Vier neue Novizen in Phuóc-Son. (Bild: zisterzienserfamilie.blogspot.com/)

Weltkirche

Viet­nam: ein frucht­ba­rer Boden für kon­tem­pla­ti­ves Leben

Benoît Thuận, der fran­zö­si­sche Mis­sio­nar, der den Zis­ter­zi­en­sern in Viet­nam den Boden berei­tete, wird zur Ehre der Altäre erhoben

Die diözesane Phase des Seligsprechungsprozesses für den französischen Priester, die am 14. Dezember 2018 eröffnet worden war, wurde nun am 10. Mai 2024 in Rom abgeschlossen. An der Zeremonie zum Abschluss des Seligsprechungsprozesses der Diözese Co Thuan nahmen auch der Generalabt des Zisterzienserordens, Mauro Giuseppe Lepori, Vertreter der Oberen der «Zisterzienserkongregation der Heiligen Familie» sowie Mönchen und Nonnen der vietnamesischen Zisterzienserfamilie teil. In ihrer Anwesenheit wurden die Dokumente, die die Heiligkeit von P.  Benoît Thuan untersuchten, gemäss den kirchenrechtlichen Vorgaben versiegelt und dem «Dikasterium für die Heiligsprechungen» übergeben.

Pater Benoît Thuan, als Henri Denis 1880 in Frankreich geboren, trat in die «Société des Missions Etrangères de Paris» ein und wurde 1903 zum Priester geweiht. Die Gemeinschaft schickte ihn unmittelbar nach der Weihe nach Annam (Vietnam). Dort gab ihm der Bischof von Hue den vietnamesischen Namen Thuan, der «Gehorsam» oder «Zustimmung» bedeutet. Nachdem Pater Henri Thuan zehn Jahre in der Seelsorge tätig gewesen war, wurde er Lehrer am Kleinen Seminar in An-Ninh. Bezeichnend für ihn war, dass er den Menschen nicht wie ein Vorgesetzter begegnete, sondern wie ihr Diener und sich ihrer Kultur anpasste.

Da es in Vietnam zwei Karmelitinnenklöster, aber kein einziges kontemplatives Männerkloster gab, reifte in P. Henri Thuan der Gedanke, ein Kloster für vietnamesische Kandidaten zu gründen. Er wandte sich mit seiner Idee an die Äbte der Trappisten in Frankreich und Italien, später auch an die Benediktiner und Kartäuser, bekam aber keine zufriedenstellende Antwort. Nachdem er vom Heiligen Stuhl die Vollmacht zur Gründung einer neuen kontemplativen Kongregation erhalten hatte, brach P. Henri Thuan am 14. August 1918, nur von einem vietnamesischen Laien begleitet, nach Phuóc-Son («Gebirge des Glücks») auf, wo ihnen ein Gelände für die Klostergründung zur Verfügung gestellt worden war. Am Fest Maria Himmelfahrt 1918 feierte er dort die erste Heilige Messe in einer schlichten Strohhütte und begann zusammen mit seinem Begleiter ein monastisches Leben nach der Regel des heiligen Benedikt und den an die Erfordernisse des Landes angepassten Gebräuchen von Cîteaux. Pater Henri Thuan nannte das Kloster «Unsere Liebe Frau von Annam» (später wurde das Kloster in «Notre-Dame de Phuóc-Son» umbenannt.) Als Ordensnamen wählte er Benedictus (französisch Benoît). Trotz der Strenge des Klosterlebens oder vielleicht gerade deshalb zog dieses religiöse Ideal sofort Dutzende junger Menschen an.

Pater Benoît Thuan bat um die Eingliederung des Klosters in den Trappistenorden, was jedoch abgelehnt wurde. Er wandte sich in der Folge an die Zisterzienser. Die Affiliation im Jahr 1935 erlebte er nicht mehr – er starb am 25. Juli 1933. Der Konvent bestand bei der Eingliederung in den Zisterzienserorden bereits aus 93 Mitgliedern.

Pater Benoît Thuan selbst kann nicht als Zisterzienser bezeichnet werden, da er keine zisterziensische Ausbildung genoss. Dennoch steht seine Klostergründung am Anfang des in Vietnam blühenden zisterziensischen Ordenslebens, aus dem die «Zisterzienserkongregation von der Heiligen Familie» entstand, die heute mehrere Klöster umfasst. Mit über 1000 Mönchen und Nonnen ist sie die mitgliederstärkste Kongregation des Zisterzienserordens, dem aktuell rund 2200 Mitglieder angehören.

Durch den politischen Umschwung von 1945 musste das Kloster Phuoc Son nach Thu Dúc in der Diözese Saigon umsiedeln. Der 11-jährige Vietnamkrieg endete 1975 mit der Eroberung Südvietnams durch die kommunistischen Vietcong, wodurch sich die Lage der Katholischen Kirche ganz allgemein drastisch verschlechterte. 1978 wurden zwei Mönche verhaftet, die anderen rund hundert zerstreut. Sie teilten sich in kleine Gruppen auf und liessen sich in verschiedenen Regionen im Süden Vietnams nieder. Seit 1987 hat sich die Situation für die Ordensgemeinschaften im Land etwas entspannt.

Während der Zeremonie betonte Abt Lepori, dass fast ein Jahrhundert später immer noch die «prophetische Kraft dieses zum Mönch gewordenen Missionars» zu spüren sei, der «seine Mission bis zum Äussersten trieb». «Pater Benoît» hat verstanden, dass es nicht genügt, die Verkündigung Christi des Erlösers bis in die entlegensten Winkel der Erde zu tragen. Es ist vielmehr notwendig, sie  tief in die Herzen der Menschen zu tragen».


Quellen:
http://www.zisterzienserlexikon.de/wiki/Denis,_Henri

https://ocdvietnam.org/2024/05/13/ket-thuc-tien-trinh-phong-chan-phuoc-cap-giao-phan-cho-co-thuan-vi-sang-lap-dong-xito-o-viet-nam/

https://www.asianews.it/news-en/Beno%C3%AEt-Thu%E1%BA%ADn,-the-missionary-who-brought-the-Cistercians-to-Vietnam-to-be-raised-to-the-honours-of-the-altars-60714.html

 


Redaktion


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