren belehren lassen. Bei seinem Auftritt in einer italienischen Talkshow(!) am 14. Januar 2024 erklärte er: «Manchmal werden Entscheidungen nicht akzeptiert. Aber in den meisten Fällen, wenn man eine Entscheidung nicht akzeptiert, liegt es daran, dass man sie nicht versteht.»
Im Interview mit der Zeitung «La Stampa» meinte Franziskus, dass diejenigen, die vehement gegen «Fiducia supplicans» protestieren, «zu kleinen ideologischen Gruppen» gehören. Ein Beispiel dafür seien die Afrikaner. «Für sie ist Homosexualität aus kultureller Sicht etwas ‹Hässliches› (brutto), sie tolerieren sie nicht.» Dass die afrikanischen Bischöfe ihre Ablehnung von «Fiducia supplicans» biblisch begründen, verschwieg der Papst.
Völlig ungerührt von all den negativen Reaktionen meinte Franziskus weiter: «Aber im Allgemeinen vertraue ich darauf, dass sich allmählich alle mit dem Geist der Erklärung ‹Fiducia supplicans› des Dikasteriums für die Glaubenslehre anfreunden können: Sie will einschliessen, nicht spalten. Sie lädt die Menschen ein, Gott aufzunehmen und sich ihm anzuvertrauen.»
Wer sind diese «kleinen ideologischen Gruppen», die «Fiducia supplicans» ablehnen?[1]
Die Bischofskonferenzen von Angola, den Antillen, Belarus, Benin, Burkina Faso, Burundi, Französisch-Guayana, Gabun, Ghana, Haiti, Kamerun, Kasachstan, DR Kongo, Malawi, Niederlande, Niger, Nigeria, Polen, Ruanda, Sambia, São Tomé, Simbabwe, Togo, Ukraine und Ungarn; die australische, britische und amerikanische Bruderschaft des katholischen Klerus; die Ukrainisch-Griechisch-Katholiken, einzelne Diözesen sowie Kardinäle wie Gerhard Ludwig Müller, Robert Sarah oder Joseph Zen
(Begrüsst wird «Fiducia Supplicans» von den Bischofskonferenzen von Algerien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Libyen, Marokko, Österreich, Portugal, Schweiz, Südafrika, Tunesien und Westsahara sowie von einzelnen Diözesen.)
Auch wenn die Listen nicht vollständig sind, zeigt sich klar, dass es sich hier nicht um «kleine Gruppen», geschweige denn um «ideologische» Gruppen handelt. Bischofskonferenzen sind in jedem Land sehr unterschiedlich zusammengestellt, was eine ideologische Haltung verhindert.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
sind Eigenmächtigkeiten – und sein sie noch so gut gemeint – in der Liturgie und in der Interpretation und Verkündigung der Lehre unbedingt zu vermeiden. Wie will ein solcher Priester, und/oder auch Laie mit einem entsprechenden Lehrauftrag der Kirche, all das wieder ausbügeln, wenn dadurch Sakramente und/oder Weihen ungültig und/oder einfache Gläubige zu Irrenden wurden? Wie will er diese Veranwortuing vor Gott und der Kirche tragen?